Umkehrung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Umkehrung · Nominativ Plural: Umkehrungen
Aussprache
WorttrennungUm-keh-rung
Wortzerlegungumkehren-ung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
entsprechend der Bedeutung von umkehren (Lesart 3)
Beispiele:
die Umkehrung der Reihenfolge, eines Urteils, der Auffassungsweise
In einer merkwürdigen Umkehrung hatte er den Eindruck, diese Ordnung gehe von ihm aus [MusilMann405]
2.
Musik Versetzung
a)
des unteren Tones in die höhere Oktave oder des oberen in die untere bei Intervallen
b)
des unteren Tones in die höhere Oktave bei Akkorden
c)
der Tonschritte eines Themas oder Motivs in umgekehrter Richtung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kehren1 · Kehre · kehrtmachen · Kehrreim · Kehrseite · einkehren · Einkehr · umkehren · Umkehr · Umkehrung
kehren1 Vb. ‘etw. in eine bestimmte, namentlich die entgegengesetzte Richtung drehen, wenden’, seit Beginn der Überlieferung außerdem in reflexivem und (wohl durch Ersparung eines Akkusativobjekts entstandenem, heute unüblichem) intransitivem Gebrauch ‘die Gegenrichtung einschlagen, sich umwenden’, ahd. kēren (9. Jh.), gikēren (8./9. Jh.), mhd. (ge)kēren ‘(um)wenden, eine Richtung geben, sich wenden’ (mhd. und frühnhd. auch allgemeiner ‘eine Richtung einschlagen, sich begeben’) hat nur im Kontinentalwestgerm. sichere Verwandte, vgl. asächs. kērian, mnd. (ge)kēren, aostnfrk. kēron, mnl. kēren, nl. keren, afries. kēra ‘kehren, wenden’. Bei Annahme eines grammatischen Wechsels germ. *kaisjan, *kaizjan lassen sich diese Formen mit anord. keisa ‘biegen, zusammenfalten’, isl. keisa ‘in die Höhe ragen, hochtragen’, schwed. kesa ‘durchgehen, fliehen’ verbinden, die auf einen Ansatz ie. *geis- zurückgeführt werden, der zu der nur in verschiedenen Erweiterungen nachzuweisenden Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’ (s. auch ↗keifen) gehört; vgl. Pokorny 1, 354 f. Dieser fragliche Zusammenhang muß jedoch aufgegeben werden, wenn man für ahd. kēren von germ. *kairjan ausgeht und dieses (wie Petersson in: PBB 44 (1920) 178 f.) mit armen. cir ‘Kreis’, osset. zilyn (зuлын) ‘herumdrehen’ vergleicht. Ebenso ist aengl. cerran (westsächs. cierran, cyrran) trotz semantischer Übereinstimmung von den anderen westgerm. Bildungen zu trennen, da es eine auch im Vokalismus abweichende Form germ. *karrjan oder *karzjan voraussetzt. Substantivische Ableitung vom Verb ist Kehre f. ‘scharfe Wegbiegung’, seit Jahn (1816) auch Fachwort des Turnens ‘Sprung oder Abschwung, bei dem der Rücken zum Gerät gewandt ist’, ahd. kēra ‘Wendung, Beugung, Krümmung’ (11. Jh.), mhd. mnd. kēr(e) ‘Richtung, Wendung’ (die einsilbige Form noch in Einkehr, Umkehr, s. unten, ↗Heimkehr, s. d.); daneben steht in älterer Zeit ein Maskulinum ahd. (um 1000), mhd. mnd. kēr, frühnhd. Kehr, mnl. nl. keer (s. ↗Verkehr). kehrtmachen Vb. ‘eine halbe Drehung vollführen, die Gegenrichtung einschlagen’, im 20. Jh. zusammengewachsen aus der Fügung kehrt machen (substantiviert auch Kehrt machen, Anfang 19. Jh.), enthält als ersten Bestandteil den Imperativ und militärischen Befehl kehrt! (vielleicht verkürzt aus kehrt euch!). Kehrreim m. ‘regelmäßig am Schluß jeder Liedstrophe sich wiederholender Textteil’. Das von Bürger (1793) eingeführte Ersatzwort für ↗Refrain (s. d.) ist eine Zusammensetzung mit ↗Reim (s. d.) in dessen früher geläufiger Bedeutung ‘Verszeile’. Kehrseite f. ‘Rückseite’, metaphorisch auch ‘das einer zunächst günstig erscheinenden Sache anhaftende Unangenehme’, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. aufkommende und trotz Adelungs Kritik sich durchsetzende Verdeutschung von ↗Revers ‘Rückseite einer Münze’ (s. d.), nach gleichbed. nl. keerzijde (dieses 1729 erstmals nachweisbar). einkehren Vb. ‘in einer Gaststätte Rast machen’, ursprünglich überhaupt ‘sich (als Gast) hineinbegeben’, mhd. īnkēren ‘hineingehen, umkehren’, in der Sprache der Mystik auch spätmhd. īnkēren, frühnhd. einkehren, mnd. inkēren ‘in sich gehen, sich versenken’; dazu Einkehr f. ‘Selbstbesinnung’, älter auch ‘Rast, Herberge’, mhd. īnkēr(e) f. ‘Einzug, Insichgehen’; vgl. spätmhd. īnkēr m., mnd. inkēr m. ‘Insichgehen’. umkehren Vb. ‘umwenden, umdrehen, in die entgegengesetzte Lage bringen’, intransitiv ‘sich umwenden, den Rückweg antreten, anderen Sinnes werden’, ahd. umbikēren (9. Jh.), mhd. umbekēren, mnd. ummekēren; seit dem Frühnhd. findet sich das Part. Prät. umgekehrt in adjektivischer Verwendung ‘gegenteilig, entgegengesetzt’; Umkehr f. ‘das Umkehren, Zurückgehen’, übertragen ‘Sinneswandel’, mhd. umbekēr(e) f. ‘Umkehr, Umwendung’; vgl. ahd. umbikēr m. ‘Umkehrung, Umtauschung’ (um 1000), mnd. ummekār ‘Umkehr, Wendung’; Umkehrung f. ‘Veränderung ins Gegenteil’ (15. Jh., frühnhd. daneben ‘Zerstörung’). S. auch ↗bekehren, ↗verkehren.

