Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Trugbild, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Trugbild(e)s · Nominativ Plural: Trugbilder
Aussprache 
Worttrennung Trug-bild
Wortzerlegung Trug Bild
eWDG

Bedeutungen

1.
Sinnestäuschung, Vortäuschung von nicht Vorhandenem
Beispiele:
sich von Illusionen und Trugbildern frei halten
jmd. wird von Trugbildern genarrt
2.
auf absichtlicher Täuschung beruhendes, falsches Abbild von etw.
Beispiel:
In den Staatsschriften … sehen wir es vor uns, dieses Trugbild historischer Romantik, in dem das Papsttum erscheint, wie es gewesen sein sollte und doch nie gewesen war [ HallerPapsttum2,1,85]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. – Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Synonymgruppe
Medizin, Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · Halluzination · Trugbild · Täuschung · Wahnbild · Wahnvorstellung  ●  Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · Hallu (meist Plural: Hallus)  Jargon · Sinnestäuschung  Hauptform · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Trugbild‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Trugbild‹.

Verwendungsbeispiele für ›Trugbild‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist das schöne Trugbild einer modernen Stadt vor dem postindustriellen Fall. [Die Zeit, 12.01.2006, Nr. 03]
Sie zeigen nicht das Trugbild der Macht, sie sind selbst sein Symptom. [Die Zeit, 04.12.1995, Nr. 49]
Es ist ein schönes Bild, aber leider ist es ein Trugbild. [Die Zeit, 21.10.1994, Nr. 43]
Denn die schillernde Vision im kalten blauen Licht erweist sich als Trugbild. [Die Zeit, 18.03.1994, Nr. 12]
Er hatte nämlich, um sich vom Trugbild zu befreien, beschlossen, sich an ihm in die Höhe zu richten. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 326]
Zitationshilfe
„Trugbild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trugbild>.

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