Ungestüm, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ungestüms · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Un-ge-stüm
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben überaus temperamentvolles, stürmisches Wesen, Verhalten
Beispiele:
sein heftiges, wildes, jugendliches, freudiges Ungestüm
das Ungestüm der Jugend
jmdn. mit Ungestüm umarmen
mit Ungestüm davonstürmen
2.
von Naturgewalten   Wildheit, Unbändigkeit
Beispiel:
das Ungestüm des Sturmes, Unwetters, der Wellen
3.
umgangssprachlich ungestümer Mensch
Beispiel:
»Sie sind wirklich ein Ungestüm!« sagte sie zu Einhart [ C. Hauptm.Einhart2,51]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ungestüm · Ungestüm
ungestüm Adj. ‘heftig, unbändig’, ahd. ungistuomi ‘sich nicht beherrschend, übermütig, lustig, ausgelassen’ (um 900), mhd. ungestüeme ‘heftig, stürmisch, schlecht, übertrieben, dreist’, mnd. ungestūme ist mit verneinendem ↗un- (s. d.) zu einem in mhd. gestüeme ‘sanft, still, ruhig’ belegten Adjektiv gebildet, das wohl im Ablaut zu den unter ↗stemmen (s. d.) angeführten Verbformen ahd. gistemen ‘bezähmen’ (8. Jh.), gistemōn ‘(sich) beruhigen’ (11. Jh.), mhd. gestemen ‘Einhalt tun, einhalten’ steht und auf die dort angeführte Wurzel ie. *stem- ‘stoßen, anstoßen, stottern, stammeln, hemmen’ zurückzuführen ist. Oder mit m-Suffix (wie ↗Stamm s. d.) zur Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. ↗stehen)? Ungestüm n. ‘Heftigkeit, Unbändigkeit’, ahd. ungistuomi n. (11. Jh.), mhd. ungestüeme n. ‘das Vorwärtsdrängen, Anprall, Drang, Sturm’; daneben ahd. ungistuomī f. ‘Ausgelassenheit, Frechheit’ (11. Jh.), mhd. ungestüeme f.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewalt · ↗Heftigkeit · ↗Kraft · ↗Schwung · Ungestüm · ↗Vehemenz · ↗Wucht  ●  ↗Karacho  ugs. · Musik dahinter  ugs. · ↗Schmackes  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Ungestüm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber er war auch älter und mehr entwickelt als ich, konnte gut laufen und übertraf an Ungestüm die meisten.
Carossa, Hans: Eine Kindheit, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1992 [1922], S. 32
Mein Gott, fiel es mir mit Ungestüm ein, so bist du also.
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 829
Ob die blasierten Herren über so viel Ungestüm die Köpfe schüttelten oder ratlos lächelten - sie weiß es nicht mehr.
Die Welt, 07.04.2004
Als Volkstanz wurde er mit schnelleren Bewegungen und mit größerem Ungestüm ausgeführt.
Moe, Lawrence: Saltarello. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 13
Das rostige Ungestüm schob sich jetzt, ohne seine Geschwindigkeit zu vermindern, durch das Schlammeer.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 292
Zitationshilfe
„Ungestüm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungest%C3%BCm>, abgerufen am 05.05.2021.

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