Tingeltangel, der oder das

GrammatikSubstantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Tingeltangels · Nominativ Plural: Tingeltangel(s)
Aussprache
WorttrennungTin-gel-tan-gel
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend
1.
niveauloses Tanzlokal, minderwertiges Varieté
Beispiel:
Reisende wie dieser Knoll sind bedauernswerte Menschen. Sie ... rennen in Tingeltangels und Bumslokale [SpoerlFeuerzangenbowle83]
2.
niveaulose Unterhaltungsveranstaltung
Beispiel:
Das bürgerliche Amüsierballett beherrschte die Bühne, die Revueballette sanken bis zum geisttötenden Tingeltangel herab [Urania1963]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tingeltangel · tingeln
Tingeltangel m. n. ‘Unterhaltungs-, Tanzlokal, einfache Unterhaltungs- und Tanzmusik’, in Berlin (zuerst Tingel-Tangel-Klänge, 1872) lautmalend für Musik mit Beckenschlag gebildet, wie sie in einer Art Konzertcafé gespielt wird. Vgl. schallnachahmendes ting tang bzw. tingel für den Beckenschlag (17. Jh.), auch dingel dangel für zögerndes Hin und Her (18. Jh.), ferner engl. to tinkle ‘hell klingen’ (14. Jh.), to tingle ‘erregt sein’ (14. Jh.), dann ‘klingen, tönen, prickeln’, to ting ‘läuten’, ostfries. tingeln ‘klingeln, ein klingelndes Geräusch machen’, tingen, tengen, tinken ‘schlagen oder anstoßen und dadurch klingen machen’. Dazu im Berufsjargon der Schauspieler im Anschluß an Tingeltangel tingeln Vb. ‘im Schaugeschäft, in kabarettistischen Unterhaltungsprogrammen (auf einer Tournee) auftreten’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Kleinkunstbühne · ↗Revuetheater · Tingeltangel · Variété(theater)  ●  Singspielhalle  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Wiederkehr

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tingeltangel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihrer grundsätzlichen Haltung hat sie das bürgerliche Tingeltangel weit hinter sich gelassen.
Die Zeit, 30.05.1980, Nr. 23
Sie hat in einer Bar gesungen, in einem Tingeltangel, das war das Vorleben.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 56
Erst mit 60 hoben Sie richtig ab, nach all dem Tingeltangel und Ulk zuvor.
Die Welt, 09.08.2003
Sie sahen ein bißchen Tingeltangel, einen Clown, ein paar Tänzerinnen, Jongleure.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 749
Vor unserem Tingeltangel standen schon zehn Straßenbahnen, denen der Weg versperrt war, mißmutig wie blau angestrichene Elefanten zu einer Herde getrieben.
Klabund: Der Marketenderwagen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2324
Zitationshilfe
„Tingeltangel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tingeltangel>, abgerufen am 20.04.2019.

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