Tunte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Tunte · Nominativ Plural: Tunten
Aussprache 
Worttrennung Tun-te
Wortbildung  mit ›Tunte‹ als Erstglied: ↗tuntenhaft · ↗tuntig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [salopp, abwertend] Homosexueller mit femininem Gebaren
  2. 2. [umgangssprachlich, abwertend] Synonym zu Tante (2)
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
salopp, abwertend Homosexueller mit femininem Gebaren
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine alternde, echte, schrille Tunte
in Koordination: Transvestiten, Lesben und Tunten
Beispiele:
Vielen [Homosexuellen selbst] ist die Tunte, der effeminierte Homosexuelle, ein Graus und offen wird die Hoffnung ausgesprochen, daß mit dem Ende der gesellschaftlichen Diskriminierung spezifische Erscheinungen der Homosexualität verschwinden. [konkret, 2000 [1986]]
Mit [dem Schauspieler] Rock Hudson erfuhr eine überwiegend ahnungslose heterosexuelle Weltöffentlichkeit erstmals, was sie im Zuge von Aids noch oft erstaunen sollte: Schwule, das sind eben nicht nur Tänzer, Dekorateure, Schneider und Friseure. Schwule, das sind Männer wie du und ich, in der ganzen Bandbreite von blass bis markant, schüchtern bis draufgängerisch. Hudson brachte wie niemand sonst das Schwulenstereotyp von der Tunte ins Wanken. [Die Welt, 14.01.2017]
Wir alle, und damit meine ich nicht nur homosexuelle Männer [in Ägypten] – ich meine alle unter uns, die aus der Norm fallen – Aktivisten der Demokratie, Tunten und viele andere mehr – wir sind es doch in erster Linie, die (in arabischen Ländern) als subversive fünfte Kolonne des Westens gebrandmarkt werden. [Süddeutsche Zeitung, 07.12.2006]
[Der Filmemacher] Rosa von Praunheim porträtiert vier Tunten, die in den achtziger Jahren die Berliner Kleinkunstszene bereichert haben. Bei allem Respekt davor, dass Tunten mehr Zivilcourage zeigen als andere Schwule – eine Provokation sind sie nicht mehr. Praunheim zeigt, was für Menschen sich hinter der Tunten‑Fassade verbergen. [Der Tagesspiegel, 13.02.2002]
Seine erste Techno‑Party erlebte Sven mit achtzehn[…]. Dennoch [obwohl es keine Werbung für die Party gab] drängten sich um Mitternacht in der Zürcher Fabrikhalle 1500 schwitzende Körper: Männer mit Sechsmillimeterfrisuren, Frauen in Jeans und Glitzer‑Shirt, Tunten in Abendkleid und Federboa[…]. [Die Zeit, 09.07.1998, Nr. 29]
2.
umgangssprachlich, abwertend
Synonym zu Tante (2)
Beispiele:
Die Freundin, eine braungebrannte schlanke Erscheinung, wippt ungeduldig mit dem Fuß und mustert abschätzend ihre Nachbarinnen. Es sind eine Menge Tunten dabei, murmelt sie zufrieden. [Berliner Zeitung, 14.06.1968]
Soviel hatte sie [Oskar Matzeraths Mutter] nicht zum Frühstück gegessen, weil sie Übergewicht hatte und unbedingt abnehmen wollte, deshalb allerlei Diäten versuchte, die sie aber selten durchhielt – heimlich aß sie – und nur vom Dienstagturnen bei der Frauenschaft ließ sie sich nicht abbringen, auch wenn Jan und selbst Matzerath sie auslachten, wenn sie mit dem Turnbeutel zu den komischen Tunten ging, in blauglänzendem Stoff Keulengymnastik trieb und dennoch nicht abnahm. [Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 178]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tunte f. ‘alberne, zimperliche, langsame Frau’ (19. Jh.), ‘homosexueller Mann mit femininem Gebaren’ (20. Jh.). Herkunft ungewiß. Vielleicht eine abschätzige Abwandlung von ↗Tante (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Tucke  derb · Tunte (meist abwertend)  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Tunte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tunte‹.

Zitationshilfe
„Tunte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tunte>, abgerufen am 14.07.2020.

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