Trauma, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Traumas · Nominativ Plural: Traumata/Traumen
Aussprache
WorttrennungTrau-ma
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Trauma‹ als Erstglied: ↗Traumatherapie · ↗traumatisch  ·  mit ›Trauma‹ als Letztglied: ↗Posttrauma
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Medizin Ereignis, durch das ein Organismus (durch mechanische Gewalteinwirkung, Verätzung, Vergiftung, Verbrennung o. Ä.) geschädigt oder verletzt wird; die Schädigung oder Verletzung selbst
weiterführende enzyklopädische Informationen: „Trauma“, in: DocCheck Flexicon
Beispiele:
Durch ein Trauma werden nicht nur Knochen, Haut, Nerven und andere Gewebe verletzt – häufig sind damit auch erhebliche Entzündungsreaktionen bis hin zu einer Ganzkörperentzündung verbunden. [Die Zeit, 30.09.2015 (online)]
Rossi S[…] erlitt Brüche an beiden Beinen, einem Handgelenk sowie schwere Traumata am Oberkörper und liegt nach langem chirurgischen Eingriff auf der Intensivstation einer römischen Klinik. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005]
Das Wachkoma ist eine Reaktion des Hirns auf ein lebensbedrohliches Trauma: […] [Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2002]
Immer häufiger jedoch benützen Radiologen die Computer-Tomographie zur Diagnose von Verletzungen (Traumata), etwa durch Unfälle: Ausmaß und Art von Verletzungen der Wirbelsäule, des Schädels, des Brust- und Beckenraumes oder von Organen lassen sich mit Hilfe des CT schneller und präziser bestimmen als durch die herkömmliche Röntgentechnik […]. [Der Spiegel, 16.04.1984, Nr. 16]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: ein schweres, lebensbedrohliches Trauma; stumpfes Trauma (= Verletzung innerer Organe ohne offene Wunde)
2.
Psychologie schwere psychische Erschütterung, die durch das Miterleben eines lebensbedrohlichen Ereignisses (Naturkatastrophe, Kriegsgeschehen o. Ä.) oder die Erfahrung von Vergewaltigung, schwerer Misshandlung o. Ä. verursacht wird und mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Verzweiflung oder (Todes-)‍Angst verbunden ist
Beispiele:
Das geradezu klassische Krankheitsbild nach Kriegserfahrung oder menschenunwürdiger Inhaftierung ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) als Reaktion auf ein extrem bedrohliches Ereignis, das Trauma. Symptome sind sich immer wieder aufdrängende Erinnerungen – auch in Form von Träumen – und ein vergebliches Bemühen zu vergessen. Es geht oft mit Interesselosigkeit, Gefühlsarmut und der Entfremdung von anderen Menschen einher. [Süddeutsche Zeitung, 16.03.1999]
Schon damals erlitten zahlreiche Soldaten Traumata, doch nur wenige in der Truppe erkannten dies. Einer von ihnen war der Oberstarzt Reinhard Erös. […] Er erlitt selber ein Trauma und weiß, was das für Soldaten bedeutet. Gemeinsam mit anderen Ärzten, Psychologen, Psychiatern und Seelsorgern versuchte er damals, die Bundeswehr dazu zu bringen, Traumatologen ausbilden zu lassen. [Die Zeit, 07.03.2011, Nr. 10]
gemeinsprachlich Jetzt haben Sie meinen Hund traumatisiert! faucht die Frau den verdutzten Nachbarn an. […] So übertrieben die kleine Vignette aus dem Alltag klingt, sie macht doch deutlich, wie der Begriff »Trauma« Einzug hält in alle Sphären zeitgenössischen Lebens, bis in die Politik. Im Juni, als FDP-Generalsekretär Christian Lindner den CSU-Chef Horst Seehofer angriff, weil dieser sein Veto gegen die Gesundheitsreform der Regierung einlegte, […] erklärte Lindner […], Seehofer habe »ein persönliches Trauma«, […]. Starker Tobak. Aber ein weiteres Indiz für die inzwischen ubiquitäre Verwendung des Terminus. Wie mit »Projektion«, »Komplex« oder »Phobie« wandert mit »Trauma« ein weiterer Teil klinischen und therapeutischen Vokabulars in die Alltagssprache ein. [Die Zeit, 08.08.2010 (online)]
Ein Trauma ist die Erfahrung eines Ereignisses, das in der Regel von außen kommt, auf das man in keiner Weise vorbereitet ist und das einen existenziellen Bereich betrifft. [Der Tagesspiegel, 21.03.2005]
Den Bosnierinnen in Frankfurt, die durch die Traumatisierungshölle eines schrecklichen Krieges gegangen sind, wird kein behördliches Vertrauen entgegengebracht, sie müssen ihre Traumen »nachweisen«; die Therapeuten selbst wurden in das allgemeine Mißtrauen miteinbezogen; man unterstellte ihnen, Gefälligkeitsgutachten zur Bleiberechtserschleichung erstellt zu haben. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.1998]
Wer die Hölle von Verdun, Stalingrad oder Da Nang überlebt hat, kämpft oft lebenslang mit den Folgen des Traumas – mit Alkoholmißbrauch, Isolation, Neigung zum Selbstmord oder der Unfähigkeit, soziales Vertrauen aufzubauen. [Die Zeit, 07.05.1998, Nr. 20]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein seelisches, psychisches Traum; ein frühkindliches, unverarbeitetes, verdrängtes, tiefsitzendes Trauma
als Akkusativobjekt: ein Trauma durchleben, verdrängen, überwinden, verarbeiten, besiegen; ein Trauma heilen, therapieren
übertragen von einer Gruppe, einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft   Erfahrung einer Katastrophe, Niederlage, Demütigung o. Ä., die eine kollektive Verunsicherung, einen Verlust an Zuversicht und Vertrauen zur Folge hat
Beispiele:
Cavusoglu bat seine »deutschen Freunde« um mehr Verständnis für die Lage der Türkei und das Trauma, das der Putschversuch vom Juli 2016 in dem Land verursacht habe. [Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2018]
[…] das Interesse an der Franklin-Expedition ist echt – lange begründete die Katastrophe eine Art nationales Trauma. Die Franklin-Expedition: So stirbt kein Gentleman – Am 19. Mai 1845 war der verdiente britische Admiral und erfahrene Polarforscher Sir John Franklin mit zwei Schiffen und 129 Mann Besatzung ausgelaufen, die Nordwestpassage zu finden. [Spiegel, 10.08.2013 (online)]
Elfmeter und deutsche Torhüter, diese Kombination war seit Englands Niederlagen im Elfmeterschießen bei der WM 1990 und der EM 1996 ein Trauma für das Mutterland des Fußballs. [Welt am Sonntag, 30.04.2006]
Die beiden Weltkriege sind das, was die europäische Wirklichkeit bis in die privatesten Fasern durchdrungen hat, und wenn man sagen kann, die Geschichte sei das Trauma dieses Jahrhunderts, dann deshalb, weil es keinen Raum mehr zu geben scheint, der nicht von ihr berührt ist. [Die Zeit, 16.03.2000, Nr. 12]
An dem Grundproblem der SPD, die seit dreizehn Jahren das Trauma des Machtverlusts vergeblich durch neuen Machterwerb zu kompensieren sucht, ändern auch die jüngsten Bemühungen um das Bild einer friedlicheren Optik wenig. [Berliner Zeitung, 29.08.1995]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: ein nationales, kollektives, historisches Trauma
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trauma · traumatisch
Trauma n. ‘durch Gewalteinwirkung entstandene Verletzung, Wunde’. Griech. trá͞uma (τραῦμα) ‘Verletzung, Verwundung, Wunde, Schaden, Niederlage’ wird im Sinne von ‘Verletzung, Wunde’ Bestandteil der lat. Wissenschaftssprache der Medizin (18. Jh.). Danach begegnet der Ausdruck auch in dt. fachsprachlichen Texten und gilt in der Psychologie für ‘seelische Erschütterung, Schock’ (Freud, Ende 19. Jh.). traumatisch Adj. ‘Verwundungen betreffend, davon herrührend’ (Mitte 19. Jh.), ‘auf seelischer Erschütterung beruhend’ (Anfang 20. Jh.); vgl. spätlat. traumaticus, griech. traumatikós (τραυματικός) ‘zur Wunde gehörig, zu ihrer Heilung geeignet’.

