Troika, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Troika · Nominativ Plural: Troikas
Aussprache  [ˈtʀɔɪ̯ka] · [ˈtʀoːika]
Worttrennung Troi-ka
Herkunft aus gleichbedeutend trójkaruss (тройка) < tróeruss (трое) ‘drei, zu dritt’
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Dreigespann (1) russischer Art, wobei das mittlere Pferd trabt und die beiden äußeren galoppierenWDG
siehe auch Dreispänner
Beispiele:
Noch im 19. Jahrhundert war die Troika das meistgenutzte Transportmittel in Russland, wobei es vor allem im Winter auch für Freizeitreisen genutzt wurde. Mit der Troika assoziiert man in Russland deshalb bis heute Weite und Freiheit, was sich auch in den vielen Gedichten und Liedern, die ihr gewidmet sind, widerspiegelt. [Wodka, Troika, Perestroika: 10 russische Worte von Welt, 06.02.2014, aufgerufen am 31.08.2020]
Die Geschenke [zum russischen Neujahrsfest] bringt […] Väterchen Frost (Djed Moros) mit seiner Enkelin Schneeflöckchen (Snegurotschka) in einer Troika, einem Schlitten gezogen von drei Pferden. [Hyvää Joulua! – Weihnachtsgrüße, 19.12.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Und wenn das kleine Glöckchen während einer Schlittenfahrt mit der Troika durch die verschneiten Wälder anschlägt, vibriert die russische Seele. [Saarbrücker Zeitung, 22.03.2010]
Durch die öde, verschneite russische Steppe eilt eine Troika dahin. [die tageszeitung, 07.02.1994]
Von der Jagd schnauben die Pferde weiße Dampfwolken in die eisige Frostluft, ihre Schnurrbärte sind mit Reif verziert, während wir uns im Fond der Troika in die dicken Mäntel verkriechen, die Ohren von der Schapka (= Pelzmütze) geschützt. [Neues Deutschland, 21.01.1967]
2.
übertragen Zusammenschluss aus drei Personen, Institutionen oder Staaten, die (meist) eine Führungsrolle übernehmen
siehe auch Dreigespann (2 ●)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die legendäre, sozialdemokratische, regierende, internationale Troika
als Akkusativobjekt: eine Troika bilden
als Dativobjekt: der Troika angehören
in Präpositionalgruppe/-objekt: mit der Troika kooperieren, zusammenarbeiten, verhandeln
mit Genitivattribut: die Troika der Geldgeber, der Gläubiger
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Troika verhandelt, gewährt, überprüft, prüft, kontrolliert, überwacht, untersucht etw.; die Troika stellt etw. fest, legt etw. vor, schlägt etw. vor, verlangt etw., bescheinigt etw.
Beispiele:
Nach den Worten von [Griechenlands] Finanzminister Giannis Stournaras hat sich die Regierung […] mit der Troika der internationalen Geldgeber – bestehend aus Europäischer Zentralbank (EZB), Europäischer Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) – auf das lange umkämpfte neue Sparprogramm geeinigt. […] Möglich wurde die Einigung offenbar durch einen Kompromiss über die von der Troika verlangten strukturellen Reformen auf dem Arbeitsmarkt. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2012]
Besser hätte diese WM im Modernen [sic!] Fünfkampf aus deutscher Sicht gar nicht sein können: Zum Abschluß der sechstägigen Veranstaltung gab es Staffel‑Gold für das Herren‑Trio […]. Die deutsche Troika verwies mit 5.568 Punkten[…] die aufstrebenden Chinesen (5.520 Punkte) und die Tschechen (5.512 Punkte) auf die anderen Medaillen‑Plätze. [Erfolgreicher Abschluß der Fünfkampf-WM, 22.08.2007, aufgerufen am 01.09.2020]
1994 zog die »Troika« für die SPD in den Wahlkampf und scheiterte: Oskar Lafontaine (61, heute Linkspartei), der damalige Kanzlerkandidat Rudolf Scharping (57, heute Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer) und Gerhard Schröder (61, heute Bundeskanzler)[.] [Bild, 19.08.2005]
