Umschweif, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Umschweif(e)s · Nominativ Plural: Umschweife · wird meist im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungUm-schweif
Wortbildung mit ›Umschweif‹ als Grundform: ↗umschweifig
eWDG, 1976

Bedeutung

ohne Umschweifegeradeheraus, rundheraus, ohne zu zögern
Beispiele:
etw. ohne Umschweife sagen, tun
ohne Umschweife begann er, kam er zur Sache
umgangssprachlich(keine) Umschweife machen
daß Quint sofort und ohne Umschweif auf seine religiösen Einbildungen zu sprechen kam [G. Hauptm.Quint1,179]
er war aller Umschweife müde [FalladaWolf2,524]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schweif · Schweifstern · Umschweif
Schweif m. ‘langer buschiger Schwanz, geschwungene Linie, Schleppe’, ahd. sweif ‘umgeschlagenes Gewand, Fußbekleidung’ (9. Jh.), mhd. sweif ‘schwingende Bewegung, (Um)gang, Umschwung, Umkreis, umschlingendes Band, Kleidungsbesatz, Schwanz’ und anord. sveipr ‘Schwingung, Krümmung, Band, gekräuseltes Haar’ gehören als Abstraktbildungen zu der unter ↗schweifen (s. d.) genannten Wortgruppe. Ausgehend von ‘schwingende Bewegung’ bezeichnet mhd. sweif auch ‘den sich windenden, ringelnden, geschwungenen Schwanz’ (z. B. von Schlange und Pferd), wird aber im Nhd. von ↗Schwanz (s. d.) in seiner Gebrauchshäufigkeit eingeschränkt und gehört dann vor allem der gehobenen Sprache an. Im 17. Jh. wird Schweif der geläufige Ausdruck für die einem Kometen (vgl. Schweifstern m. 17. Jh.) nachfolgenden leuchtenden Materieteilchen. Umschweif m. ‘Umständlichkeit, Umschreibung’ (16. Jh.), früher auch ‘hin- und hergehende Bewegung, Umdrehung, Umweg, Umfang, Umgebung, umgelegtes Kleidungsstück’, ahd. umbisweif ‘Lendenschurz’ (11. Jh.; vgl. auch das ti-Abstraktum umbisweift ‘Lendenschurz’, 9. Jh., ‘Biegung, Windung’, um 1000), mhd. umbesweif ‘hin- und hergehende Bewegung, Kreisbewegung, Umhüllung, Abirrung, Ausdehnung’. Heute besonders ohne Umschweife ‘ohne umständliche Erklärungen, geradeheraus’, vgl. on lang umbschweiff (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abschweifung · ↗Einschub · Umschweif  ●  ↗Abstecher  ugs. · ↗Exkurs  geh., bildungssprachlich · ↗Schlenker  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Kern Sache Wesentliche anerkennen angehen ansprechen antworten ausdrücken aussprechen beantworten bekennen benennen beschreiben diplomatisch eingestehen einräumen erklären erzählen feststellen formulieren fragen gestehen losgehen nennen reden sagen zugeben zugestehen zusteuern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Umschweif‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier hat jemand eine klare Position und teilt sie ohne Umschweife mit.
Die Welt, 02.03.2005
Aber wer fragt zunächst einmal ohne weitere Umschweife nach dem Wohl der Kinder?
Der Tagesspiegel, 17.05.2001
Solcherart landeten sie ohne viel Umschweife gegen 23 Uhr auf der Couch.
Simmel, Johannes Mario: Es muß nicht immer Kaviar sein, Zürich: Schweizer Verl.-Haus 1984 [1960], S. 405
Ohne Umschweife machte er sie mit dem Zweck seines Kommens bekannt.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 341
Beginne ohne Umschweife mit deinem Bericht; erzähle, was du erlebt hast!
Röhrich, Lutz: schießen. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 9003
Zitationshilfe
„Umschweif“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Umschweif>, abgerufen am 15.12.2019.

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