Tilde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tilde · Nominativ Plural: Tilden
Aussprache
WorttrennungTil-de
HerkunftSpanisch
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
diakritisches Zeichen (Lesart 1 b) in Gestalt einer kleinen liegenden Schlangenlinie, das im Spanischen über einem n die Palatalisierung (Lesart 1), im Portugiesischen über einem Vokal die Nasalierung angibt
  z. B. span. ñ (nj) in Señor, port. ã (ã) in São Paulo
Beispiele:
Auf Flügeln davonschwebend, stellte ihn [den verstorbenen spanischen Schriftsteller] sich [der Karikaturist] Forges vor; ein weinendes „ñ”, den spanischen Buchstaben schlechthin also, in seinem Rücken hinterlassend. Die Tilde auf dem „n” diente ihm als Taschentuch für ein letztes Adiós. [Süddeutsche Zeitung, 13.03.2010]
In vielen Schriftsystemen wird das A durch diakritische Zeichen verändert: durch Akzentzeichen wie á, à, â im Französischen, zwei Pünktchen beim Umlaut Ä, ä im Deutschen, eine Tilde im Portugiesischen: Ã, ã, das Breve-Zeichen im Rumänischen: Ă, ă, einen Kreis im Schwedischen: Å, å, ein Häkchen im Polnischen: ą, Ą, einen Balken (Makron) im Lettischen: Ā, ā und eine Ligatur im Dänischen: Æ, æ. [Die Welt, 06.03.2001]
Die Ernennung des Hispano-Amerikaners George Muñoz (in spanischer Schreibweise mit Tilde über dem »n«) zum stellvertretenden Verwaltungssekretär des amerikanischen Finanzministeriums hat Anlaß zu einem interministeriellen Memorandum gegeben. Wie jetzt aus dem Ministerium verlautete, wird in dem Papier auf acht Seiten haarklein erläutert, wie mit Hilfe des Computers die Tilde über das "n" in dem Namen des Beamten zu plazieren ist. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.1994]
Das harmlose „enje", ein »n« mit einem Tilde darüber, das nur im spanischen Alphabet vorkommt, ist […] den Eurokraten in Brüssel ein Dorn im Auge. Wenn es nach ihnen ginge, würde das „enje" demnächst von den Tastaturen der Computer, Drucker und Schreibmaschinen verschwinden. [Berliner Zeitung, 11.05.1991]
Tilde (span.), Strichlein, bes. das Zeichen über dem n (ñ) [im Spanischen], um dessen Aussprache als nj anzudeuten. [o. A.: T. In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 75751]
2.
in Wörterbüchern   Zeichen (Lesart 1 a) in Gestalt einer kleinen liegenden Schlangenlinie auf der Mitte der Zeile, das die Wiederholung eines Wortes oder eines Teiles davon angibt
Beispiel:
Die Bände [des Großen Wörterbuchs der deutschen Sprache] sind solide gebunden und liegen gut in der Hand. Die Schrift ist klein, aber noch gut lesbar, die Gestaltung der Artikel recht übersichtlich. Dazu dient auch der Verzicht auf die Tilde (»Zeichen in Gestalt einer kleinen liegenden Schlangenlinie auf der Mitte der Zeile, das die Wiederholung eines Wortes od. eines Teiles davon angibt«). [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.1995]
3.
Zeichen (Lesart 1 a) in Gestalt einer liegenden Schlangenlinie als Symbol (Lesart 2) in mathematischen Formeln (Lesart b) oder als Abkürzungssymbol oder Platzhalter in Programmiersprachen und Kommandozeilen-BefehlenQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Mit einer Tilde ~ vor dem Suchbegriff bezieht Google die Synonyme des angegeben Begriffs in die Suche ein. [Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2009]
Vier Tilden, mit diesen Symbolen unterschreiben Piraten (= Mitglieder der Piraten-Partei) in ihren internen Online-Verzeichnissen. [Spiegel, 15.08.2012 (online)]
Dass der Verfasser [eines Zeitungsartikels] nicht sonderlich von Mathematik begeistert ist, ist ja nicht schlimm. Dass aber die Formel zur [Wahrscheinlichkeitsrechnung] von Bayes mehrmals falsch abgedruckt wurde, wird dadurch nicht gutgemacht. Erst einmal: was soll die Tilde (~) in der Formel, wieso kein Gleichheitszeichen? Das wäre nicht nur richtig, sondern auch für (Mathe-)Laien zu verstehen. [Der Tagesspiegel, 14.07.2002]
Verzeichnis- und Programmnamen mit mehr als acht Zeichen kürzt man also auf sechs Zeichen plus Tilde (~) plus Ziffer (also c:\progra~1\progra~1.exe anstatt c:\programme\programmname.exe). Ansonsten gibt sich Windows zickig und verlangt nach einer Neuinstallation. [Cʼt, 2001, Nr. 17]
Eine freistehende Tilde vor einem Wort ist in einer Webadresse nicht nicht ungewöhnlich. Sie bezeichnet das »Home«-Verzeichnis eines Nutzers auf einem Unix-System. [die tageszeitung, 04.02.1999]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tüttel2 · Tilde
Tüttel2 n. ‘kleines Schriftzeichen, Pünktchen, Tüpfel’ (15. Jh.), mnd. tuttel, mnl. tit(t)el ‘Abkürzungszeichen’, nl. tittel ‘Pünktchen’, entlehnt aus mlat. titulus ‘Abkürzungszeichen’, lat. ‘Aufschrift, Inschrift, Ehrenname, Ehre, Vorwand, Zeichen’ (s. ↗Titel). Auf lat. mlat. titulus beruht auch span. port. tilde, der Ausdruck für ein wellenförmiges diakritisches Zeichen, nhd. Tilde f. (19. Jh.), auch mathematisches Schriftsymbol und Abkürzungszeichen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Tilde · ↗Wiederholungszeichen · ~
Zitationshilfe
„Tilde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tilde>, abgerufen am 21.10.2019.

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