Tiefsinn, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Tief-sinn
Wortzerlegung tiefSinn
Wortbildung  mit ›Tiefsinn‹ als Erstglied: ↗tiefsinnig
eWDG

Bedeutungen

1.
tiefe, nicht vordergründige Bedeutung, nicht leicht zu erschließender geistiger Gehalt
Beispiel:
Er las die Orpheus‑Ballade, verblüfft durch den absonderlichen Tiefsinn [ NollHolt2,153]
2.
Versunkenheit in Grübelei, Schwermütigkeit
Beispiele:
er verfiel in Tiefsinn (= wurde schwermütig, gemütskrank)
Ihr Auge verriet einen krankhaft schwärmerischen Tiefsinn [ HeineHarzreise3,55]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tief · Tiefe · vertiefen · tiefsinnig · Tiefsinn
tief Adj. ‘weit (nach) unten, ausgehöhlt, nicht flach’, übertragen ‘dunkel tönend, gehaltvoll, intensiv’, ahd. tiof (8. Jh.), mhd. tief, tiuf, asächs. diop, mnd. dēp, mnl. nl. diep, aengl. dēop, engl. deep, anord. djūpr, schwed. djup, got. diups ‘tief’ führen auf germ. *deupa-, das sich mit lit. dubùs ‘tief, hohl’, lit. daubà ‘Schlucht’, aslaw. dьbrь ‘Kluft, Schlucht, Tal, Abgrund’, russ. (älter) debr’ (дебрь) ‘Wald, Tal, Schlucht’, air. domain ‘tief’ zu einer Wurzel ie. *dheub-, *dheup- ‘tief, hohl’ stellen läßt. Tiefe f. ‘Ausdehnung nach unten, Abgrund, Intensität, Tiefgründigkeit’, ahd. tiufī (8. Jh.), mhd. (durch Angleichung an das Adj.) tiefe und (lautgerecht) tiufe (woraus ↗Teufe, s. d.), asächs. diupi, mnd. dēpe, mnl. diepe, aengl. dīepe, got. diupei, Abstraktbildung mit dem Suffix germ. -īn- zum Adjektiv. Daneben mit dem Suffix germ. -iþō (*deupiþō) mhd. tiufede, tiefte, mnd. dēpede, dēpte, mnl. diepde, nl. diepte, mengl. depthe, engl. depth, anord. dȳpt, got. diupiþa ‘Tiefe’. vertiefen Vb. ‘tiefer machen, ausheben, intensiv verstärken’, reflexiv ‘sich intensiv mit etw. beschäftigen’, mhd. vertiefen ‘vertiefen, versenken’; dazu s. auch ↗verteufen unter ↗Teufe. tiefsinnig Adj. ‘tiefgründig, gründlich durchdacht, trübsinnig, schwermütig’ (1. Hälfte 18. Jh.), zuvor in der heute nicht mehr üblichen Bedeutung ‘scharfsinnig, schlau’ (Ende 16. Jh.). Dazu die Rückbildung Tiefsinn m. ‘grüblerisches Nachsinnen, Trübsinn, Schwermütigkeit’ (Mitte 18. Jh., zuvor Tiefsinnigkeit, 1. Hälfte 18. Jh.); vgl. mhd. tiefer sin.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tiefe · Tiefsinn

Typische Verbindungen zu ›Tiefsinn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tiefsinn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Tiefsinn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über deren vergeblichen Willen zum Tiefsinn kann er selbst herzlich lachen.
Die Zeit, 27.08.1993, Nr. 35
Das ist Tiefsinn, vielfach und ironisch gebrochen beim Wort genommen.
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2002
Der überwältigendste, erschütterndste Tiefsinn in der christlichen Religion ist die Anbetung des Kindes.
Boy-Ed, Ida: Lehrling in der Welt. In: Lehmstedt, Mark (Hg.), Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1952], S. 1073
Damit wurde wie mit einem Hammerschlag dem armen Jörg für immer der Kopf in die Nacht eines weitabgewandten, spukhaften Tiefsinns genagelt.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 260
Den beiden Realisten scheint der Tiefsinn unnötig, die Verwendung von alltäglichen Volkstypen als Bedeutungsträger rückschrittlich.
Hofmann, Werner: Das irdische Paradies, München: Prestel 1991 [1960], S. 6
Zitationshilfe
„Tiefsinn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tiefsinn>, abgerufen am 17.04.2021.

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