Treuhänder, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Treuhänders · Nominativ Plural: Treuhänder
Aussprache
WorttrennungTreu-hän-der
WortzerlegungTreuhand-er
Wortbildung mit ›Treuhänder‹ als Erstglied: ↗Treuhänderin · ↗treuhänderisch
eWDG, 1976

Bedeutung

Jura jmd., dem eine Sache, ein Recht oder ein Vermögen von jmdm. zu treuen Händen anvertraut ist
Beispiele:
jmd. ist Treuhänder eines Betriebes, Grundstücks
sein Vermögen war von einem Treuhänder verwaltet worden
L. K. übergab sein ganzes Hab und Gut einem Treuhänder [DurieuxTür255]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treu · Treue · traun · Treubruch · treubrüchig · Treuhänder · treulich · treulos · Treulosigkeit · betreuen · Betreuung
treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘treu, getreu, wohlmeinend’, mnd. trūwe, mnl. trūwe, trouwe, nl. trouw, aengl. trīewe, trēowe, engl. true (‘wahr, richtig, echt’) hat neben sich den a/ō-Stamm anord. tryggr ‘treu, vertrauensvoll’, schwed. trygg ‘sicher, geborgen’, got. triggws ‘treu, zuverlässig’. Das Adjektiv gehört zusammen mit den unter Treue (s. unten), ↗trauen und ↗Trost (s. d.) genannten Formen zu dem unter ↗Teer (s. d.) dargestellten Ansatz ie. *deru-, *dreu-, *drū- ‘Baum’, eigentlich wohl ‘Eiche’, und ‘baumstark, hart, fest, treu’ (s. auch ↗Trog und ↗Truhe). Treue f. ‘unverändert feste Verbundenheit, beständige Anhänglichkeit, Zuverlässigkeit’, ahd. triuwa ‘Treue, Zuverlässigkeit, Vertrag, Bündnis’ (8. Jh.), mhd. triuwe, triwe, triu ‘Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit, Treue, Versprechen, Gelübde’, asächs. treuwa ‘Treue, Frieden, Bund’, mnd. trūwe, trouwe ‘Treue, Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Eheversprechen, Verlobung’, mnl. trouwe, trūwe, nl. trouw ‘Treue, Heirat, Trauung’, aengl. trēow ‘Treue, Wahrheit, Glaube, Versprechen’, got. triggwa ‘Bund, Bündnis’ (germ. *trewwō), ablautend aengl. trūwa ‘Treue, Glaube, Vertrauen’, anord. trū ‘Treue, Gelöbnis, Glaube, Religion’, schwed. tro ‘Glaube, Treue’. Aus der ursprünglichen Bedeutung ‘gegenseitige feste Abmachung, Bündnis’ entwickelt sich ‘das Einhalten eines Vertrages’; in mhd. Zeit wird Treue zu einem Tugendbegriff der ritterlich-höfischen Ethik. In nhd. Zeit überwiegt der Sinn des Steten, Festen, Dauernden. Die feste präpositionale Wendung (Dativ Plur.) mhd. in triuwen ‘in Wahrheit’, verschmolzen zu einem Wort mhd. entriuwen, mnd. entrūwen, entwickelt sich unter Schwund der unbetonten Präposition zu mhd. triuwen, trouwen, (md.) trūwen, mnl. trouwen, nhd. traun Interjektion ‘fürwahr!, wahrhaftig!, ganz gewiß!’; doch bereits Adelung vermerkt: „in den gemeinen Sprecharten veraltet“. Treubruch m. ‘Verrat’ (um 1700), zuvor bereits treubrüchig Adj. ‘die Treue, den Treueid brechend’, spätmhd. triuwebrüchic ‘wortbrüchig, meineidig’. Treuhänder m. ‘wem etw. zu treuen Händen übergeben worden ist, Verwalter fremden Eigentums’, mhd. triuwehander, -hender, Rechtsausdruck nach Fügungen wie mhd. die triuwen hende, ze triuwer hant, ze triuwen handen. treulich Adj. ‘mit Treue, zuverlässig’, mhd. triuwelich. treulos Adj. ‘ohne Treue, nicht treu, verräterisch’, mhd. triuwelōs. Die ursprünglich rechtliche Bedeutung ‘vertragsbrüchig gegenüber einem Bündnis, gegenüber Abmachungen’ wird in mhd. Zeit zu ‘verräterisch, bertrügerisch’ erweitert, später auch ‘unzuverlässig’ (16. Jh.), ‘lügnerisch’ (18. Jh.), ‘(vom Gedächtnis) unbeständig, ungenau’ (19. Jh.); Treulosigkeit f. ‘treuloses Verhalten, Treubruch’ (Mitte 16. Jh.). betreuen Vb. ‘in Obhut nehmen, pflegen, für jmdn., etw. sorgen’, mhd. betriuwen ‘in Treue erhalten, schützen’. Betreuung f. ‘Zuwendung, Pflege, Bearbeitung’ (17. Jh.), zuvor ‘Zusicherung, Übereignung’ (Ende 15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktienbesitz Aktienpaket Einschaltung Einsetzung Insolvenzverwalter Konkursverwalter Liechtensteiner Liquidator Mobilcom-Aktie Notar Pensionsfonds Rechtsanwalt Steuerberater Strohmann Testamentsvollstrecker Treugeber Vaduzer Vermögensverwalter abführen beauftragt benannt bestellt bevollmächtigen eingesetzt fungieren liechtensteinisch unabhängig verwalten übergeben übertragen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Treuhänder‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur haben die keinen Treuhänder, der Schaden von ihnen abwenden kann.
Der Tagesspiegel, 22.07.2004
Zur Überwachung der Preise haben auch die Treuhänder der Arbeit beizutragen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1933]
Er stimmt nicht mit ihr überein, fühlt sich aber als Treuhänder ihres eigentlichen Wesens.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 162
Zur Kontrolle des Arbeitsmarktes setzte die Regierung schon im Mai 1933 staatliche Treuhänder der Arbeit ein.
Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 165
Mit welchem Recht haben Sie die bayrische Reichswehr als Treuhänder des Reichs in Pflicht genommen?
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 644
Zitationshilfe
„Treuhänder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Treuhänder>, abgerufen am 15.11.2019.

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