Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Trugschluss, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Trug-schluss
Wortzerlegung Trug Schluss
Ungültige Schreibung Trugschluß
Rechtschreibregeln § 2, § 25 (E1)
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
a)
nahe liegender, auf den ersten Blick richtig erscheinender falscher Schluss
b)
Logik zur Täuschung oder Überlistung des Gesprächspartners angewandter Fehlschluss
2.
Musik Form der Kadenz, bei der nach der Dominante nicht die zu erwartende Tonika, sondern ein anderer, meist mit der Tonika verwandter Akkord eintritt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trügen · Trug · Trugbild · Trugschluß · trügerisch · betrügen · Betrüger · Betrug
trügen Vb. ‘betrügen, täuschen, irreführen’. Das nur im Dt. und Nl. belegte stark flektierende Verb ahd. triogan (8. Jh.), mhd. triegen ‘(be)trügen, täuschen’, reflexiv ‘sich täuschen, sich irren’, asächs. driogan ‘betrügen’, mnd. drēgen, mnl. drieghen (germ. *dreugan) ist verwandt mit ahd. gitrog ‘Trugbild, Gespenst’ (9. Jh.), asächs. gidrog ‘Trugbild’, anord. draugr ‘Gespenst, Wiedergänger’, mit der unter Traum (s. d.) behandelten Wortgruppe sowie mit aind. drúhyati ‘beschädigt, sucht zu schaden’, drṓghaḥ ‘schmähend, boshaft, trügerisch’, awest. draog- ‘lügen, trügen’, mir. aur-ddrach ‘Gespenst’. Alle Formen führen auf ie. *dhreugh- ‘trügen, listig schädigen’, vielleicht eine Erweiterung der Wurzel ie. *dhu̯er(ə)- ‘durch Täuschung, Hinterlist zu Fall bringen, schädigen’. Im Nhd. gilt zunächst triegen mit den Präsensformen du treugst, er treugt. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird entweder zu -ie- oder (nach dem Vorbild von lügen) zu -ü- vereinheitlicht. Endgültig setzt sich trügen, trügst, trügt im 19. Jh. durch. – Trug m. ‘Betrug, Täuschung, falscher Schein’, mhd. truc, für mhd. trüge ‘Trug, Betrug’ eintretend. Trug ist vor allem lebendig in der Fügung Lug und Trug (16. Jh.). Trugbild n. ‘Täuschung’, ahd. trugibilidi ‘Teufelsbild, Gespenst’ (um 900), mhd. trüge-, trugebilde ‘täuschendes Bild’; geläufig seit dem 18. Jh. und wohl von Herder neu gebildet als Verdeutschung von Phantom im Sinne von ‘Sinnestäuschung, von der Phantasie geschaffene Vorstellung, Selbsttäuschung, Irrtum’. Trugschluß m. Terminus der Logik ‘unrichtiger, von einer falschen Prämisse ausgehender Schluß’ (1743 bei Gottsched für frz. un grand sophisme), allgemein ‘auf einem Denkfehler beruhende Schlußfolgerung, Irrtum’ (Ende 18. Jh.); zuvor Betrugsschluß (1. Hälfte 17. Jh.). trügerisch Adj. ‘betrügerisch, hinterlistig, heuchlerisch’ (16. Jh.), ‘täuschend, irreführend’ (18. Jh.), zu ahd. triogāri ‘Heuchler’ (um 800), mhd. trigære, trieger. betrügen Vb. ‘(be)schwindeln, sich einen Vorteil durch Täuschung ergaunern’, (reflexiv) ‘sich nicht die Wahrheit eingestehen’, ahd. bitriogan ‘betrügen, täuschen’ (8. Jh.), mhd. betriegen ‘verlocken, betrügen, betören, verblenden’; Betrüger m. (15. Jh.); Betrug m. ‘Schwindel, Täuschung, Lüge’ (15. Jh.); vgl. ahd. bitrog (11. Jh.), mhd. betroc.

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Denkfehler · Fangschluss · Fehlannahme · Fehleinschätzung · Fehlschluss · Irrglaube · Irrtum · Missverständnis · Paralogismus · Trugschluss · falsche Annahme · falsche Schlüsse  ●  klarer Fall von denkste  ugs., Spruch · non sequitur  fachspr., lat.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Trugschluss‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›Trugschluss‹ und ›Trugschluß‹.

Verwendungsbeispiele für ›Trugschluss‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es wäre ein Trugschluß, wollte man daraus eine bestimmte Abhängigkeit statuieren. [Bornkamm, G.: Formen und Gattungen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 5151]
Es wäre ein Trugschluß, wenn die Airlines sich in diesen Zeiten wirtschaftlichen Drucks entschließen würden, an der Ausbildung ihrer Piloten zu sparen. [o. A.: "Menschliches Versagen". In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1998 [1997]]
Was vielen Frauen tatsächlich als Erweiterung ihres Selbstbestimmungsrechts erscheint, ist jedoch ein Trugschluß. [konkret, 1990]
Nur dürfen sie nicht zu dem Trugschluß verführen, die Politik der Entspannung sei nun zu Ende. [Der Spiegel, 14.01.1980]
Doch das sei ein Trugschluss, warnen die Ökonomen in ihrer Arbeit. [Die Zeit, 23.10.2012, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Trugschluss“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Trugschluss>.

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