Thesaurus

Synonymgruppe
Umkehrung · ↗Umpolung
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Antonym · ↗Gegenbegriff · ↗Gegensatz · ↗Gegensatzwort · ↗Gegenteil · ↗Gegenwort · ↗Komplement · Umkehrung  ●  ↗Gegentum  ugs., scherzhaft · ↗Oppositionswort  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Inversion · Invertierung · ↗Reversion · ↗Umdrehung · Umkehrung
Unterbegriffe
  • Prioritätsinversion · Prioritätsumkehr

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akkord Alterspyramide Beweislast Beweispflicht Blickrichtung Dreiklang Elektrolyse Kausalität Krebs Krebsgang Kräfteverhältnis Machtverhältnis Magnetfeld Mehrheitsverhältnis Polarität Reihenfolge Spiegelung Sprichwort Umkehrung Unschuldsvermutung Vorzeichen dialektisch eigentümlich grotesk ironisch merkwürdig paradox spiegelbildlich symmetrisch waldensch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Umkehrung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch in der Architektur hat die Umkehrung der Werte stattgefunden.
Der Tagesspiegel, 14.06.1997
Es wäre die Umkehrung jenes Satzes, man müsse das Volk nur lange genug wählen lassen, um eine genehme Mehrheit zu erzielen.
Süddeutsche Zeitung, 01.10.1994
Und damit ergibt sich nun eine Umkehrung der üblichen literarischen Bewertung.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 444
Danach habe ich es nicht für nötig gehalten, diese Umkehrung auch mit den andern Tieren vorzunehmen.
Köhler, Wolfgang: Intelligenzprüfungen an Menschenaffen, Berlin: Springer 1963 [1917], S. 137
Als Korrelat dazu kann man auch die Umkehrung dieses Satzes aussprechen.
Freud, Sigmund: Die Traumdeutung, Leipzig u. a.: Deuticke 1914 [1900], S. 219
Zitationshilfe
„Umkehrung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Umkehrung>, abgerufen am 17.10.2019.

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