Tyrann, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular 1: Tyrannen · Genitiv Singular 2: Tyranns (selten) · Nominativ Plural: Tyrannen
Aussprache
WorttrennungTy-rann
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Tyrann‹ als Erstglied: ↗Tyrannenhass · ↗Tyrannenmord · ↗Tyrannin · ↗tyrannisieren
 ·  mit ›Tyrann‹ als Letztglied: ↗Ehetyrann · ↗Familientyrann · ↗Haustyrann · ↗Schultyrann
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
Gewaltherrscher, Despot
Beispiele:
Historiker bescheinigen Nero erfolgreiche erste Regierungsjahre, bevor er später zum verhassten Tyrannen wurde. [Die Zeit, 07.05.2016 (online)]
Grundsätzlich sind Tyrannen Herrscher, die ihre Macht ohne Legitimation ausüben, demokratietheoretisch also jeder Diktator, sogar ein König oder ein Fürst. Zur fehlenden Legitimation muss allerdings auch eine brutale Machtherrschaft hinzukommen. Die Unterdrückung des eigenen Volkes, willkürliche Gewaltanwendung, die Gewalt der Gewalt wegen machen aus einem Diktator einen Tyrannen. [Welt am Sonntag, 23.10.2011, Nr. 43]
Und während Tyrannen wie Hitler oder Stalin von Ideologien des Totalitarismus beseelt waren, pflegte der bullige Engländer [Winston Churchill] die Werte von Parlamentarismus und Demokratie. [Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2010]
Er [Wilhelm Tell] zieht sich so lange auf Haus und Familie sowie auf seine Ungebundenheit als Wildschütz zurück, bis der Tyrann Geßler von ihm das Äußerste verlangt, indem er ihn zwingt, auf den eigenen Sohn zu schießen. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 503]
Tyrannenmord meint freilich nicht den tödlichen Angriff auf den Tyrannen von außen, durch Soldaten oder Söldner anderer Mächte, sondern den Angriff von innen – also eine Tat, die aus der Mitte des Volkes kommt, das den Gewalttaten des Diktators ausgeliefert ist. [o. A. [pra]: Tyrannenmord. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1999]]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein allmächtiger, skrupelloser, verhasster, wahnsinniger Tyrann
als Akkusativobjekt: den Tyrannen besiegen, stürzen, töten
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Aufstand, Kampf, Widerstand gegen den Tyrannen
b)
im antiken Griechenland   unumschränkt, ohne gesetzliche Bindungen herrschender Alleinherrscher; (grausamer) Gewaltherrscher
Beispiele:
514 vor Christus wurde in Athen der Tyrann Hipparchos von einem Attentäter ermordet – dies gilt als Geburtsstunde der Demokratie. [Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2011]
Erst […] bei Solon [griechischer Staatsmann um 600 v. Chr.] erschien der Tyrann zum ersten Mal als skrupelloser Machthaber. In der aristotelischen Verfassungslehre wurde der König in dem Maße zum Tyrannen, in dem er seinen Willen über das Gesetz stellte und zu seinem eigenen Vorteil herrschte. [Süddeutsche Zeitung, 03.04.2008]
Immer wieder mischt Sparta sich in die inneren Angelegenheiten dieser [Korinth und Megara] und anderer poleis (= antike, griechische Stadtstaaten) Griechenlands ein und setzt nach Belieben Tyrannen ab; sogar in Athen versuchen spartanische Könige die Stadtpolitik zu lenken. [Spiegel, 12.08.2004 (online)]
Der Tyrann von Syracus hatte eine goldene Krone geschenkt bekommen. Aber wie alle Tyrannen war er mißtrauisch und fürchtete, daß sie mit Silber versetzt sein könnte. Um sicherzugehen, erteilte er dem berühmten Archimedes den Auftrag, zu untersuchen, ob sie wirklich aus purem Gold bestand. [Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 473]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der blutrünstige, grausame Tyrann
als Genitivattribut: der Tod, die Vertreibung, das Joch, die Herrschaft, die Macht, der Sturz des Tyrannen
als Passivsubjekt: der Tyrann wird ermordet, gestürzt
2.
abwertend autoritäre Person, die ihre Stellung, Macht dazu missbraucht, andere, besonders Abhängige, Untergebene, zu tyrannisieren, zu unterdrücken; Despot
Beispiele:
Miriam wächst in der kenianischen Provinz auf, mal bei der Tante, mal bei ihrer Oma und manchmal auch bei den Eltern. Ihr Vater ist Polizist, ein Tyrann, der die Mutter aus dem Haus grault und die Kinder blutig schlägt. [Die Zeit, 19.08.1999, Nr. 34]
In Thomas Manns Jahrhundertroman »Buddenbrooks« wird Hannos Lehrer Dr. Mantelsack als ein Tyrann mit dünnem Haar und einem »krausen Jupiter-Bart« geschildert. [Welt am Sonntag, 28.08.2016, Nr. 35]
