Tourismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Tourismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungTou-ris-mus
WortzerlegungTour-ismus
Wortbildung mit ›Tourismus‹ als Erstglied: ↗Tourismusbranche · ↗Tourismusindustrie · ↗Tourismusminister · ↗Tourismusverband
 ·  mit ›Tourismus‹ als Letztglied: ↗Asyltourismus · ↗Gesundheitstourismus · ↗Massentourismus · ↗Pauschaltourismus · ↗Rucksacktourismus · ↗Sterbetourismus · ↗Ökotourismus
Wahrig und ZDL, 2019

Bedeutungen

1.
Wirtschaft Gesamtheit aller Angebote und Unternehmungen, die mit (organisierten) Reisen zum Kennenlernen fremder Orte und Länder sowie zur Erholung im Zusammenhang stehen
Beispiele:
Der Tourismus ist der größte Wirtschaftszweig der Malediven. [Die Welt, 15.10.2018]
Die amerikanische Fachzeitschrift The Futurist hält es […] für möglich, daß im Jahr 2000 der Tourismus alle anderen Industriezweige überrundet haben wird, daß dann fast zwei der etwa sieben Milliarden Menschen einmal im Jahr zum Vergnügen reisen werden. [Die Zeit, 25.07.1980, Nr. 31]
[…]Statt einen nachhaltigen Tourismus anzustreben, setzen die Verantwortlichen […] auf Massentourismus[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2017]
Der Tourismus ist massiv eingebrochen, selbst die globale Kunstkarawane reist heuer nicht nach Istanbul [zur Kunstmesse] an. [Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2017]
In den letzten Jahren hat der Tourismus vor allem an der Atlantikküste [Afrikas] stark an Bedeutung gewonnen. [o. A. [sa]: Gambia. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1981]]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: sanfter, nachhaltiger Tourismus; internationaler, heimischer Tourismus; ein boomender Tourismus
als Akkusativobjekt: den Tourismus ankurbeln, fördern, beleben
als Dativobjekt: dem Tourismus schaden
in Präpositionalgruppe/-objekt: vom Tourismus leben; Einnahmen aus dem Tourismus; Auswirkungen auf den Tourismus
mit vergleichender Wort-/Nominalgruppe: Tourismus als Einnahmequelle, als Wirtschaftsfaktor
hat Präpositionalgruppe/-objekt: der Tourismus in einer Region, in einem Land
als Genitivattribut: die Entwicklung, Förderung des Tourismus
2.
allgemeiner das Reisen, der Reiseverkehr
siehe auch Fremdenverkehr
Beispiele:
Zudem soll das Land [Saudi-Arabien] für gewisse Formen des Tourismus geöffnet werden. [Süddeutsche Zeitung, 26.04.2016]
Zwischen diesen Fixpunkten [den Lebensstationen der Brüder Grimm] – Hanau, Steinau, Hersfeld und Kassel – liegen wunderbare, oft vom Tourismus noch völlig unbeleckte Landschaften, die man ganz individuell erfahren kann, wie etwa den Vogelsberg. [Welt am Sonntag, 18.11.2012, Nr. 47]
Der Tourismus ist dabei, das zentrale Thema der Globalisierungsdebatte zu werden, nicht nur, weil dessen Industrie zur führenden wirtschaftlichen Größe gelangt, sondern weil Bereiche wie Migration, Terrorismus und Ökologie davon wesentlich beeinflusst werden. [Die Welt, 26.01.2008]
[Thomas] Cook war Engländer, und die Angehörigen dieser Nation gelten als die Stammväter des Tourismus. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ist der einzeln reisende Engländer im karierten Anzug und mit karierter Mütze[…] ein Dauerthema der Karikaturisten. Auch das Wort Tourismus taucht, gegen 1800, zuerst in ihrem Sprachschatz auf. 1816 ist es erstmals im Französischen nachweisbar. Ins Deutsche wird es um 1830 übernommen und breitet sich dann schnell aus. [Bauer, Hans: Wenn einer eine Reise tat, Leipzig: Koehler & Amelang 1973, S. 178]
Der moderne Tourismus im weitesten Sinne hat sich von der Beschaulichkeit der alten Bäder abgewandt und drängt hinaus in die Stille oder in die Weite, in ferne Länder und Erdteile. [Die Zeit, 13.03.1958, Nr. 11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tour · Tournee · Tourist · Touristik · Tourismus
