Trieb, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Trieb(e)s · Nominativ Plural: Triebe
Aussprache
Wortbildung mit ›Trieb‹ als Erstglied: ↗Triebbefriedigung · ↗Triebfahrzeug · ↗Triebfeder · ↗Triebhandlung · ↗Triebkontrolle · ↗Triebkraft · ↗Triebleben · ↗Triebrad · ↗Triebsand · ↗Triebtäter · ↗Triebverbrechen · ↗Triebverbrecher · ↗Triebwagen · ↗Triebwerk · ↗Triebzug · ↗triebartig · ↗triebbedingt · ↗triebdämpfend · ↗triebgesteuert · ↗triebgestört · ↗triebhaft · ↗triebmäßig
 ·  mit ›Trieb‹ als Letztglied: ↗Aggressionstrieb · ↗Begattungstrieb · ↗Bewegungstrieb · ↗Bildungstrieb · ↗Blatt-Trieb · ↗Blatttrieb · ↗Bruttrieb · ↗Erhaltungstrieb · ↗Erwerbstrieb · ↗Forschertrieb · ↗Fortpflanzungstrieb · ↗Freiheitstrieb · ↗Geiztrieb · ↗Geschlechtstrieb · ↗Gestaltungstrieb · ↗Grundtrieb · ↗Herdentrieb · ↗Johannistrieb · ↗Jungtrieb · ↗Kettentrieb · ↗Kurbeltrieb · ↗Kurztrieb · ↗Langtrieb · ↗Lebenserhaltungstrieb · ↗Maitrieb · ↗Nachahmungstrieb · ↗Naturtrieb · ↗Riementrieb · ↗Schneckentrieb · ↗Seiltrieb · ↗Seitentrieb · ↗Selbsterhaltungstrieb · ↗Sexualtrieb · ↗Spieltrieb · ↗Todestrieb · ↗Tätigkeitstrieb · ↗Urtrieb · ↗Wandertrieb · ↗Wipfeltrieb · ↗Wissenstrieb · ↗Wurzeltrieb · ↗Zugtrieb
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
angeborenes oder erworbenes, heftiges inneres Streben nach Handlungen, die zur Erhaltung des Lebens notwendig oder auf die Befriedigung starker Bedürfnisse des Menschen gerichtet sind
Beispiele:
der Trieb der Selbsterhaltung, Fortpflanzung, Natur, des Geschlechts
ein natürlicher, normaler, innerer Trieb
tierische, höhere, edle, mütterliche, sinnliche, sexuelle, rohe, dunkle, dumpfe, böse, verdrängte Triebe
seine Triebe zügeln, (be)zähmen, beherrschen
seinen Trieben nachgeben, unterworfen sein, freien Lauf lassen
von seinen (niederen) Trieben beherrscht werden
er lässt sich von seinen Trieben leiten, treiben
er folgt seinen Trieben, stillt, befriedigt seine Triebe
2.
nur im Singular
innere treibende Kraft, Antrieb, Verlangen, etw. zu tun
Beispiele:
nicht den geringsten, leisesten Trieb zu etw. haben
keinen (richtigen, besonderen, großen) Trieb zur Arbeit, zum Spielen, Singen, Spazierengehen haben
er empfand einen unwiderstehlichen Trieb, etwas Besonderes zu leisten, schreiben
er fühlte einen (starken) Trieb, den Notleidenden zu helfen
er hatte nur noch den Trieb, sich schlafen zu legen
Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb [SchillerBraut v. MessinaI 1]
3.
frischer, gerade erst entwickelter Teil einer Pflanze, besonders der später verholzende junge Spross von ausdauernden Gewächsen
Beispiele:
ein wilder, geiler, kräftiger, dünner Trieb
die Triebe eines Apfelbaums, Haselstrauchs
die Pflanze hat schwache, frische Triebe entwickelt, angesetzt
die Triebe an den Obstbäumen müssen beschnitten, zurückgeschnitten werden
das Wild hat die jungen Triebe abgefressen
4.
Technik Zahnrad mit kleiner Anzahl von Zähnen
5.
Technik (Vorrichtung zur) Übertragung eines Drehmoments von einer Welle auf eine andere
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Trieb · triebhaft · Triebfeder · Triebkraft · Triebwagen
Trieb m. ‘(innere) antreibende Kraft, Schößling’, mhd. -trip (Genitiv -tribes) (in übertrip) ‘das Treiben des Viehs, Viehweide’, ablautende Abstraktbildung zu dem unter ↗treiben (s. d.) behandelten Verb, älteres ↗Trift (s. d.) im Hd. verdrängend. In seinen Verwendungen dem Gebrauch des Verbs folgend, zufrühst (heute noch landschaftlich) ‘das Treiben von Vieh’ (erhalten in Auftrieb zur Alm, Abtrieb von der Alm), auch ‘Weideland, Weiderecht’ und ‘kleines Triebrad’, ‘Eifer, Energie’ (1. Hälfte 16. Jh.), ‘maschineller Antrieb’ (Anfang 17. Jh.), ‘innerer Drang, Antrieb, Lust’ (Ende 17. Jh.), ‘Wachstum einer Pflanze, Sproß, Schößling, geschlechtliches Verlangen, Instinkt, das Treiben von Wild (bei einer Jagd), Abschnitt einer größeren Treibjagd’ (18. Jh.). triebhaft Adj. ‘sinnlich, leidenschaftlich’ (um 1900), älter ‘frisch, lebhaft, kräftig, blühend’ (Anfang 18. Jh.). Triebfeder f. ‘treibende Feder im Uhrwerk’, übertragen ‘innere treibende Kraft, Antrieb’ (18. Jh.), anfangs vereinzelt auch Treibfeder. Triebkraft f. ‘vorantreibende Kraft, Wachstumskraft in einer Pflanze’ (18. Jh.), zuvor Treibkraft (Mitte 17. bis Anfang 19. Jh.). Triebwagen m. ‘Schienenfahrzeug mit eigenem Antrieb’ (Anfang 20. Jh.), zuvor (Ende 19. Jh.) ‘mit einem Motor getriebener Wagen’, vgl. Triebkraftwagen für ‘Automobil’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Appetit (auf) · ↗Begehren · ↗Lust (auf) · ↗Sehnen (nach) · ↗Sehnsucht (nach) · Trieb · ↗Verlangen (nach) · ↗Wunsch (nach)  ●  ↗Appetenz  fachspr. · einen Zahn haben (auf)  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affekt Befriedigung Begierde Instinkt Knospe Selbsterhaltung Sublimierung Trieb angeboren animalisch archaisch ausleben befriedigen dumpf egoistisch elementar geschlechtlich krankhaft nieder sadistisch sexuell sinnlich sprießen sublimieren tierisch unterdrückt unwiderstehlich verdrängt zart zurückschneiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Trieb‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In ihm manifestiert sich ein Trieb, wie er offenbar in jedem Kind angelegt ist.
Der Tagesspiegel, 06.07.2001
Sie hatte im Detail beschrieben, wie Kern versuchte, sadistische Triebe an ihr auszulassen.
Süddeutsche Zeitung, 07.05.1999
Wahrscheinlich betätigte sich da der orientalische Trieb zum Fabulieren stärker als das Auge.
Die Zeit, 13.09.1956, Nr. 37
Aber auch im noch so dumpf gefaßten Leib lebt der geschlechtliche Trieb nicht allezeit, nicht allein.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 62
Und darum bewegt sie ein anderer Trieb als der der Lust.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2929
Zitationshilfe
„Trieb“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trieb>, abgerufen am 21.05.2019.

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