Trieb, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Trieb(e)s · Nominativ Plural: Triebe
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
angeborenes oder erworbenes, heftiges inneres Streben nach Handlungen, die zur Erhaltung des Lebens notwendig oder auf die Befriedigung starker Bedürfnisse des Menschen gerichtet sind
Beispiele:
der Trieb der Selbsterhaltung, Fortpflanzung, Natur, des Geschlechts
ein natürlicher, normaler, innerer Trieb
tierische, höhere, edle, mütterliche, sinnliche, sexuelle, rohe, dunkle, dumpfe, böse, verdrängte Triebe
seine Triebe zügeln, (be)zähmen, beherrschen
seinen Trieben nachgeben, unterworfen sein, freien Lauf lassen
von seinen (niederen) Trieben beherrscht werden
er lässt sich von seinen Trieben leiten, treiben
er folgt seinen Trieben, stillt, befriedigt seine Triebe
2.
innere treibende Kraft, Antrieb, Verlangen, etw. zu tun
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
nicht den geringsten, leisesten Trieb zu etw. haben
keinen (richtigen, besonderen, großen) Trieb zur Arbeit, zum Spielen, Singen, Spazierengehen haben
er empfand einen unwiderstehlichen Trieb, etwas Besonderes zu leisten, schreiben
er fühlte einen (starken) Trieb, den Notleidenden zu helfen
er hatte nur noch den Trieb, sich schlafen zu legen
Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb [ SchillerBraut v. MessinaI 1]
3.
frischer, gerade erst entwickelter Teil einer Pflanze, besonders der später verholzende junge Spross von ausdauernden Gewächsen
Beispiele:
ein wilder, geiler, kräftiger, dünner Trieb
die Triebe eines Apfelbaums, Haselstrauchs
die Pflanze hat schwache, frische Triebe entwickelt, angesetzt
die Triebe an den Obstbäumen müssen beschnitten, zurückgeschnitten werden
das Wild hat die jungen Triebe abgefressen
4.
Technik Zahnrad mit kleiner Anzahl von Zähnen
5.
Technik (Vorrichtung zur) Übertragung eines Drehmoments von einer Welle auf eine andere
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trieb · triebhaft · Triebfeder · Triebkraft · Triebwagen
Trieb m. ‘(innere) antreibende Kraft, Schößling’, mhd. -trip (Genitiv -tribes) (in übertrip) ‘das Treiben des Viehs, Viehweide’, ablautende Abstraktbildung zu dem unter treiben (s. d.) behandelten Verb, älteres Trift (s. d.) im Hd. verdrängend. In seinen Verwendungen dem Gebrauch des Verbs folgend, zufrühst (heute noch landschaftlich) ‘das Treiben von Vieh’ (erhalten in Auftrieb zur Alm, Abtrieb von der Alm), auch ‘Weideland, Weiderecht’ und ‘kleines Triebrad’, ‘Eifer, Energie’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘maschineller Antrieb’ (Anfang 17. Jh.), ‘innerer Drang, Antrieb, Lust’ (Ende 17. Jh.), ‘Wachstum einer Pflanze, Sproß, Schößling, geschlechtliches Verlangen, Instinkt, das Treiben von Wild (bei einer Jagd), Abschnitt einer größeren Treibjagd’ (18. Jh.). triebhaft Adj. ‘sinnlich, leidenschaftlich’ (um 1900), älter ‘frisch, lebhaft, kräftig, blühend’ (Anfang 18. Jh.). Triebfeder f. ‘treibende Feder im Uhrwerk’, übertragen ‘innere treibende Kraft, Antrieb’ (18. Jh.), anfangs vereinzelt auch Treibfeder. Triebkraft f. ‘vorantreibende Kraft, Wachstumskraft in einer Pflanze’ (18. Jh.), zuvor Treibkraft (Mitte 17. bis Anfang 19. Jh.). Triebwagen m. ‘Schienenfahrzeug mit eigenem Antrieb’ (Anfang 20. Jh.), zuvor (Ende 19. Jh.) ‘mit einem Motor getriebener Wagen’, vgl. Triebkraftwagen für ‘Automobil’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Appetit (auf) · Begehren · Lust (auf) · Sehnen (nach) · Sehnsucht (nach) · Trieb · Verlangen (nach) · Wunsch (nach)  ●  Appetenz  fachspr. · einen Zahn haben (auf)  ugs.
Botanik
Synonymgruppe
Austrieb · Jungtrieb · Pflanzentrieb · Spross · Trieb
Oberbegriffe
  • Organ einer Pflanze · Pflanzenorgan · Pflanzenteil · Teil einer Pflanze

Typische Verbindungen zu ›Trieb‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Trieb‹.

Verwendungsbeispiele für ›Trieb‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die verbleibenden kräftigen Triebe schneiden wir dann auf drei bis vier Augen zurück. [Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt (Oder) u. a.: Trowitsch & Sohn 1944 [1895], S. 301]
Bei schwachem Triebe wird dieser Schnitt nach einem Jahre wiederholt. [Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 299]
Der weitere Trieb ging dahin, das Sterben auch schön zu machen. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 229]
Es geht hier sicher nicht überall ichhaft her; denn ein Trieb "überkommt" uns. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 53]
Der Pilz greift schon frühzeitig vom Blatt auf den Trieb über. [Die Zeit, 04.02.2013, Nr. 05]
Zitationshilfe
„Trieb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trieb>.

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