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Tiefe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tiefe · Nominativ Plural: Tiefen
Aussprache 
Worttrennung Tie-fe
Grundform tief
Wortbildung  mit ›Tiefe‹ als Erstglied: ↗Tiefenbestrahlung · ↗Tiefendimension · ↗Tiefenerosion · ↗Tiefengestein · ↗Tiefenillusion · ↗Tiefeninterview · ↗Tiefenlinie · ↗Tiefenmessung · ↗Tiefenperson · ↗Tiefenpsychologie · ↗Tiefenrausch · ↗Tiefenreinigung · ↗Tiefenrekord · ↗Tiefenruder · ↗Tiefenschicht · ↗Tiefenschärfe · ↗Tiefensehen · ↗Tiefenstruktur · ↗Tiefenströmung · ↗Tiefenstufe · ↗Tiefenwinkel · ↗Tiefenwirkung · ↗Tiefenzone · ↗tiefenentspannt · ↗tiefenpsychologisch · ↗tiefenwirksam
 ·  mit ›Tiefe‹ als Letztglied: ↗Bildtiefe · ↗Brunnentiefe · ↗Eindringtiefe · ↗Erdtiefe · ↗Farbtiefe · ↗Gedankentiefe · ↗Gefühlstiefe · ↗Gemütstiefe · ↗Meerestiefe · ↗Raumtiefe · ↗Schlaftiefe · ↗Schneetiefe · ↗Schärfentiefe · ↗Seetiefe · ↗Tauchtiefe · ↗Untiefe · ↗Wassertiefe · ↗Wertschöpfungstiefe
eWDG

