Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Unglück, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Unglück(e)s · Nominativ Plural: Unglücke
Aussprache 
Worttrennung Un-glück
Wortzerlegung un- Glück
Mehrwortausdrücke  Glück im Unglück
eWDG

Bedeutungen

1.
durch äußere Faktoren, Naturgewalten oder menschliches Versagen hervorgerufenes, verhängnisvolles Ereignis, das einen oder viele Menschen trifft
a)
Beispiele:
ein schweres, großes, schreckliches Unglück ist gestern im Bergwerk passiert
es hat ein furchtbares Unglück gegeben
jmdm. ist ein Unglück zugestoßen, widerfahren
bei dem Unglück hat es einen Toten, viele Verletzte gegeben
das Unglück hat mehrere Todesopfer gefordert
ein Unglück verhindern, verhüten, verursachen, verschulden
b)
Unheil (großen Ausmaßes), Verderben
Beispiele:
der Krieg hat das Land in ein schweres Unglück gestürzt
jmdn., sich ins Unglück stürzen, bringen
ins, in sein Unglück rennen (= sich in eine schlimme Lage bringen)
c)
materielle Not, Elend
Beispiele:
ins Unglück kommen, geraten
Im Unglück wird man rasch miteinander bekannt [ DurieuxTür276]
mein Unglück so wie du zu tragen, das habe ich noch nicht gelernt [ Fritz-EulauZauberflöte126]
2.
(persönliches) Missgeschick, Pech
Beispiele:
beruflich Unglück haben
Unglück im Spiel, in der Liebe haben
er hatte das Unglück, seine Freunde zu verlieren
von, vom Unglück verfolgt sein
das kann Unglück bringen
es ist ein Unglück, dass …
das ist kein Unglück (= ist nicht so schlimm)
das Unglück wollte es, dass ich noch krank wurde (= unglücklicherweise wurde ich noch krank)
zu allem Unglück, zum Unglück (= unglücklicherweise) hatte ich meine Fahrkarte verloren
Glück im Unglück haben (= bei allem Unangenehmen noch etwas Glück haben)
umgangssprachlich, scherzhafter sitzt da, sieht aus wie ein Häufchen Unglück (= sehr unglücklich, ganz erbarmungswürdig)
sprichwörtlichein Unglück kommt selten allein (= es kommen oft mehrere unangenehme Ereignisse gleichzeitig)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glück · glücken · beglücken · glücklich · Unglück · unglücklich · verunglücken · glückselig · Glückseligkeit · Glückskind · Glückspilz · Glücksrad · Glücksritter
Glück n. ‘zufälliges, überraschendes Zusammentreffen günstiger Umstände, Schicksal, Gemütszustand innerer Befriedigung’, mhd. g(e)lücke, mnd. (ge)lükke, mnl. (ghe)lucke, (ge)luc, nl. geluk; entlehnt aus dem Mnd. sind afries. lukk, mengl. luk(e), engl. luck, anord. lukka, lykka, schwed. lycka. Mhd. g(e)lücke ist erstmals in der frühhöfischen Dichtung (1160) bezeugt und verbreitet sich mit der höfisch-ritterlichen Kultur vom Rhein aus über das dt. Sprachgebiet. Es bedeutet anfangs ‘Schicksal, Geschick, Ausgang eines Geschehens oder einer Angelegenheit (sowohl zum Guten als auch zum Bösen)’ und tritt als Schicksalsbegriff in Konkurrenz mit mhd. sælde und heil (s. selig und Heil), den älteren Ausdrücken für ‘Segen, Heil, Glück’. Aus dem engeren Gebrauch im Sinne von ‘günstiger Verlauf oder Ausgang eines Geschehens, günstiges Geschick’ entwickelt sich Glück zur Bezeichnung des wünschenswerten ‘Zustandes starker innerer Befriedigung und Freude’. Im 14. Jh. nimmt Glück auch die Bedeutung von ‘Beruf, Lebensunterhalt’ an. Die Herkunft des erst relativ spät auftretenden Wortes ist nicht geklärt. Verschiedene, jedoch sämtlich nicht befriedigende Herleitungsversuche sind zusammengestellt in ¹DWB 4, 1, 5, 226 f. glücken Vb. ‘gelingen, nach Wunsch ablaufen’, mhd. g(e)lücken, zum Substantiv gebildet; im Mhd. nur selten, erst in nhd. Zeit sich ausbreitend. beglücken Vb. ‘glücklich machen, erfreuen’ (Anfang 17. Jh.). glücklich Adj. ‘vom