Tirade, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tirade · Nominativ Plural: Tiraden
Aussprache
WorttrennungTi-ra-de (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Tirade‹ als Letztglied: ↗Hasstirade · ↗Schimpftirade
eWDG, 1976

Bedeutung

abwertend Wortschwall, leeres Gerede, Geschwätz
Beispiele:
eine Tirade ohne jeden greifbaren Inhalt
langweilige, abgedroschene, großmäulige Tiraden
sich in langen Tiraden ergehen
jmdn. mit endlosen Tiraden langweilen
gehoben längerer pathetischer Monolog
Beispiel:
Wer eine Schillersche Tirade mit Seele und Herz empfindet ... wer sie künstlerisch erlebt, der kann auch im höchsten Schwung, den die Sprache Schillers verlangt, »natürlich« sein [WintersteinLeben2,86]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tirade · Retirade · retirieren
Tirade f. ‘längere ununterbrochene Folge von Sätzen, Versen, zusammenhängende Passage’ (besonders in der Theatersprache), geringschätzig ‘weitschweifiger Wort-, Redeschwall’, Übernahme (Mitte 18. Jh.) von gleichbed. frz. tirade, mfrz. ‘länger anhaltende ziehende Bewegung, fortdauernde Handlung’, einer Bildung mit dem Suffix -ade (nach dem Muster von ital. tirata ‘das Ziehen, Zug, Tirade’?) zu afrz. frz. tirer ‘ziehen’. Die Herkunft des Verbs ist umstritten. FEW 6, 1, 397 ff. sieht in afrz. tir(i)er ‘ziehen, zerren’ eine Kürzung aus afrz. martir(i)er ‘martern’ im Hinblick auf die Streckfolter (s. ↗Marter). Vgl. Haß-, Schimpf-, Hetztirade. Retirade f. ‘fluchtartiger militärischer Rückzug, Zufluchtsort, Verschanzung’, anfangs Retirada, bald abgelöst von Retirade, Entlehnungen (17. Jh.) von gleichbed. span. retirada, dann von frz. retirade, gebildet zu span. retirarse bzw. frz. (se) retirer ‘(sich) zurückziehen, flüchten, sich in Sicherheit bringen’; zu span. tirar, frz. tirer (s. oben) und ↗re- (s. d.). Seit dem 18. Jh. steht Retirade, dem Frz. folgend, auch für ‘Ort, Zimmer, wohin man sich zurückziehen kann’, verhüllend ‘Toilette’. retirieren Vb. ‘(sich) zurückziehen’, entlehnt (17. Jh.) aus frz. (se) retirer (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erguss · ↗Redefluss · ↗Redeschwall · ↗Sermon · ↗Suada · ↗Suade · Tirade · ↗Wortfülle · ↗Wortschwall · wortreiche Rede
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Strand ablassen anhören antiamerikanisch antideutsch antieuropäisch antiisraelisch antijüdisch antikommunistisch antisemitisch ausländerfeindlich chauvinistisch endlos ergehen gipfeln haßerfüllt loslassen nationalistisch neuerlich polemisch populistisch rassistisch schrill unerträglich verbal vorgetragen wirr wüst wütend zornig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tirade‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Muß der Leser aber deshalb Tiraden gegen solches Tun mehr als einmal ertragen?
Die Welt, 08.05.1999
Eine solche Tirade wird wirklich unerträglich dadurch, daß sie von der ZEIT kritiklos übernommen wird.
Die Zeit, 29.03.1996, Nr. 14
Aber darf man die Tiraden Ciceros wirklich so ernst nehmen?
Pöhlmann, Robert von: Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt - Zweites Buch. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 6721
Aber zwischen diesen Tiraden und einem Lob ist doch noch mancher Unterschied.
Tucholsky, Kurt: An Hedwig Müller, 09.04.1935. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1935], S. 15518
Seine überheblichen Tiraden sollte man überhören und zur Tagesordnung übergehen, natürlich in aller Höflichkeit.
Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 28108
Zitationshilfe
„Tirade“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tirade>, abgerufen am 06.12.2019.

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