Unhold, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Unhold(e)s · Nominativ Plural: Unholde
Aussprache
WorttrennungUn-hold (computergeneriert)
formal verwandt mithold
Wortbildung mit ›Unhold‹ als Erstglied: ↗Unholdin
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
furchterregender Geist des Volksaberglaubens
Beispiele:
die Unholde der Sagen und Märchen
ein Unhold in Drachengestalt
der fürchterliche Unhold, der droben in den Bergen hauste [CramerKonzessionen200]
2.
Schimpfwort roher, gewalttätiger Mensch
Beispiele:
du Unhold!
»Alter Unhold!« zischte Vally zwischen den Zähnen hervor [E. WeißVerschwender227]
abwertend verbrecherischer Mensch, besonders Sittlichkeitsverbrecher
Beispiele:
der flüchtige Unhold konnte von der Polizei gefasst werden
Wir sind hier, Unholde ins Kittchen zu stecken, und das ist ein Unhold [BrechtPauken10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hold · abhold · holdselig · Holdseligkeit · Unhold · unhold
hold Adj. ‘geneigt, günstig gesinnt, zugetan’, auch (seit dem 18. Jh.) ‘anmutig, lieblich, bezaubernd’. Das Adjektiv ahd. hold (8. Jh.), mhd. mnd. holt ‘geneigt, zugetan, gnädig, treu, ergeben, dienstbar’, asächs. afries. aengl. hold, mnl. hout, anord. hollr, schwed. dän. huld, got. hulþs (germ. *hulþa-) bezieht sich im Mittelalter besonders auf das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann und bedeutet daher einerseits ‘gnädig, geneigt’, andererseits ‘treu ergeben’. Dazu gehören das Abstraktum ↗Huld (s. d.) und die Substantivierungen ahd. holdo m. (9. Jh.), mhd. holde m. ‘Freund, Geliebter, Diener, Dienstmann’, holde f. ‘Freundin, Dienerin’, die auch übernatürliche Wesen (Geister, Dämonen, mythische Gestalten) bezeichnen können, vgl. mhd. die guoten holden ‘Hausgeister’, des tievels holde ‘Höllengeister’, ferner Unhold (s. unten) und Frau Holle. Das Adjektiv führt im Sinne von ‘geneigt’ mit der unter ↗Halde (s. d.) dargestellten Wortgruppe auf die Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’. abhold Adj. ‘nicht gewogen, abgeneigt, feindlich gesinnt’, mhd. abholt. holdselig Adj. ‘reizend, lieblich, anmutig’ (15. Jh.), Zusammensetzung aus hold und ↗-selig (s. d.) und früher als das Simplex (s. oben) auf die Anmut der Erscheinung bezogen; dazu Holdseligkeit f. (16. Jh.). Unhold m. ‘böser, furchterregender Geist des Volksglaubens, Teufel, Ungeheuer, roher, gewalttätiger Mensch’, asächs. unholdo, mhd. unholde ‘der Ungeneigte, Böse, Feindselige, Dämon, Teufel’, aengl. unholda, got. unhulþa sowie die fem. Formen ahd. unholda (8. Jh.), mhd. unholde (wofür im 17. Jh. Unholdin neben Unhold f.), got. unhulþō sind Substantivierungen des heute selten gebrauchten Adjektivs unhold ‘böse, feindselig, unfreundlich, abgeneigt’, ahd. (9. Jh.), asächs. aengl. unhold, mhd. unholt ‘nicht geneigt, feindlich, feindselig’. Unhold bezeichnet ursprünglich ein ‘dämonisches Wesen’, im christlichen Sinne den ‘Teufel’, heute einen ‘bösartigen Menschen’, oft einen ‘Sittlichkeitsverbrecher’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bösewicht · ↗Frevler · ↗Gauner · ↗Halunke · ↗Lump · ↗Missetäter · ↗Schlitzohr · ↗Schuft · ↗Schurke · ↗Spitzbube · ↗Strolch · ↗Tunichtgut · Unhold · ↗Übelmann · ↗Übeltäter · übles Subjekt  ●  ↗Fötzel  schweiz. · ↗Haderlump  österr., bair. · (eine) miese Type  ugs. · ↗Canaille  derb, franz. · ↗Kanaille  derb · ↗Schubiack  ugs. · fieser Finger  ugs., abwertend, veraltet · krummer Hund  ugs., fig. · linke Bazille  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
Gnom · ↗Kobold · ↗Troll · Unhold
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Held Hexe begegnen finster lauern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unhold‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Natürlich darf man den Unhold nicht wieder einfach in Ruhe lassen.
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2003
Die Kinder träumen nachts von einem Unhold, der sie verfolgt, quält, verletzt.
Die Zeit, 13.09.1985, Nr. 38
Es war von einem schönen Mädchen, einer Müllerstochter, die von dem Unhold betört und in großes Elend versetzt worden war.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16883
Um mich zu vernichten, hatte der Unhold die Sachen selbst in mein Spind gelegt.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8816
Doch der Unhold lachte nur und blies dem ängstlichen Pflichtmenschen seinen Tabakrauch ins Gesicht.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 190
Zitationshilfe
„Unhold“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unhold>, abgerufen am 16.02.2019.

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