Ungetüm, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ungetüm(e)s · Nominativ Plural: Ungetüme
Aussprache
WorttrennungUn-ge-tüm (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Ungetüm‹ als Letztglied: ↗Meerungetüm · ↗Seeungetüm
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
riesenhaftes, hässliches, wildes Tier des Volksaberglaubens, Ungeheuer
Beispiele:
ein sagenhaftes, schreckliches Ungetüm
er träumte von einem fürchterlichen Ungetüm
die Ungetüme der Sagen und Märchen
Das Ungetüm stierte mich an, indem es entsetzliche heulende Töne ausstieß [E. T. A. Hoffm.Elixiere2,138]
umgangssprachlich, abwertend, übertragen etw. Riesiges, Unförmiges, was jmdm. Furcht einflößt, besonders ein Tier
Beispiele:
ein Ungetüm von Elefant
Das lebendige, treibende Meer ... ein grausig sich nahendes Ungetüm [C. Hauptm.Einhart2,87]
Sie hat Angst vor diesem fremden Ungetüm Paris [JohoPeyrouton43]
2.
umgangssprachlich, spöttisch unnatürlich großes, unförmiges, oft altmodisches Gebilde, Monstrum
Beispiele:
dieser Hut ist ein wahres Ungetüm
Sie saß auf einem der abgeschabten, ledernen Ungetüme, in demselben Sessel [S. LenzBrot159]
ein Ungetüm von ...
Beispiele:
ein Ungetüm von Schrank
Diese Staatskutsche war ... ein Ungetüm von einem Wagen [ZuchardtSpießrutenlauf239]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ungetüm n. ‘übermäßig großes Wesen oder Gebilde, Ungeheuer, Monstrum’ (md. 1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit 2. Hälfte 18. Jh.). Kuhn Das Füllwort of/um im Altwestnord. (1929) 28 vergleicht das im Dt. allerdings erst spät bezeugte Wort mit anord. ōdœmi n. (Plur.) ‘was ohne Beispiel ist, etw. Unerhörtes, ungeheuerliche Tat oder Begebenheit’ und erschließt germ. *ungadōmja ‘was nicht seine rechte Stelle hat’, eine Zusammensetzung des unter ↗-tum (s. d.) dargestellten Substantivs mit den unter ↗un- und ↗ge- (s. d.) behandelten Präfixen; vgl. auch aengl. undōm ‘Unrecht, Ungerechtigkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestie · ↗Biest · ↗Chimäre · ↗Kreatur · ↗Monster · ↗Monstrum · ↗Scheusal · ↗Schimäre · ↗Ungeheuer · Ungetüm · ↗Untier
Unterbegriffe
  • Cetus · Keto · Ketos

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beton Stahl blechern bürokratisch eisern erlegen fauchend fliegend fressend gepanzert hölzern klobig lärmend metallen riesenhaft rollend rostig schnaubend schnaufend speiend sperrig sprachlich stampfend steinern stählern tonnenschwer turmartig verbal vorsintflutlich zottelig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ungetüm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was hätte aus einem Buch, in dem solche Fragen gewälzt werden, für ein Ungetüm werden können.
Die Welt, 11.03.2006
Für das gesamte gespeicherte Wissen des Jahres 1997 wären fast eine halbe Billion dieser Ungetüme nötig gewesen.
o. A.: Die ganze Sinfonie auf einem Pfennig. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]
Elke rannte händeringend auf das Ungetüm los; Willi hielt sie zurück.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 75
Charli macht Anstalten, auch sein zweites Bein über das Ungetüm zu legen.
Ossowski, Leonie: Die große Flatter, Weinheim: Beltz & Gelberg 1986 [1977], S. 8
Ich sah den ersten Brecher in dem schwachen Sternenlicht herankommen wie ein unmeßbar riesenhaftes schwarzes Ungetüm.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 240
Zitationshilfe
„Ungetüm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungetüm>, abgerufen am 12.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Ungetrübtheit
ungetrübt
ungetröstet
ungetroffen
ungetreu
ungeübt
Ungeübtheit
ungewandt
Ungewandtheit
ungewaschen