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu Höhe
a)
senkrechte Ausdehnung nach unten
Beispiele:
eine große, beachtliche, schwindelerregende, unergründliche Tiefe
die Tiefe eines Sees, Schachtes, Abgrundes
der Fluss hat eine beträchtliche Tiefe
die Tiefe eines Brunnens schätzen
die Tiefe einer Fahrrinne ausloten
der Fluss hat, erreicht eine Tiefe von 5 Meter(n)
eine Wunde von drei Millimeter Tiefe
b)
Entfernung unterhalb der Bodenoberfläche, Wasseroberfläche
Beispiele:
in der Tiefe versinken
aus der Tiefe, den Tiefen des Sees emportauchen
das Wrack liegt vermutlich in einer Tiefe von 20 Meter(n)
in vier Meter Tiefe stieß man auf Grundwasser
c)
in die Tiefenach unten
Beispiele:
in die Tiefe fallen, stürzen, sinken, springen
die Taucher sind 40 Meter in die Tiefe getaucht
d)
übertragen
Beispiele:
sein Lebensweg hat ihn durch Höhen und Tiefen (= durch Freud und Leid) geführt
seine Forschungen gingen in die Breite, nicht in die Tiefe
Daß dieser Mensch aus den Tiefen der Gesellschaft aufgestiegen war, stimmte sicher [ BrechtDreigroschenroman251]
2.
Ausdehnung einer Fläche von vorn nach hinten
Beispiele:
der Garten, der Saal, die Bühne hat eine Tiefe von 10 Meter(n)
die Tiefe des Schranks beträgt 60 Zentimeter
Die Treibelsche Villa lag auf einem großen Grundstücke, das, in bedeutender Tiefe, von der Köpnicker Straße bis an die Spree reichte [ FontaneTreibelI 3,308]
Der Hof hatte die Breite des Mietshauses, maß aber nur sieben Schritte in die Tiefe [ GrassBlechtrommel77]
das Innere eines Raumes
Beispiele:
er ging in die Tiefe des Zimmers
es gelang dem Angreifer, in die Tiefe des Landes einzubrechen
aus der Tiefe des Parks drang Musik an unser Ohr
in der Tiefe des Waldes hörte man die Axtschläge der Holzfäller
Der Mond war schon sichtbar, in die Tiefe der Gasse drang sein Licht aber noch nicht [ KafkaAmerika310]
übertragen
Beispiele:
aus der Tiefe des Vergessens, der Vergangenheit stiegen Erinnerungen auf
in der Tiefe ihres Herzens wünschte sie, dass ...
die (verborgenen) Tiefen des Gemüts, der menschlichen Seele, des Bewusstseins
3.
große Stärke, Intensität
Beispiel:
die Tiefe menschlichen Leids, ihrer Liebe, seines Schmerzes
Intensität der Färbung
Beispiel:
Schon während es [das Stichlingsmännchen] baut, strahlt das Männchen in den herrlichsten Farben, aber diese gewinnen noch an Tiefe und Leuchtkraft, wenn sich ein Weibchen nähert [ K. LorenzEr redete32]
4.
tiefer geistiger Gehalt, Tiefgründigkeit
Beispiele:
die philosophische Tiefe eines Romans
die Tiefe seiner Gedanken, Einsichten
durch die Überarbeitung hat der Aufsatz an Tiefe gewonnen
die Tiefe dieser Musik
aus seinen Worten sprach eine besondere menschliche Tiefe
die Bedeutung von etw. in ihrer ganzen Tiefe erfassen
5.
gehoben die tiefste, innerste, letzte Tiefedas Innere des Menschen, die Gedankenwelt, Gefühlswelt
Beispiele:
niemand ahnte, was er in seiner tiefsten Tiefe dachte
sie war bis in die innersten Tiefen aufgewühlt
er ist anständig und zuverlässig bis in die letzten Tiefen
6.
tiefe Töne einer Stimme
Beispiel:
ein Alt von erstaunlicher Tiefe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tief · Tiefe · vertiefen · tiefsinnig · Tiefsinn
tief Adj. ‘weit (nach) unten, ausgehöhlt, nicht flach’, übertragen ‘dunkel tönend, gehaltvoll, intensiv’, ahd. tiof (8. Jh.), mhd. tief, tiuf, asächs. diop, mnd. dēp, mnl. nl. diep, aengl. dēop, engl. deep, anord. djūpr, schwed. djup, got. diups ‘tief’ führen auf germ. *deupa-, das sich mit lit. dubùs ‘tief, hohl’, lit. daubà ‘Schlucht’, aslaw. dьbrь ‘Kluft, Schlucht, Tal, Abgrund’, russ. (älter) debr’ (дебрь) ‘Wald, Tal, Schlucht’, air. domain ‘tief’ zu einer Wurzel ie. *dheub-, *dheup- ‘tief, hohl’ stellen läßt. Tiefe f. ‘Ausdehnung nach unten, Abgrund, Intensität, Tiefgründigkeit’, ahd. tiufī (8. Jh.), mhd. (durch Angleichung an das Adj.) tiefe und (lautgerecht) tiufe (woraus ↗Teufe, s. d.), asächs. diupi, mnd. dēpe, mnl. diepe, aengl. dīepe, got. diupei, Abstraktbildung mit dem Suffix germ. -īn- zum Adjektiv. Daneben mit dem Suffix germ. -iþō (*deupiþō) mhd. tiufede, tiefte, mnd. dēpede, dēpte, mnl. diepde, nl. diepte, mengl. depthe, engl. depth, anord. dȳpt, got. diupiþa ‘Tiefe’. vertiefen Vb. ‘tiefer machen, ausheben, intensiv verstärken’, reflexiv ‘sich intensiv mit etw. beschäftigen’, mhd. vertiefen ‘vertiefen, versenken’; dazu s. auch ↗verteufen unter ↗Teufe. tiefsinnig Adj. ‘tiefgründig, gründlich durchdacht, trübsinnig, schwermütig’ (1. Hälfte 18. Jh.), zuvor in der heute nicht mehr üblichen Bedeutung ‘scharfsinnig, schlau’ (Ende 16. Jh.). Dazu die Rückbildung Tiefsinn m. ‘grüblerisches Nachsinnen, Trübsinn, Schwermütigkeit’ (Mitte 18. Jh., zuvor Tiefsinnigkeit, 1. Hälfte 18. Jh.); vgl. mhd. tiefer sin.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tiefe · ↗Tiefsinn
Synonymgruppe
Teufe (Bergbau) · Tiefe

Typische Verbindungen zu ›Tiefe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tiefe‹.

Verwendungsbeispiele für ›Tiefe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die allerersten Linien führten zudem noch nicht so weit in die Tiefe.
Die Zeit, 09.01.2013 (online)
Aber dies sei angesichts der Tiefe der von ihm durchgeführten Reformen vielleicht verständlich.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1993]
Fast senkrecht führt er etwa vier Meter hinab in die Tiefe.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 156
Endlich warf er einen kleinen Stein in eine stillere Tiefe.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 264
Das lag aber wohl weniger an der großen Tiefe des Sees.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 156
Zitationshilfe
„Tiefe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tiefe>, abgerufen am 19.04.2021.

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