Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ultramarin, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ultramarins · wird nur im Singular verwendet
Worttrennung Ul-tra-ma-rin · Ult-ra-ma-rin
Grundformultramarin
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ultra- · Ultramarin · ultramontan · ultrarot · ultraviolett · Ultrakurzwelle · Ultraschall
ultra- Bestimmungswort in gelehrten Zusammensetzungen mit der Bedeutung ‘jenseits von, über … hinaus, das (übliche Maß) übersteigend, hinausgehend über’. Zugrunde liegt lat. ultrā Adv. ‘jenseits, darüber hinaus, weiterhin’, Präp. ‘jenseits, über … hinaus, außerdem’, erstarrter Ablativ Fem. des Adjektivs lat. ulter ‘jenseitig, drüben befindlich’, abgeleitet von lat. ultis, älter uls Präp. ‘jenseits’. Als erstes Kompositionsglied begegnet ultrā im Lat. nur selten, hingegen im Mlat. häufig. – Ultramarin n. kornblumenblaue Mineralfarbe, relatinisiert und substantiviert (Anfang 16. Jh.) aus ital. (älter) azzurro oltramarino ‘Lazurblau’; das ital. Adjektiv beruht auf mlat. ultramarinus ‘(von) jenseits des Meeres’ (vgl. lat. marīnus ‘zum Meer gehörig’, zu lat. mare ‘Meer’), da die Bestandteile der Farbe ‘von jenseits des Meeres’, d. h. ‘von weit her’ (aus Asien) eingeführt werden. ultramontan Adj. ‘jenseits der Alpen (wohnend, befindlich), von jenseits der Alpen stammend’, sowohl von Deutschland als auch von Italien aus gesehen (1. Hälfte 18. Jh.), aus gleichbed. ital. oltramontano, älter auch ultramontano (vgl. frz. ultramontain ‘jenseits der Alpen liegend, italienisch’), dieses aus mlat. ultramontanus ‘jenseits der Berge’ (zu lat. mōns, Genitiv montis, ‘Berg, Gebirge’); übertragen ‘düster, barbarisch’ (aus italienischer Sicht), ‘südländisch’ (aus deutscher Sicht); dann im Hinblick auf die katholische Kirchenpolitik ‘im Gegensatz zu protestantischen und nationalen Interessen stehend’ (18. Jh.), verallgemeinert ‘streng katholisch, römisch, päpstlich gesinnt’ (19. Jh.); auch ultramontanisch (2. Hälfte 18. Jh.). Im Bereich von Technik und Physik entstehen Zusammensetzungen mit ultra- wie ultrarot Adj. ‘jenseits des roten Endes des Lichtspektrums liegend, infrarot’ und ultraviolett Adj. ‘im Spektrum jenseits des sichtbaren Violetts liegend’ (Ende 19. Jh.); Ultrakurzwelle f. elektromagnetische Welle mit besonders kurzer Wellenlänge und Ultraschall m. Schallschwingungen, die oberhalb der Hörbarkeitsgrenze liegen (1. Hälfte 20. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Ultramarin‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und dem die Gemeinde gesagt hat, wir wollen möglichst viel Ultramarin. [Die Zeit, 25.08.2005, Nr. 35]
Man hätte das Ultramarin nach innen, das Kobalt nach außen nehmen sollen. [Die Zeit, 08.01.1962, Nr. 02]
Bis auf das exotische Ultramarin konnte er alle Farben problemlos aus der Apotheke beziehen. [Der Tagesspiegel, 23.04.1998]
Seine Wände sind mit emaillierten Blechplatten ausstaffiert, jeweils in zwei Tönen Orange, Türkis, Ultramarin und Rot. [Die Zeit, 17.02.1969, Nr. 07]
Dem ähnlich aussehenden Ultramarin ist Heliogenblau B durch seine Säurefestigkeit überlegen. [Langenbeck, Wolfgang: Lehrbuch der Organischen Chemie, Dresden: Steinkopff 1938, S. 436]
Zitationshilfe
„Ultramarin“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ultramarin>.

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