Tretmühle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungTret-müh-le (computergeneriert)
WortzerlegungtretenMühle1
eWDG, 1976

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend einförmige, sich täglich wiederholende Berufsarbeit
Beispiele:
er wollte einmal aus dieser Tretmühle heraus
etwas muß der Mensch doch haben neben seiner Tretmühl [F. WolfGrenze5,106]
Von früh bis abends in der Tretmühle und das für fünfhundert Mark im Monat [SeegerFernsehspiele157]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mühle · Mühlrad · Tretmühle · Windmühle · Zwickmühle
Mühle f. ‘Mahlanlage für Getreide’, ahd. mulī, mulīn (10. Jh.), mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne, monle, moune, aengl. mylen, engl. mill ist entlehnt aus spätlat. molīna (bzw. für das Aengl. auch molīnum) ‘Wassermühle’, aus lat. mola ‘Mühlstein, Mühle’, einer Ableitung von lat. molere ‘mahlen’ (verwandt mit ↗mahlen, s. d.). Die mit Wasserkraft betriebene Mühle der Römer verdrängt die alte Handmühle der Germanen sowie deren Bezeichnung ahd. quirn(a) (9. Jh.), mhd. kürn(e) ‘Mühle, Mühlstein’, asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern, got. -quaírnus (n-Ableitungen zur Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘schwer’). Als Bezeichnung eines Brettspiels begegnet Mühle seit dem 17. Jh., ein bereits in der Antike bekanntes Spiel (lat. mola ‘Mühlstein’, s. oben) fortsetzend. Vielleicht weil die Spielsteine des Gegners durch die Mühle genannte Spielfigur gleichsam zerrieben werden? S. unten Zwickmühle). Mühlrad n. ‘durch Wasserkraft betriebenes Rad der Mühle’, mhd. mülrat. Tretmühle f. ‘mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält’, spätmhd. tretemüle. Seit dem 19. Jh. Bezeichnung für eine aufreibende, gleichförmige Tätigkeit. Windmühle f. ‘durch Wind betriebene Mühle’, spätmhd. wintmül. Zwickmühle f. ‘Stellung der Steine im Mühlespiel, bei der man mit einem Zug die eine Mühle schließen und eine andere eröffnen kann’ (17. Jh.). Das erste Glied des Kompositums entwickelt sich wohl aus zwie ‘zwei’ unter Einfluß von gleichbed. Fickmühle zu Zwickmühle. Anfangs (15. Jh.) bezeichnet Fickmühle, Zwickmühle ‘zwei Möglichkeiten (die je nach Lage genutzt werden), einen doppelten Ausweg’ (auch damals schon von einem Spiel ausgehend?). Vom Gegenspieler her gesehen, erscheint das als ‘ausweglose Situation’. In dieser Verwendung ist Zwickmühle üblich in Redewendungen wie in der Zwickmühle stecken ‘keinen Ausweg wissen’ (17. Jh.), in die Zwickmühle geraten ‘in eine ausweglose Situation geraten’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Laufband · Tretmühle
Synonymgruppe
Alltag · ↗Alltagstrott · ↗Gewohnheit · ↗Joch · ↗Regelmäßigkeit · ↗Trott · täglicher Trott  ●  ↗Hamsterrad  fig. · ↗Routine  franz. · (die) Macht der Gewohnheit  ugs., Redensart · ↗Mühle  ugs. · Tretmühle  ugs., fig.
Assoziationen
  • (etwas) gewohnt sein · (etwas) nicht anders kennen · (für jemanden) ganz normal sein · (sich) gewöhnt haben (an) · gewöhnt sein (an)
  • betriebsblind
  • Einerlei · ↗Eintönigkeit · ↗Gleichförmigkeit · ↗Monotonie · ↗Stumpfsinn · ↗Ununterscheidbarkeit · ↗Öde · ↗Ödnis  ●  ↗Ennui  geh. · ↗Langeweile  ugs. · ↗Langweile  ugs.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • Lebensführung · ↗Lebenswandel
  • (für jemanden) selbstverständlich werden · (sich) zu eigen (machen) · (sich) zur Gewohnheit machen · selbstverständlich werden (für) · ↗verinnerlichen · zur Selbstverständlichkeit werden  ●  (für jemanden) zur Gewohnheit werden  variabel · (für jemanden) zur zweiten Natur werden  variabel · (jemandem) zur Gewohnheit werden  variabel · (jemandem) zur zweiten Natur werden  variabel · in Fleisch und Blut übergehen (lassen)  fig. · ↗inkorporieren  geh. · ↗internalisieren  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alltag Glück begeben elliptisch täglich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tretmühle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich ist das Theater eine ziemliche Tretmühle und ich fühlte mich wie ausgebrannt.
Der Tagesspiegel, 23.03.2005
Mäuse in Tretmühlen schliefen bald ein, nachdem sie K 17 gefressen hatten.
Süddeutsche Zeitung, 16.12.1995
Man wollte doch weiter kommen, wollte doch nicht immer und ewig in dieser Tretmühle stecken bleiben!
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 214
In dieser Tretmühle kannst du nur weit unter deinen Möglichkeiten bleiben.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 1036
Der Handwerker, der die Schilder anfertigt, ist stumpf geworden in der Tretmühle.
Schalcher, Traugott: Die Reklame der Straße, Wien: C. Barth 1927, S. 37
Zitationshilfe
„Tretmühle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tretmühle>, abgerufen am 18.11.2019.

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