Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Transformationsgrammatik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Transformationsgrammatik · Nominativ Plural: Transformationsgrammatiken
Aussprache  [tʀansfɔʁmaˈʦi̯oːnsgʀaˌmatɪk]
Worttrennung Trans-for-ma-ti-ons-gram-ma-tik
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

Sprachwissenschaft Grammatiktheorie, die die Regeln zur Umwandlung von Sätzen in andere mit gleichem semantischem Gehalt erforscht und über die verschiedenen möglichen Oberflächenstrukturen zu einer Tiefenstruktur vorzudringen sucht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: generative Transformationsgrammatik
Beispiele:
Ich kannte eine Studentin, die Linguistik studierte. Sie war entsetzt, als ich ihr berichtete, dass wir in der Schule linguistische Grammatik unterrichteten (Transformationsgrammatik). »Das ist ein Konstrukt der Wissenschaftler. Es geht um Annahmen, Vermutungen, Annäherungen. Wir kapieren das selbst kaum.« [Basedow1764’s Weblog, 07.01.2011, aufgerufen am 28.04.2016]
In den fünfziger Jahren hat er [Noam Chomsky] mit seiner Transformationsgrammatik die Sprachwissenschaften grundlegend verändert. Er ging davon aus, dass die Fähigkeit zur Sprache nicht von Grund auf erlernt wird, sondern bereits ins menschliche Gehirn eingeschrieben ist – als eine anthropologische Konstante. Und dass es deshalb unterhalb der Grammatiken der Sprachen gemeinsame Regeln geben müsste, eine Art Gencode, der für alle menschlichen Sprachen gilt. [Die Zeit, 06.10.2005, Nr. 41]
metonymischBesondere Bedeutung [für die maschinelle Sprachdatenverarbeitung] haben generative Grammatiken, die grammatisch richtige Sätze (und nur solche) erzeugen und ihnen Strukturbeschreibungen zuordnen sollen. Die wichtigsten sind Phrasenstrukturgrammatiken (Konstituentengrammatiken), Transformationsgrammatiken und Netzwerkgrammatiken. [C’t, 1990, Nr. 1]
Die Linguistik‑Professoren John Ross, George Lakoff und Paul Postal […] bemängelten, daß Chomskys Transformationsgrammatik gleichsam nur das Sprach‑Skelett – die Logik des Satzbaus – exakt beschreibe, die im Sprachfluß mitschwingenden Bedeutungsnuancen eines Textes hingegen vernachlässige. Das Wörtchen »bitte« beispielsweise oder Verzögerungen wie eh und oh, so kritisiert Professor Postal, fänden in Chomskys grammatischem System keinen Platz. [Der Spiegel, 16.10.1972, Nr. 43]
Sie [die Transformationsregeln] sorgen dafür, daß die »abstrakte« Tiefe (Inhalt) in eine »konkrete« Oberfläche (Form) überführt wird. Mit ihnen beschäftigt sich inzwischen ein ganzer Wissenschaftszweig, die »Transformationsgrammatik«. Diese Tiefenstruktur zu ergründen, ihre Regeln, zu beschreiben, ist, kurz gesagt, das Ziel von Chomskys Buch. [Die Zeit, 10.10.1969, Nr. 41]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Transformationsgrammatik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Transformationsgrammatik>.

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