Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Unding, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Unding(e)s · Nominativ Plural: Undinge
Aussprache 
Worttrennung Un-ding
Wortzerlegung un- Ding1
Mehrwortausdrücke  Unding sein
eWDG

Bedeutungen

1.
es ist ein Unding (= es ist unsinnig, völlig unpassend)
Beispiel:
es ist (doch) ein Unding, solche Forderungen zu stellen, so etw. zu verlangen, zu behaupten
2.
veraltend beängstigend wirkender (unförmiger) Gegenstand
Beispiel:
war ich darauf gefaßt, das Unding [der Revolver] werde in meiner Tasche losgehen [ H. Mann2,156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ding · Unding · dinglich · Dings · Dingsda · dingfest · Dingwort · dingen · abdingen
Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj. vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aberwitz · Absurdität · Hirnrissigkeit · Hirnverbranntheit · Irrwitz · Unding · Unsinnigkeit · Wahnwitz · Widersinnigkeit
Synonymgruppe
(ein) Unding · (völlig) inakzeptabel  ●  geht gar nicht  ugs. · kommt nicht in die Tüte  ugs.
Assoziationen
  • das musst du dir mal vorstellen! (empört)  ●  das musst du dir mal (erst) mal reinziehen!  ugs.
  • ich glaub' es geht los!  ugs. · ich glaube es hackt!  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Unding‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unding‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unding‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine Wissenschaft, die sich im Protest gegen die Sprache ihrer Untersuchungen ergeht, ist ein Unding. [Benjamin, Walter: Ursprung des deutschen Trauerspiels. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1928], S. 214]
Dass wir streckenweise vier Trainer gleichzeitig bezahlt haben, ist ein Unding. [Die Zeit, 28.06.2013 (online)]
Es ist doch ein Unding, dass sich Unternehmen davon freikaufen können, Behinderte einzustellen. [Die Zeit, 29.08.2011, Nr. 35]
Einer ohne Straßen dagegen scheint ihnen ein Unding zu sein. [Die Zeit, 24.02.2003 (online)]
Eine Auswahl aus einem literarischen Werk zu treffen, ist fast immer ein Unding. [Die Zeit, 31.08.1979, Nr. 36]
Zitationshilfe
„Unding“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unding>.

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