Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Unke, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unke · Nominativ Plural: Unken
Aussprache 
Worttrennung Un-ke (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Unke‹ als Erstglied: Unkenruf  ·  mit ›Unke‹ als Letztglied: Gelbbauchunke
eWDG

Bedeutungen

1.
braungrau oder grüngrau gefärbtes froschartiges Tier mit warziger Rückenhaut, gedrungenem Körper, breitem Kopf, großen Augen, breitem Maul, das in (kleinen) Gewässern lebt und dumpfe U-Laute ausstoßen kann
Beispiele:
eine rotbauchige, gelbbauchige Unke
Im See wurden die Unken wach und klagten [ SeegerHabicht250]
2.
salopp, abwertend Schwarzseherin
Beispiele:
sie ist eine alte Unke
Werden Sie … diesen Unken nicht recht geben müssen? [ BöllBillard115]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Unke · unken
Unke f. Kröte mit dunkler Färbung und gelben bis roten Flecken am Bauch, ‘Feuerkröte’. Ahd. unk m. (8. Jh.), unko m. (11. Jh.) ‘Schlange’, mhd. unc, unke m. ‘Schlange, Basilisk’, mnl. unc, unck ‘Eidechse, Chamäleon’ steht schwundstufig neben verwandtem lat. anguis ‘Schlange’, mir. escung ‘Aal’, lit. angìs ‘Schlange’, aruss. užь, russ. (уж) ‘Natter, kleinere Schlange’, poln. wąż ‘Schlange’, apreuß. angis ‘Schlange’ und den unter Engerling (s. d.) genannten, mit r-Suffix gebildeten Wörtern. Auszugehen ist von ie. *angu̯(h)- bzw. *angu̯(h)i- ‘Schlange’ (wozu auch Formen ohne Nasal, s. Eidechse). Entsprechend bezeichnet Unke ursprünglich nur Schlangen und schlangenartige Tiere; im 17. Jh. aber, als Schlangen in Deutschland seltener werden, geht der Ausdruck auf die in einem ähnlichen mythischen Zusammenhang stehenden Kröten über. Deren alter Name ahd. ūhha f. (9. Jh.), mhd. ūche f. ‘Kröte’, daneben (j-Stamm) mnd. ūtze f. ‘Kröte’, aengl. ȳce f. m. ‘Kröte, Frosch’ (wohl lautnachahmenden Ursprungs nach dem Ruf in der Laichzeit) wird (bis auf mundartliche Reste) im 17./18. Jh. aufgegeben und durch Unke (mit nunmehr fem. Genus) ersetzt (doch vgl. noch Unke für ‘Schlange’ bei Bürger). In übertragener Verwendung steht Unke für ‘Stubenhocker’ (Mitte 18. Jh.) und für ‘Schwarzseher, wer (ständig) Unheil voraussagt’ (um 1800). – unken Vb. ‘jammern, Unheil vorhersagen’ (19. Jh.), älter (nach Schlangenart) ‘zischen, pfeifen’ (Ende 17. Jh.), auch ‘sich verborgen halten’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Feuerkröte · Unke
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Unke‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unke‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unke‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die Unke hatte mich gelehrt, zu mir selbst zu kommen. [Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 165]
Wir telephonierten mehr als je zuvor, aber die Unken riefen falsch, als sie meinten, wir seien dafür schreibfaul geworden. [Die Zeit, 14.09.1962, Nr. 37]
Im Märchen waren die Unken, die aus der Tiefe kamen, Boten des großen Glücks. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 139]
Seine Unke Hand krallte sich neben der eisengrauen Handgranate in das dunkelfeuchte Moos. [Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1]
Keineswegs stimmt Melchinger in das Geunke vom nahen Ende des Dramas ein. [Die Zeit, 14.08.1959, Nr. 33]
Zitationshilfe
„Unke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unke>.

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