Tour f. ‘Ausflug, Wanderung, Wegstrecke, sich wiederholender Bewegungsablauf, Drehung, Wendung, Umlauf, Art des Vorgehens, Verhaltensweise’, in seinen unterschiedlichen Verwendungen mehrfache Übernahme (seit 2. Hälfte 16. Jh.) von mfrz. frz. tour ‘kreisförmige Bewegung, Umdrehung, Umkreis, (Rund)fahrt, Reise, Wendung, Kehre, Kunststück, Darstellungsweise’, auch ‘Drechsel-, Drehbank’. Mit den ins Dt. gelangenden, von einer Kreisbewegung ausgehenden Bedeutungen setzt das frz. Substantiv afrz. tor, torn ‘Wendung, Drehung, Rundgang, Umfang, Umschreibung, Kunstgriff, schlechter Streich’ fort, eine Rückbildung vom Verb afrz. torner ‘drechseln, drehen, formen, wenden, umkehren’, lat. tornāre ‘mit dem Drechseleisen runden, drechseln’. Dagegen schließt sich mfrz. frz. tour ‘Drechsel-, Drehbank’ (mfrz. auch ‘Spinnrad, Garnwinde, Wellbaum’), afrz. tor ‘Drehbank, Dreheisen, Kurbel, Winde’ als Bezeichnung rotierender Werkzeuge unmittelbar an das dem lat. Verb zugrundeliegende Substantiv lat. tornus ‘Dreh-, Drechseleisen’, griech. tórnos (τόρνος) ‘Dreheisen der Drechsler, zirkelähnliches Werkzeug, Kreislinie, Krümmung’ an; dieses gehört zu griech. té͞irein (τείρειν) ‘(auf)reiben, mitnehmen, erschöpfen, quälen’. Tour, im Dt. (wie im Engl.) anfangs speziell für die Bildungsreise wohlhabender junger Männer gebräuchlich, ist dann auch ‘Wanderschaft fahrender Handwerksgesellen’ und ‘Geschäftsreise’, schließlich (verbreitet seit Ende 18. Jh.) allgemein ‘Ausflug, Wanderung’; ferner begegnet es in den Bedeutungen ‘Reiseroute, Wegstrecke’ (Ende 17. Jh.), ‘sich wiederholende Drehung, Wendung, Kehre’ (besonders beim Tanz), ‘geschickte Manier, Dreh-, Rede-, Tonfigur’ (Anfang 17. Jh.), ‘Einfassung, Borte, Rüsche’ (Ende 17. Jh., auch ‘um den Kopf gebundene künstliche Haarlocken’, vgl. Haartour), in der Technik ‘Umlauf, Umdrehung des Motors, einer Maschine’ (vowiegend Plur., Ende 19. Jh., vgl. auf Touren kommen, auf vollen Touren laufen). Tournee f. ‘Rundfahrt, Rundreise, Geschäfts-, Studien-, Vortragsreise’ (Ende 18. Jh.), heute besonders ‘Gastspielreise’ (von Künstlern, Artisten), nach frz. tournée ‘Ausflug, Amts-, Inspektionsreise, Rundreise’ (jünger auch ‘Gastspielreise’), afrz. tornee ‘Abkehr, Rückzug, Flucht, Ersatz, Gegenwert’, substantiviertes Femininum des Part. Perf. von afrz. torner (s. oben). Tourist m. ‘Urlaubsreisender, Wanderer, Bergsteiger’ (2. Hälfte 18. Jh., häufiger seit Anfang 19. Jh.), zu Tour ‘Reise, Ausflug’ gebildet im Anschluß an ebenfalls um 1800 aufkommendes engl. tourist (Ableitung von engl. tour ‘Rundreise’, dieses nach frz. tour, s. oben); dazu Touristik f. ‘organisierter Reiseverkehr’, anfangs vor allem ‘sportliches Wandern, Bergsteigen’ (2. Hälfte 19. Jh.), Tourismus m. ‘(organisiertes) Reisen zum Kennenlernen fremder Orte und Länder, Fremdenverkehr’ (1. Hälfte 19. Jh., geläufig seit Mitte 20. Jh.), nach engl. tourism.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fremdenverkehr · ↗Reisebranche · Tourismus · ↗Touristik
Unterbegriffe
  • Agrotourismus · Landtourismus
  • Literarischer Tourismus · Literaturtourismus
Assoziationen
  • Ferien · ↗Urlaub
  • Ferienwohnrecht · Teilnutzungsrecht · Teilzeiteigentum · Teilzeitwohnrecht · ↗Timesharing · Wohnnutzungsrecht

Typische Verbindungen
computergeneriert

Devisenbringer Deviseneinnahme Einnahme Einnahmequelle Fischerei Freizeit Förderung Gastronomie Handel Haupteinnahmequelle Kultur Landwirtschaft Marketing Ministerium Naturschutz Sport Studienkreis Umwelt Umweltschutz Verkehr Wirtschaftsfaktor Wirtschaftszweig Zentrale ankurbeln boomen erschließen fördern nachhaltig sanft umweltverträglich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tourismus‹.

Zitationshilfe
„Tourismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tourismus>, abgerufen am 16.09.2019.

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