Ungestüm, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ungestüms · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungUn-ge-stüm (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben überaus temperamentvolles, stürmisches Wesen, Verhalten
Beispiele:
sein heftiges, wildes, jugendliches, freudiges Ungestüm
das Ungestüm der Jugend
jmdn. mit Ungestüm umarmen
mit Ungestüm davonstürmen
2.
von Naturgewalten   Wildheit, Unbändigkeit
Beispiel:
das Ungestüm des Sturmes, Unwetters, der Wellen
3.
umgangssprachlich ungestümer Mensch
Beispiel:
»Sie sind wirklich ein Ungestüm!« sagte sie zu Einhart [C. Hauptm.Einhart2,51]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ungestüm · Ungestüm
ungestüm Adj. ‘heftig, unbändig’, ahd. ungistuomi ‘sich nicht beherrschend, übermütig, lustig, ausgelassen’ (um 900), mhd. ungestüeme ‘heftig, stürmisch, schlecht, übertrieben, dreist’, mnd. ungestūme ist mit verneinendem ↗un- (s. d.) zu einem in mhd. gestüeme ‘sanft, still, ruhig’ belegten Adjektiv gebildet, das wohl im Ablaut zu den unter ↗stemmen (s. d.) angeführten Verbformen ahd. gistemen ‘bezähmen’ (8. Jh.), gistemōn ‘(sich) beruhigen’ (11. Jh.), mhd. gestemen ‘Einhalt tun, einhalten’ steht und auf die dort angeführte Wurzel ie. *stem- ‘stoßen, anstoßen, stottern, stammeln, hemmen’ zurückzuführen ist. Oder mit m-Suffix (wie ↗Stamm s. d.) zur Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. ↗stehen)? Ungestüm n. ‘Heftigkeit, Unbändigkeit’, ahd. ungistuomi n. (11. Jh.), mhd. ungestüeme n. ‘das Vorwärtsdrängen, Anprall, Drang, Sturm’; daneben ahd. ungistuomī f. ‘Ausgelassenheit, Frechheit’ (11. Jh.), mhd. ungestüeme f.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewalt · ↗Heftigkeit · ↗Kraft · ↗Schwung · Ungestüm · ↗Vehemenz · ↗Wucht  ●  ↗Karacho  ugs. · Musik dahinter  ugs. · ↗Schmackes  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ungestüm kann er sein, doch hat er gelernt, sich zu bremsen.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.1999
Aber er war auch älter und mehr entwickelt als ich, konnte gut laufen und übertraf an Ungestüm die meisten.
Carossa, Hans: Eine Kindheit, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1992 [1922], S. 32
Mein Gott, fiel es mir mit Ungestüm ein, so bist du also.
Rilke, Rainer Maria: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Prosa 1906 bis 1926, Frankfurt a. M.: Insel-Verl. 1966 [1910], S. 829
Ob die blasierten Herren über so viel Ungestüm die Köpfe schüttelten oder ratlos lächelten - sie weiß es nicht mehr.
Die Welt, 07.04.2004
Als Volkstanz wurde er mit schnelleren Bewegungen und mit größerem Ungestüm ausgeführt.
Moe, Lawrence: Saltarello. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 13
Zitationshilfe
„Ungestüm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungestüm>, abgerufen am 19.04.2019.

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