Ungeheuer, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ungeheuers · Nominativ Plural: Ungeheuer
Aussprache
WorttrennungUn-ge-heu-er
Wortbildung mit ›Ungeheuer‹ als Letztglied: ↗Meeresungeheuer · ↗Riesenungeheuer · ↗Satzungeheuer · ↗Seeungeheuer · ↗Tierungeheuer · ↗Waldungeheuer · ↗Wasserungeheuer · ↗Wortungeheuer
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
großes, hässliches, wildes, grauenerregendes Tier des Volksaberglaubens
Beispiele:
ein schreckliches, greuliches, fürchterliches Ungeheuer
die Ungeheuer der Sagen, Märchen
Ein Ungeheuer / Mit Augen wie Feuer [C. M. v. WeberFreischützIII 3]
übertragen
Beispiel:
abwertend Am 8. Mai 1945 stieß die Sowjetarmee das faschistische Ungeheuer für immer in den Abgrund [Tageszeitung1965]
roher, verbrecherischer Mensch, Scheusal, Unmensch
Beispiele:
er ist ein (wahres, richtiges) Ungeheuer
so ein Ungeheuer!
Hinterhältiger Lump, du, hast du zwei Frauen, du Ungeheuer? [BrechtDreigroschenoperII 3]
2.
umgangssprachlich, spöttisch großes, unförmiges, unschönes, oft altmodisches Gebilde, Monstrum
ein Ungeheuer von etw.
Beispiele:
ein Ungeheuer von (einem) Hut, Regenschirm
ein Ungeheuer von einem Satz (= ein zu langer Satz, Bandwurmsatz)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geheuer · ungeheuer · Ungeheuer · ungeheuerlich
geheuer Adj. heute nur noch verneint nicht geheuer ‘unheimlich’ gebräuchlich. Mhd. gehiure ‘nichts Unheimliches an sich habend, lieblich, angenehm, trefflich’ ist mit Präfix zu einem mhd. nicht belegten Adjektiv ahd. hiuri ‘einfältig, schlicht’ (um 800) gebildet, dem aengl. hēore ‘angenehm, freundlich, mild’, anord. hȳrr ‘mild, froh, freundlich’ entspricht. Es gehört etymologisch als Bildung mit r-Suffix zu germ. *hī̌w-, ie. *k̑(e)iu̯- und damit zu ↗Heirat (s. d.) und weiter zu ↗Heim (s. d.). geheuer bedeutet ursprünglich ‘zum Haushalt, Hauswesen gehörig’ und deshalb ‘vertraut, angenehm’. ungeheuer Adj. ‘unheimlich, grauenhaft’, adverbial mit Bedeutungsabblassung ‘sehr’, ahd. ungihiuri Adj. ‘unnatürlich, mißgestaltet’ (um 800), mhd. ungehiure. Ungeheuer n. ‘Unhold, Scheusal’, ahd. ungihiuri n. (um 800), mhd. ungehiure m. f. n.; Substantivierung des Adjektivs; erst seit dem 18. Jh. durchgehend mit neutralem Genus. ungeheuerlich Adj. ‘schrecklich, fremd, unvorstellbar’, mhd. ungehiurlīche Adv.; vgl. ahd. (substantiviert) unhiurlīh ‘Ungeheuer’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestie · ↗Biest · ↗Chimäre · ↗Kreatur · ↗Monster · ↗Monstrum · ↗Scheusal · ↗Schimäre · Ungeheuer · ↗Ungetüm · ↗Untier
Unterbegriffe
  • Cetus · Keto · Ketos
Synonymgruppe
Bestie · Bestie in Menschengestalt · ↗Bluthund · ↗Scheusal · Ungeheuer · ↗Unmensch  ●  ↗Satan  fig. · ↗Teufel  fig. · ↗Monster  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Drache Dämon Fratz Hexe Monster Rachen blutrünstig brüllend dreiköpfig dämonisch feuerspeiend fratzenhaft fressend gebären gefräßig haarig halslos liederfressend menschenfressend monströs mythisch sagenhaft schlafend schleimig schnaubend speiend verschlingend vielköpfig vorsintflutlich zähnefletschend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ungeheuer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt ist es wie das Ungeheuer von Loch Ness wieder aufgetaucht.
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2001
Die Gespenster, die sie zu vertreiben hofft, kehren als Ungeheuer zurück.
Der Tagesspiegel, 28.06.1999
Das Ungeheuer kam nicht näher, aber er war auch nicht in der Lage, sich zu rühren.
Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 456
Einmal versuchten wir, darüber zu sprechen, und sie starrte mich an wie ein Ungeheuer.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 84
Zwei große steinerne Ungeheuer hüteten den Eingang mit einem jahrhundertalten Grinsen.
Heyking, Elisabeth von: Tschun. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 8471
Zitationshilfe
„Ungeheuer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungeheuer>, abgerufen am 19.07.2019.

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