Glück begünstigt, erfolgreich, zufrieden, vorteilhaft, günstig’, mhd. gelückelich ‘vom Zufall, vom Schicksal abhängig, günstig’. Unglück n. ‘verhängnisvolles Ereignis, schweres Mißgeschick, Schicksalsschlag, Pech’, mhd. ung(e)lücke. unglücklich Adj. ‘traurig, niedergeschlagen, bedrückt, verhängnisvoll’ (15. Jh.). verunglücken Vb. ‘einen Unfall erleiden, mißlingen, mißraten’ (17. Jh.). glückselig Adj. ‘sehr glücklich, überglücklich’, mhd. gelücksælec. Glückseligkeit f. spätmhd. gelücksælecheit. Glückskind n. ‘vom Glück Begünstigter, wem alles gelingt’ (16. Jh.), vielleicht nach lat. fortunae filius. Glückspilz m. zunächst im Sinne von ‘Emporkömmling, Parvenü’ (2. Hälfte 18. Jh.), eigentlich ‘wer wie ein Pilz plötzlich aus dem Nichts aufschießt’ (vielleicht unter Einfluß von engl. mushroom, das sowohl ‘Pilz’ wie auch ‘Emporkömmling’ bedeutet); von der 2. Hälfte des 19. Jhs. an gleichbed. mit Glückskind. Glücksrad n. Sinnbild für die Veränderlichkeit des Glücks, auch ‘das sich drehende Rad bei Verlosungen und bestimmten Glücksspielen’, mhd. des gelückes rat, auch gelückrat, später glükrad (14. Jh.), seit dem 17. Jh. Glücksrad, seltener Glückrad. Glücksritter m. ‘wer sich in seinem Handeln sorglos auf sein Glück verläßt’, auch abschätzig ‘Abenteurer’ (2. Hälfte 18. Jh.), zunächst auf mittelalterliche Verhältnisse bezogen ‘Ritter, der auf Glück auszieht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Misere · Pech · Unbill · Unglück · dummer Zufall  ●  Künstlerpech  ironisch · (den) schwarzen Peter haben  ugs. · (die) Arschkarte (gezogen) haben  ugs., variabel · Ungemach  geh., veraltet
Synonymgruppe
Unfall · Unglück
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Desaster · Unglück · Unglücksfall · Unheil
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Apokalypse · Armageddon · Ende · Endzeit · Super-GAU · Unglück · Untergang · Verderben · Zusammenbruch  ●  Abaddon (bibl.)  geh. · Waterloo  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Unglück · Unglücksfall · Zusammentreffen (mehrerer) ungünstiger Umstände · fatales Zusammentreffen · unglücklich · unglückliche Umstände · unglücklicher Zufall · unglückliches Zusammentreffen · ungünstige Umstände · unseliges Aufeinandertreffen · verhängnisvoller Zufall  ●  dummer Zufall  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Fluch · Geißel · Unglück · Unheil · Unsegen · Unstern  ●  Verhängnis  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unglück‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unglück‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unglück‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich fühlte das unnennbare Unglück der Völker aus tiefstem Herzen. [Bürgel, Bruno H.: Vom Arbeiter zum Astronomen, Berlin: Ullstein 1925 [1919], S. 119]
Von dem Unglück, mit dem meine Mutter kämpfte, wußte ich damals noch nichts. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 964]
Dem Unglück, das sie über ihn heraufbeschwört, entgeht er nicht. [Benjamin, Walter: Goethes Wahlverwandtschaften. In: Tiedemann, Rolf u. Schweppenhäuser, Hermann (Hgg.) Gesammelte Schriften, Bd. 1,2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1980 [1925], S. 131]
Die "empirische" Psychologie hat das Unglück, nicht einmal ein Objekt im Sinne irgend einer wissenschaftlichen Technik zu besitzen. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 372]
Genau vor seinem Laden sollte mich spontan das Unglück ereilen. [Die Zeit, 30.09.1999, Nr. 40]
Zitationshilfe
„Unglück“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ungl%C3%BCck>.

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