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Körperverletzung · ↗Läsion · Trauma · ↗Verletzung · ↗Verwundung  ●  ↗Blessur  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Leid · ↗Pein · ↗Schmerz · ↗Weh
  • Körperverstümmelung · körperliche Verstümmelung
  • (weibliche) Genitalverstümmelung · Beschneidung weiblicher Genitalien · Frauenbeschneidung · Mädchenbeschneidung · Verstümmelung weiblicher Genitalien · genitale Verstümmelung  ●  ↗Beschneidung  ugs., weibl.
  • männliche Beschneidung  ●  ↗Zirkumzision  fachspr.
  • (sich) unwohl fühlen · ↗Befindlichkeitsstörung · ↗Unwohlsein · diffuse Beschwerde · leichte(re) Beschwerde  ●  (einen) Furz quer sitzen (haben)  derb · ↗Wehwehchen  ugs. · nichts Ernstes  ugs.
Medizin
Synonymgruppe
Erschütterung · Trauma · seelischer Schock
Unterbegriffe
  • Psychotrauma · mentales Trauma · psychisches Trauma · seelisches Trauma

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewältigung Kindheit Schock Traum Trauma Verarbeitung Vietnamkrieg abschütteln aufarbeiten auswachsen bewältigen erlitten fortwirken frühkindlich heilen kindlich kollektiv lebenslang nachwirken nachwirkend national psychisch seelisch tiefsitzend unbewältigt unverarbeitet verarbeiten verdrängt verwinden überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Trauma‹.

Zitationshilfe
„Trauma“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trauma>, abgerufen am 14.10.2019.

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