Trivialroman, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Trivialromans · Nominativ Plural: Trivialromane
Aussprache  [tʀiˈvi̯aːlʀoˌmaːn]
Worttrennung Tri-vi-al-ro-man
Wortzerlegung trivialRoman
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

Literaturwissenschaft leicht verständlich geschriebener Roman mit positivem Ausgang, der sich auf anspruchlose, zum Teil klischeehafte Art Themen wie Liebe, Verbrechen o. Ä. widmet und ausschließlich der Unterhaltung dient
Beispiele:
Am Ende wird immer alles gut: »Es waren Tränen des Glücks, die ihr über die Wangen liefen. Sie fielen sich in die Arme, küßten sich und vergaßen inmitten von Mondsilber und Rosenduft die Welt.« So schön kann die Welt in einem Buch sein und erst recht in einem, an dem das Etikett Groschen‑ oder Trivialroman klebt – zuckersüß und romantisch. [Welt am Sonntag, 23.10.2005]
Um zu erkennen, dass sie sich darin gründlich getäuscht hat, genügt ihr am Ende ihrer spannungsvoll verlaufenden Hochzeit (und damit des ersten Bands) ein kurzer Blick auf ein Paar Schuhe – und es ist ziemlich großartig, wie es Elena Ferrante hier gelingt, ein Muster des Trivialromans (die große Hochzeit als Ausklang) so zu variieren, dass sich der Leser mit einem Schlag in einem Desillusionierungsroman befindet[…]. [Die Zeit, 03.02.2017, Nr. 04]
Auch andere Populärkultur, vom Trivialroman bis zum Variététheater, hält Einzug in die bürgerliche Zeitung, deren Feuilleton so etwas wie Zeitdiagnose ohne ideologische Scheuklappen zu betreiben versucht. […] [Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2012]
Er ist ein »Genie« der Rechenkunst und des enzyklopädischen Wissens, kann Pferde kurieren und den Wert aller Möbel taxieren; keine Gelegenheit zu Großzügigkeit und Verzicht lässt er aus. Ein solch schlichter Gegensatz zwischen den Bösen und dem Guten ist aus Märchen und Legenden vertraut; realistisch drapiert, findet er sich im Trivialroman wieder. [Süddeutsche Zeitung, 06.12.2003]
Für diese Haltung ist die Legende blind. Wie der Trivialroman kennt sie nur Schwarz und Weiß, Gerecht und Ungerecht, auch wenn die Wirklichkeit dem nicht entspricht. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2001]
Dostoevskijs Schuld und Sühne oder Flauberts Madame Bovary mögen zwar erstklassig sein, aber letzten Endes sind sie nichts als hervorragende Trivialromane, (denn) sie sind letztlich künstlich und (nichts als) Lektüre […]. [Hijiya-Kirschnereit, Irmela, Selbstentblößungsrituale, Wiesbaden: Steiner 1981, S. 111]
Da ereignet sich, was auch im zweiten Akt einer Operette immer passiert: sogenannte Tragik. Ohne diese vorübergehenden Miseren[…] könnten weder Operetten noch Schlager noch »Trivialromane« ihre Happy‑Ends bringen. [Die Zeit, 02.12.1977]
Liebe, im gesellschaftskritischen Roman des neunzehnten Jahrhundertseine normensprengende Kraft, die das Individuum aus allen geltenden Ordnungen herauslöste und in eine meist tödliche Selbsterfahrung hineinriß, wird heute von den stereotypen Dramaturgien des Trivialromans als harmlose Konvention verwaltet und funktioniert im Happy‑End als schönster Lohn für die Anpassung. […] [Die Zeit, 27.11.1970]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Billigroman · ↗Groschenheft · ↗Groschenroman · ↗Hintertreppenroman · ↗Kitschroman · Roman ohne Anspruch · Trivialroman · billig produzierter Roman · seichter Roman  ●  ↗(läppisches / seichtes) Machwerk  abwertend · ↗Heftroman  Hauptform · ↗Schmonzette  abwertend, literarisch · ↗Seifenoper  fig. · Rührschinken  ugs., abwertend · ↗Schmachtfetzen  ugs., abwertend · ↗Schundroman  ugs., abwertend · Trivialschmöker  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Zitationshilfe
„Trivialroman“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trivialroman>, abgerufen am 15.04.2021.

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