Tonsprache, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tonsprache · Nominativ Plural: Tonsprachen
WorttrennungTon-spra-che
WortzerlegungTon1Sprache
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Sprachwissenschaft Sprache (Lesart 1), bei der unterschiedliche Intonation (Lesart 5) zur Unterscheidung lexikalischer und grammatischer Bedeutungen verwendet wird
Beispiele:
[…] Tonsprachen wie jene [des westafrikanischen Volks] der Bulu bestehen aus durch Rhythmus und Tonhöhen unterscheidbaren Worten. [Spiegel, 04.04.2016 (online)]
Die offizielle Sprache des Königreichs Thailand ist Thai, sie verfügt über ein eigenes Alphabet und ist eine Tonsprache. [Thai lernen, leicht gemacht, 07.03.2016, aufgerufen am 14.02.2017]
Im chinesischen Mandarin […] kann die Betonung den Sinn eines Wortes komplett verändern. »Ma« mit einer gleichmäßigen Betonung bedeutet »Mutter«, »ma« mit einer zunächst sinkenden und dann steigenden Betonung heißt »Pferd«. »Nur wer die Tonhöhe korrekt trifft, kann sich in einer solchen sogenannten Tonsprache ausdrücken«, erklärt [der Linguist] Seán G. Roberts […]. [Der Standard, 25.01.2015]
[…] Chinesisch ist eine Tonsprache. Jede Silbe kann in vier unterschiedlichen Tonlagen ausgesprochen werden: einem hohen konstanten Ton, einem steigenden, einem fallenden sowie einem zunächst fallenden und dann steigenden. [Welt am Sonntag, 13.10.2013, Nr. 41]
2.
Art und Weise des musikalischen Ausdrucks1 (Lesart 2), der Melodik (Lesart 1)
Synonym zu Klangsprache
Beispiele:
Der Komponist Engelbert Humperdinck war ein Verehrer von Richard Wagner und orientierte sich in seiner Märchenoper »Hänsel und Gretel« deutlich an Wagners Werken. Dennoch gelang ihm eine ganz eigene, zugleich mitreißende und poetische Tonsprache […]. [Welt am Sonntag, 20.12.2015, Nr. 51]
Solche übersteigerten, an den Wahnsinn grenzenden psychischen Situationen, wie sie in der [Oper] »Salome« und dann vor allem in der [Oper] »Elektra« abgehandelt werden, die verlangen nach einer Tonsprache, die alles hinter sich lässt, die abgleitet ins Chaos, wie [Richard] Strauss das wahrgenommen hat. [Süddeutsche Zeitung, 27.12.2011]
In den 1890er-Jahren beschäftigte er [der Komponist Leoš Janáček] sich intensiv mit den Volksliedern seiner Heimat, die er […] in Mähren gesammelt und notiert hatte. Aus solchen Quellen leitete Janácek wesentliche Elemente seiner Tonsprache ab. [Fath, Rolf: Komponisten – J. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 3238]
[Carl] Orffs urwüchsige und bildhafte Tonsprache gründet sowohl im Volkstum seiner bayerischen Heimat als auch in seiner Liebe zum Theater. [Schneider, Günter: Musik der Meister – Meister der Musik, Gütersloh: Bertelsmann 1977, S. 207]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die barocke, spätromantische, moderne, individuelle, expressive Tonsprache
als Akkusativobjekt: eine [eigene] Tonsprache entwickeln

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Tonalsprache · Tonsprache · tonale Sprache
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gegenwart Komponisten barocker herbe individuellen moderne spätromantischen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tonsprache‹.

Zitationshilfe
„Tonsprache“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tonsprache>, abgerufen am 11.12.2017.

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