Umsturz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Umsturzes · Nominativ Plural: Umstürze · wird selten im Plural verwendet
WorttrennungUm-sturz (computergeneriert)
Grundformumstürzen
Wortbildung mit ›Umsturz‹ als Erstglied: ↗Umsturzbewegung · ↗Umsturzversuch  ·  mit ›Umsturz‹ als Letztglied: ↗Wetterumsturz
eWDG, 1976

Bedeutung

gewaltsame Beseitigung einer bestehenden staatlichen, gesellschaftlichen Ordnung, Sturz einer Regierung, eines Regimes mit dem Ziel der Herstellung anderer Verhältnisse
Beispiele:
einen Umsturz planen, vorbereiten
an einem Umsturz beteiligt sein
der Umsturz ist gescheitert, ist erfolgreich verlaufen
Der revolutionäre Umsturz in Rußland [Neue Justiz1970]
Die Reaktion bereitete sich auf einen konterrevolutionären Umsturz vor [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung14,58]
übertragen
Beispiel:
ein Umsturz in der bisherigen Technik durch neue Erfindungen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stürzen · Sturz · Sturzacker · umstürzen · Umsturz
stürzen Vb. ‘hinunterstoßen, umstülpen, fallen, eilen’, ahd. sturzen (um 1000, vgl. bi-, firsturzen, 9. Jh.), mhd. sturzen ‘umstoßen, umstülpen, umsinken, fallen’, frühnhd. (mit Umlaut) stürzen, mnd. störten, mnl. storten, sturten, nl. storten, aengl. styrtan (in nordhumbr. sturtende, Part. Präs.) ‘aufspringen, plötzlich loslaufen, fortstürzen’ stellt sich mit den unter ↗Sterz (s. d.) angeführten ablautenden Formen sowie mit aengl. steartlian ‘stolpern’, engl. to startle ‘auf-, erschrecken’, anord. stirtla ‘mit Mühe aufrichten’ zu einer Dentalerweiterung der unter ↗starren (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(s)ter(ə)- ‘starr, steif sein, starrer, fester Gegenstand; steif gehen, stolpern, fallen, stolzieren’. Im Dt. wird die (bereits spätmhd. bezeugte) Bedeutung ‘eilen, ungestüm und schnell laufen’ im 18. Jh. geläufig. Sturz m. ‘Fall, das Fallen, das Umstülpen, das von oben Deckende’, ahd. (8. Jh.), mhd. sturz; vgl. Fenster-, Türsturz. Auch Sturz m., häufiger Sturze, Stürze f. ‘(Topf)deckel’ (14. Jh.). Sturzacker m. ‘grob (mit „umgestürzten“ Schollen) gepflügter Acker’ (16. Jh.). umstürzen Vb. ‘zu Boden werfen, umkippen, zu Fall bringen, zerstören’, mhd. umbestürzen. Umsturz m. ‘umgestürzte Bäume’ (als Kollektivum vereinzelt 16. Jh.), dann ‘das Umstürzen’ und übertragen ‘plötzliche Umwälzung, Änderung ins Gegenteil, revolutionäre Beseitigung einer bestehenden Regierungsform’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Revolution · ↗Sturz · ↗Umschwung · Umsturz · ↗Umwälzung  ●  ↗Subversion  fachspr.
Unterbegriffe
  • Preußenputsch · Preußenschlag
  • Wiener Oktoberaufstand 1848 · Wiener Oktoberrevolution
  • Bürgerbräu-Putsch · Hitler-Ludendorff-Putsch · Hitlerputsch
  • Meiji-Renovation · Meiji-Restauration · Meiji-Revolution
  • Februarputsch · Februarumsturz
  • Asternrevolution · Herbstrosenrevolution
  • Gapsin-Putsch · Gapsin-Revolution
  • Jungpersische Revolution · Konstitutionelle Revolution
  • Griechische Revolution · Griechischer Aufstand · Griechischer Unabhängigkeitskrieg
  • Mexikanische Revolution · Mexikanischer Bürgerkrieg
  • Große Sozialistische Oktoberrevolution · ↗Oktoberrevolution
Assoziationen
Synonymgruppe
Putsch · ↗Staatsstreich · Umsturz  ●  Coup d'Etat  geh., franz.
Unterbegriffe
  • Große Sozialistische Oktoberrevolution · ↗Oktoberrevolution
  • Kapp-Lüttwitz-Putsch · Kapp-Putsch · Lüttwitz-Kapp-Putsch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstachelung Anstiftung Aufruf Aufruhr Belgrader Gesellschaftsordnung Militärputsch Putsch Staatsordnung Staatsstreich Verfassungsordnung Verschwörung Weltbild anzetteln blutig bolschewistisch erstreben gewaltlos gewaltsam herbeiführen hinarbeiten kommunistisch konterrevolutionär propagieren revolutionär schleichend sinnen unblutig versucht zuvorkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Umsturz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und diesmal käme sie, wie jeder wahre Umsturz, von ganz unten.
Der Tagesspiegel, 02.11.2003
Auch ist seit dem Umsturz im Iran mancherorts die Abneigung gegen ein Engagement in jener Region gewachsen.
Die Zeit, 23.03.1979, Nr. 13
Immer wieder gab es neuen Wechsel, neuen Umsturz, und immer wieder wurde das Rad den Weg, den es vorgelaufen war, zurückgedreht.
Heuß, Alfred: Herrschaft und Freiheit im griechisch-römischen Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 29568
Trotz diesen unverkennbaren Symptomen eines immer näher rückenden Umsturzes gab der Zar nicht nach.
Gitermann, Valentin: Die Russische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14701
Es ist der Umsturz, überall, unter den Völkern, den Dichtern, Musikern.
Rubiner, Ludwig: Maler bauen Barrikaden. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 16745
Zitationshilfe
„Umsturz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Umsturz>, abgerufen am 12.11.2019.

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