Nach Mitteilung […] wurde eine Troika aus Rußland, Usbekistan und Tadschikistan gebildet, deren Ziel es sei, den religiösen Fundamentalismus und Extremismus in der mittelasiatischen GUS‑Region zu bekämpfen und die Beilegung des Konflikts in Tadschikistan und den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes zu erreichen […]. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1998]]
Beide Politiker [Boris Jelzin und Helmut Kohl] vereinbarten die Schaffung einer deutsch‑russisch‑französischen Troika, die im Frühjahr 1998 mit einem Dreiertreffen in Jekaterinburg entstehen soll; hierzu will man den französischen Präsidenten einladen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1997]]
3.
seltener, historisch in der Sowjetunion   ab 1937 für die Verurteilung inhaftierter Personen eingesetzte, dem sowjetischen Innenministerium unterstellte Kommission
Beispiele:
Mit Datum vom 2. Juli 1937 bekam er [Nikita Chruschtschow], wie alle Leiter von regionalen Parteigliederungen, eine Anweisung des Politbüros auf den Schreibtisch: Alle aus der Verbannung zurückkehrenden Kulaken (die verfemten »Großbauern«) und Strafgefangenen seien in Listen einzutragen und in zwei Kategorien einzuteilen. Die »feindseligsten« unter ihnen seien sofort zu verhaften und zu erschießen, die »weniger aktiven, aber dennoch feindseligen Elemente« gehörten erneut deportiert. Zur Entscheidung der Fälle seien Kommissionen (»Troikas«) zu bilden, bestehend aus je einem Offizier des Sicherheitsdienstes NKWD, einem Staatsanwalt und dem Parteisekretär. [Die Zeit, 16.02.2006]
Bereits wenige Monate nach seiner Eröffnung zählte es [ein sowjetisches Speziallager für politische Gefangene] 5.222 Häftlinge, Anfang 1939 waren es 11.974. Unter ihnen befand sich der später bekannte Schriftsteller Lew Rasgon. Er war 1938 verhaftet und von einer »Troika«, d. h. praktisch aussergerichtlich, zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. [Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2016]
In der Anklageschrift des NKWD‑Leutnants vom 19. August 1937 wird […] festgehalten, dass weder Schuldbekenntnis noch sachliche Beweismittel vorliegen. Der Verhaftete sei aber durch Zeugen »vollständig überführt« und für »konterrevolutionäre, aufständisch‑terroristische Agitation« zu verurteilen. […] Am 27. September 1937 wird sein Fall von der »Troika« (Dreiergruppe) des Gebiets Kalinin behandelt. [Die Zeit, 22.09.2009 (online)]
Man unterstellte ihm »antirevolutionäre Tätigkeit« […]. Er habe keinen Strafprozess erhalten, sondern er wurde von der so genannten Troika, dem Chef des NKWD, dem Sekretär des Parteikomitees und dem Staatsanwalt, zu zehn Jahren Haftstrafe verurteilt. [Der Standard, 23.03.2009]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Troika f. ‘russisches Dreigespann, mit drei Pferden bespannter Wagen oder Schlitten’, Übernahme (1. Hälfte 19. Jh.) von gleichbed. russ. trójka (тройка), einer Substantivbildung zu russ. tróe (трое) ‘drei’, eigentlich ‘die Drei’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dreiergremium · Dreierspitze · Dreigestirn (auch ironisch) · Triumvirat · Troika  ●  Dreiergespann  fig. · Dreigespann  fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Dreigespann · Dreispänner · Troika

Typische Verbindungen zu ›Troika‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Troika‹.

Zitationshilfe
„Troika“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Troika>, abgerufen am 28.11.2021.

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