Ungemach, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular 1: Ungemachs · Genitiv Singular 2 (selten): Ungemaches · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ˈʊngəˌmaːχ]
Worttrennung Un-ge-mach
eWDG und ZDL

Bedeutung

gehoben, gelegentlich ironisch unangenehme, missliche Lage, Ärger; Unglück, Unheil
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: drohendes, schlimmes Ungemach; körperliches, juristisches, finanzielles Ungemach; doppeltes, neues Ungemach
als Akkusativobjekt: Ungemach erleiden, erdulden; jmdm. Ungemach bereiten
als Aktiv-/Passivsubjekt: jmdm. droht Ungemach
Beispiele:
Während der Ausbruch [von Corona-Infektionen] offenbar selbst in der besonders schwer betroffenen Stadt Wuhan unter Kontrolle gebracht wurde, droht [China] durch »importierte Fälle« neues Ungemach. Grund: Rückkehrende Landsleute. [China meldet erstmals keine inländischen Corona-Neuinfektionen, 25.05.2020, aufgerufen am 23.06.2020]
Viel Ungemach ließe sich vermeiden, wären die Transparenzregeln für Parteispenden in Deutschland schärfer gefasst. [Schärfere Parteispenden-Regeln schützen vor solch Ungemach, 04.07.2019, aufgerufen am 06.05.2020]
Juristisches Ungemach für einen der erfolgreichsten Musiker aller Zeiten: Ein Kosmetikhersteller wirft dem Sänger Prince vor, sich vor PR‑Terminen gedrückt zu haben. Nun verlangt die Firma Schadenersatz. [Der Spiegel, 18.11.2008 (online)]
Nicht in der Schlange am Check‑in anstehen und dann eingeklemmt mit hundert anderen Passagieren Verspätungen und anderes Ungemach erdulden zu müssen – das ist heute eine neue soziale Trennlinie. [Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2005]
Zum einen – ich hatte darauf hingewiesen – ist die Globalisierung nichts wirklich Neues. […] Und weil Globalisierung […] nichts wirklich Neues ist, kann sie natürlich auch nicht für Probleme verantwortlich sein, deren Ursprung jüngeren Datums ist. Zum anderen ist es auch deswegen falsch, alles Ungemach der Globalisierung in die Schuhe zu schieben, weil die Arbeitsteilung eine der wichtigsten Quellen unseres Wohlstandes ist. [Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie, 07.12.2000, aufgerufen am 22.05.2020]
Am Anfang steht der Fragebogen, danach folgt die dreißigminütige ärztliche Untersuchung, die solch Ungemach wie den Einbein‑Stand, den Sehtest, eine Blutprobe oder Fragen zur körperlichen Anamnese beinhaltet. [die tageszeitung, 02.05.1998]
Schon auf der Überfahrt hatten sie allerlei Ungemach[.] [ FrenssenBaas308]WDG
weil groß Ungemach (= Unglück) uns heimgesucht hatte [ Th. MannKrull7,370]WDG
»Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust« – Die Klage des Faust, der angesichts allen Ungemaches sterben und dennoch leben will, diesen Spagat aber nicht schafft, beschreibt nicht schlecht die Welt‑ und Selbstsicht des Schweizers und der Schweizerin: Man will und muss mit der Abhängigkeit vom Ausland leben, dennoch neigt man zum Gegenteil, dem Alleingang. [Neue Zürcher Zeitung, 27.06.2004] ungewöhnl.

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gemach · gemächlich · Gemächlichkeit · Gemach · Ungemach
gemach Adv. ‘gemächlich, langsam, allmählich’, ahd. gimah ‘passend, geeignet, bequem’ (8. Jh.), mhd. gemach ‘bequem, ruhig, langsam’, asächs. -gimak ‘geziemend, passend’, mnd. gemak, aengl. gemæc, anord. makr ist im Sinne von ‘was sich gut fügt, was zusammenpaßt’ eine Adjektivbildung zu dem unter ↗machen (s. d.) in seiner frühen Bedeutung ‘zusammenfügen, -bringen’ angeführten Verb und wird vornehmlich (vgl. ahd. gimahho, 9. Jh., mhd. gemach) als Adverb verwendet. gemächlich Adj. ‘langsam, ruhig, bequem, behaglich’, ahd. gimahlīh ‘bequem’ (11. Jh.), gimahlīhho Adv. (um 800), mhd. gemechlich ‘bequem’, gemechlīch, -līche, -līchen Adv.; in frühnhd. Zeit auch gleichbed. mit ↗allmählich (s. d.). Gemächlichkeit f. (16. Jh.). Gemach n. ‘Wohnraum, Zimmer’, ahd. gimah ‘Vorteil, Bequemlichkeit, Annehmlichkeit’ (9. Jh.), mhd. gemach, übertragen ‘Ort, wo man Ruhe und Bequemlichkeit findet, Zimmer, Wohnung’, Substantivierung des Adjektivs (s. oben). Die alte Bedeutung ‘was sich gut fügt’ ist noch in der Verneinung Ungemach n. ‘Unruhe, Unbehagen, Verdruß, Kummer, Leid’, mhd. ungemach, bewahrt; vgl. ahd. ungimah Adj. ‘unpassend’ (8. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Umstand · ↗Unannehmlichkeit · Ungemach · ↗Widrigkeit  ●  ↗Malesche  ugs., norddeutsch · ↗Schererei  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Misere · ↗Pech · ↗Unbill · ↗Unglück · dummer Zufall  ●  ↗Künstlerpech  ironisch · (den) schwarzen Peter haben  ugs. · ↗(die) Arschkarte (gezogen) haben  ugs., variabel · Ungemach  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Beschwernis(se) · ↗Unannehmlichkeit(en) · ↗Unbilden (nur Plural) · Unerfreulichkeit(en) · ↗Ungelegenheit(en) · ↗Widrigkeit(en) · unangenehme Begleiterscheinung(en) · unangenehme Folge(n) · Ärgerlichkeit(en) · ↗Ärgernis(se)  ●  ↗Unbill (nur Singular)  geh. · ↗Unerquicklichkeit(en)  geh. · Ungemach (nur Singular)  geh., veraltend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Ungemach‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ungemach‹.

Zitationshilfe
„Ungemach“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungemach>, abgerufen am 08.03.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ungelüftet
ungelöst
ungelöscht
ungelogen
ungeliebt
ungemacht
ungemahlen
ungemäß
ungemein
ungemessen