scherzhaft In letzter Zeit häufen sich mal wieder die Berichte, die Eltern von heute würden eine Generation kleiner Tyrannen großziehen. Die meisten Kinder seien sozial gestört, nicht mehr belastbar und schlicht total verzogen. [Bild am Sonntag, 01.05.2016, Nr. 18]
Doch kaum der elterlichen Autorität entronnen, begab sich die aufstrebende Aktrice [Kristina Söderbaum] in die nächste Abhängigkeit – und ehelichte den 13 Jahre älteren Regisseur Veit Harlan: einen eifersüchtigen, von seiner Arbeit besessenen Tyrannen und Perfektionisten. [Spiegel, 05.09.2012 (online)]
Seinen Chef beschreibt […] [der Angestellte] als wütenden Tyrannen, der keinen Widerspruch duldete und seinen Mitarbeitern heimlich die Post vom Tisch nahm. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2000]
3.
(in Nord- und Südamerika lebender) meist unscheinbar braun, grau und grünlich befiederter Vogel
Beispiele:
Pitangus sulphuratus, ein »schwefelgelber Tyrann«, englisch »kiskadee«, ist dort [in Südamerika] ein allseitig bekannter Vogel, auffallend, aggressiv, laut, der den Luftraum über Baumwipfeln und Hausdächern in der Stadt geradezu beherrscht[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2005]
Dafür sind Zugvögel [im Gebiet des Amazonas] weit seltener, als etwa in den Regenwäldern Mittelamerikas. Auch die Tyrannen, sonst tropische Allerweltsvögel, die ihren Namen dem bei einigen Arten aggressiven Revierverhalten verdanken, sind überraschenderweise recht spärlich vertreten. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 1998 [1997]]
Schreivögel (Clamatores), Unterordnung der Sperlingsvögel, mit unvollkommenem Stimmapparat, meist amerik. Vögel. Hierher die Fruchtvögel, Tyrannen etc. [o. A.: S. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 2521]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Tyrann · Tyrannei · tyrannisch · tyrannisieren
Tyrann m. ‘Gewaltherrscher, Despot’, spätmhd. tiranne, tyranne, entlehnt aus lat. tyrannus, griech. týrannos (τύραννος) ‘unumschränkter Herrscher, Allein-, Gewaltherrscher’, besonders ‘wer sich ungesetzlich die Herrschaft im Staate anmaßt’. Im Dt. zunächst im politischen Bereich ‘Usurpator, Diktator, Despot’, ohne pejorativen Nebensinn ‘Herrscher, König, Regent’, dann (1. Hälfte 16. Jh.) auch allgemein ‘wer anderen seinen Willen rücksichtslos aufzwingt, herrschsüchtiger Mensch’. Tyrannei f. ‘Gewaltherrschaft, despotische Unterdrückung’, frühnhd. tyranney (2. Hälfte 15. Jh.), mnd. tirannīe (2. Hälfte 14. Jh.), Bildung (unter Einfluß von afrz. tiranie, tyrannie?) zur voraufgehenden Personenbezeichnung; vgl. spätlat. tyrannia, griech. tyrannía (τυραννία) ‘Königsherrschaft, unumschränkte, angemaßte Herrschaft, Allein-, Gewaltherrschaft’. Im Dt. schon früh übertragen ‘herrschsüchtige Unterdrückung, Zwang, unduldsames Verhalten eines Menschen’ (1. Hälfte 16. Jh.). tyrannisch Adj. ‘(in einem Staatswesen) unumschränkt, despotisch herrschend, die Macht, Herrschaft gewaltsam an sich reißend’ (2. Hälfte 15. Jh.), ‘anderen seinen Willen rücksichtslos aufzwingend, herrschsüchtig, herrisch’ (1. Hälfte 16. Jh.); vgl. lat. tyrannicus, griech. tyrannikós (τυραννικός) ‘dem Alleinherrscher gehörig, ihm angemessen, königlich, gewalttätig, despotisch’. tyrannisieren Vb. ‘willkürlich, gewalttätig regieren, grausam herrschen, jmdm. seinen Willen aufzwingen’ (1. Hälfte 16. Jh.), mfrz. frz. tyranniser.

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Diktator · ↗Gewaltherrscher · Tyrann · ↗Unterdrücker · uneingeschränkter Machthaber  ●  ↗Despot  geh. · ↗Zwingherr  geh., historisch
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (der) Führer · (der) böhmische Gefreite · Adolf Hitler  ●  (der) GröFaZ  ugs., ironisch · (der) größte Feldherr aller Zeiten  ugs., ironisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbeuter Blutsäufer Despot Diktator Folterknecht Henker Joch Lügner Massenmörder Patriot Sadist Schlächter Schurke Sturz Tyrann Unterdrücker Usurpator abscheulich allmächtig blutig blutrünstig finster gestürzt grausam mörderisch sizilisch skrupellos verhaßt verjagen versklaven

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Tyrann‹.

Zitationshilfe
„Tyrann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Tyrann>, abgerufen am 16.10.2019.

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