Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ungeheuer, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ungeheuers · Nominativ Plural: Ungeheuer
Aussprache 
Worttrennung Un-ge-heu-er
Wortbildung  mit ›Ungeheuer‹ als Letztglied: Meeresungeheuer · Riesenungeheuer · Satzungeheuer · Seeungeheuer · Tierungeheuer · Waldungeheuer · Wasserungeheuer · Wortungeheuer
eWDG

Bedeutungen

1.
großes, hässliches, wildes, grauenerregendes Tier des Volksaberglaubens
Beispiele:
ein schreckliches, greuliches, fürchterliches Ungeheuer
die Ungeheuer der Sagen, Märchen
Ein Ungeheuer / Mit Augen wie Feuer [ C. M. v. WeberFreischützIII 3]
übertragen
Beispiel:
abwertendAm 8. Mai 1945 stieß die Sowjetarmee das faschistische Ungeheuer für immer in den Abgrund [ Tageszeitung1965]
roher, verbrecherischer Mensch, Scheusal, Unmensch
Beispiele:
er ist ein (wahres, richtiges) Ungeheuer
so ein Ungeheuer!
Hinterhältiger Lump, du, hast du zwei Frauen, du Ungeheuer? [ BrechtDreigroschenoperII 3]
2.
umgangssprachlich, spöttisch großes, unförmiges, unschönes, oft altmodisches Gebilde, Monstrum
ein Ungeheuer von etw.
Beispiele:
ein Ungeheuer von (einem) Hut, Regenschirm
ein Ungeheuer von einem Satz (= ein zu langer Satz, Bandwurmsatz)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geheuer · ungeheuer · Ungeheuer · ungeheuerlich
geheuer Adj. heute nur noch verneint nicht geheuer ‘unheimlich’ gebräuchlich. Mhd. gehiure ‘nichts Unheimliches an sich habend, lieblich, angenehm, trefflich’ ist mit Präfix zu einem mhd. nicht belegten Adjektiv ahd. hiuri ‘einfältig, schlicht’ (um 800) gebildet, dem aengl. hēore ‘angenehm, freundlich, mild’, anord. hȳrr ‘mild, froh, freundlich’ entspricht. Es gehört etymologisch als Bildung mit r-Suffix zu germ. *hī̌w-, ie. *k̑(e)iu̯- und damit zu Heirat (s. d.) und weiter zu Heim (s. d.). geheuer bedeutet ursprünglich ‘zum Haushalt, Hauswesen gehörig’ und deshalb ‘vertraut, angenehm’. – ungeheuer Adj. ‘unheimlich, grauenhaft’, adverbial mit Bedeutungsabblassung ‘sehr’, ahd. ungihiuri Adj. ‘unnatürlich, mißgestaltet’ (um 800), mhd. ungehiure. Ungeheuer n. ‘Unhold, Scheusal’, ahd. ungihiuri n. (um 800), mhd. ungehiure m. f. n.; Substantivierung des Adjektivs; erst seit dem 18. Jh. durchgehend mit neutralem Genus. ungeheuerlich Adj. ‘schrecklich, fremd, unvorstellbar’, mhd. ungehiurlīche Adv.; vgl. ahd. (substantiviert) unhiurlīh ‘Ungeheuer’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestie · Biest · Chimäre · Kreatur · Monster · Monstrum · Scheusal · Schimäre · Ungeheuer · Ungetüm · Untier
Synonymgruppe
Bestie · Bestie in Menschengestalt · Bluthund · Scheusal · Ungeheuer · Unmensch  ●  Satan  fig. · Teufel  fig. · Monster  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Ungeheuer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ungeheuer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ungeheuer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Ungeheuer kam nicht näher, aber er war auch nicht in der Lage, sich zu rühren. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 456]
Einmal versuchten wir, darüber zu sprechen, und sie starrte mich an wie ein Ungeheuer. [Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 84]
Bilden Sie sich denn wirklich ein, daß Sie im Stande sind, an dem Ungeheuer Leben nur zu rütteln? [Berliner Tageblatt (Montags-Ausgabe), 10.02.1902]
Auch die Medien entdeckten die auflagensteigernde Wirkung des fernen Ungeheuers. [Die Zeit, 01.10.1998, Nr. 41]
Zwei große steinerne Ungeheuer hüteten den Eingang mit einem jahrhundertalten Grinsen. [Heyking, Elisabeth von: Tschun. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 8471]
Zitationshilfe
„Ungeheuer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungeheuer>.

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