Theodizee, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Theodizee · Nominativ Plural: Theodizeen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [teodiˈʦeː]
Worttrennung Theo-di-zee
Herkunft aus gleichbedeutend théodicéefrz (bei Leibniz) < theósgriech (θεός) ‘Gott’ + díkēgriech (δίκη) ‘Gerechtigkeit’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Philosophie Rechtfertigung Gottes hinsichtlich des von ihm in der Welt zugelassenen Übels und Bösen, das mit dem Glauben an seine Allmacht, Weisheit und Güte in Einklang zu bringen gesucht wird
Kollokationen:
als Genitivattribut: das Problem, die Frage der Theodizee
Beispiele:
Ist Gott allgütig, so möchte er menschliches Leid verhindern; ist er allwissend, so weiß er, wie das zu bewerkstelligen wäre; ist er allmächtig, so kann er das auch in die Tat umsetzen. Wieso ist unser Leben dann von Angst, Trauer und Schmerz durchwebt? Diese Frage nach der Theodizee, nach der Verantwortung und der Rechtfertigung Gottes für die Existenz des Übels in der Welt, ist für die Theologie, gleich welcher Religion, eine der schwierigsten überhaupt. [Die Religion der Atheisten, 14.11.2013, aufgerufen am 15.09.2018]
Der christliche Apologet Lactantius (250–317) fasst diese »Theodizee« genannte, wahrscheinlich auf die sophistische Philosophie zurückgehende Argumentation prägnant zusammen: Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft, Oder er kann es und will es nicht: Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist, Oder er will es nicht und kann es nicht: Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott, Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg? [Das Virus, die Fundamentalisten und die moderne »Religion light«, 26.04.2020, aufgerufen am 22.05.2020]
Die Frage, wie ein allgütiger und allmächtiger Gott es zulassen kann, dass unschuldige Menschen von den Fluten verschlungen werden und unter einem unergründlichen Schicksal leiden müssen, muss Christen stets in ihrem Innersten aufwühlen. Den asiatischen Religionen stellt sich demgegenüber die Herausforderung der Theodizee nicht. Wer keinen anthropomorphen Gott reklamiert, keinen gerechten, strafenden oder auch vergebenden Vater, der kann sich, so er sich vom Schicksal ungerecht behandelt fühlt, auch nicht beschweren oder gar auflehnen. [Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2004]
[…] nicht einmal die größten Denker konnten eine Theodizee für die Shoa finden. Für die Orthodoxen liegt es deshalb nahe, in dem unaussprechlichen Schrecken eine Rache oder eine Bestrafung oder Züchtigung Gottes zu sehen. Für den gesunden Menschenverstand ist das natürlich ein dunkler Unsinn. [Süddeutsche Zeitung, 26.08.2000]
Die theozentrischen Weltbilder entwerfen Theodizeen, um das Bedürfnis nach einer religiösen Erklärung des als ungerecht wahrgenommenen Leidens in ein individuelles Heilsbedürfnis umzuinterpretieren und zu befriedigen. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns – Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 281] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Theodizee‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Theodizee‹.

Zitationshilfe
„Theodizee“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Theodizee>.

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