Unkraut, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Unkraut(e)s · Nominativ Plural: Unkräuter
Aussprache
WorttrennungUn-kraut
Wortbildung mit ›Unkraut‹ als Erstglied: ↗Unkrautbekämpfung · ↗Unkrautflora · ↗Unkrautpflanze · ↗Unkrautsamen · ↗Unkrautvernichtung · ↗unkrautfrei
 ·  mit ›Unkraut‹ als Grundform: ↗verunkrauten
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
nur im Singular
zusammenfassende Bezeichnung für alle wildwachsenden Pflanzen, die die Kulturpflanzen in ihrem Wachstum hindern und schädigen
Beispiele:
das Unkraut wuchert
das Beet ist von Unkraut überwuchert
Unkraut jäten, ziehen, rupfen
das Unkraut mit der Wurzel ausreißen
im Garten Unkraut hacken
Unkraut bekämpfen, vertilgen
die Bekämpfung des Unkrauts
bildlich
Beispiele:
das Unkraut mit der Wurzel ausreißen, ausrotten (= ein Übel gründlich beseitigen)
sprichwörtlich Unkraut vergeht, verdirbt nicht (= einem Menschen wie mir, Leuten wie uns passiert nichts)
2.
Pl. Unkräuter
einzelne Art von 1
Beispiele:
dieses Unkraut kenne ich nicht
alle Unkräuter bestimmen wollen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kraut · Unkraut · Sauerkraut · Kräuter · krauten
Kraut n. ‘kleinere, nicht verholzende Blattpflanze, Blattwerk’, (vgl. Rüben-, Kartoffelkraut), ‘Gemüse, Kohl’ (vgl. Blau-, Rot-, Weiß-, Sauerkraut), fachsprachlich ‘ein- oder zweijährige, nicht verholzende Pflanze’ ahd. (8. Jh.), mhd. krūt, asächs. krūd (‘Unkraut’), mnd. krūt, mnl. cruut, nl. kruid. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. bezeugten Wortes ist unklar. Man hat, obwohl sehr unsicher, germ. *krūda- ‘Kraut’ auf ein ie. *gu̯rūto- zurückgeführt, um es als Partizipialbildung mit griech. brýein (βρύειν) ‘sprossen, strotzen, keimen’ (s. ↗Embryo) verbinden zu können, und hat die germ. und griech. Formen in Beziehung gesetzt zu einer auf ie. *gu̯eru- ‘Stange, Spieß’ (älter vielleicht ‘Zweig’?) beruhenden Wortgruppe got. qaíru ‘Pfahl, Stachel’, lat. verū ‘Spieß’, air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’, dazu ablautend awest. grava- ‘(Rohr)stock’ (dazu s. ↗kirre). Angesichts der schwierigen Vergleichsmöglichkeiten hält de Vries Nl. 366 Herkunft aus einer vorie. Substratsprache für erwägenswert. Redensartlich ins Kraut schießen ‘sich unkontrolliert entwickeln, ausbreiten’ (eigentlich ‘nur Blätter, keine Frucht bringen’); dagegen ist kein Kraut (‘Heilmittel’) gewachsen ‘dagegen hilft nichts, das ist nicht zu ändern’ (16. Jh.); das Kraut fett machen ‘viel, Wichtiges dazutun’ (17. Jh.), der macht’s Kraut auch nicht fett ‘der tut nicht viel dazu, ändert nicht viel’ (19. Jh.); wie Kraut und Rüben ‘durcheinander’ (17. Jh.). Unkraut n. ‘für den Menschen nicht verwertbare Pflanze’, ahd. (9. Jh.), mhd. unkrūt. Sauerkraut n. ‘fein geschnittenes, mit Salz und Gewürz eingelegtes Weißkraut’ (16. Jh.). Kräuter Plur. ‘Gewürz- und Heilpflanzen’, in älterer Zeit auch singularisch mhd. krūt ‘Gewürz’ (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Kraut ‘Heilpflanze’ (15. Jh.). krauten Vb. ‘Unkraut jäten’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Unkraut · ↗Wildkraut · ↗Wildpflanze  ●  Beikraut  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Unkrautbekämpfungsmittel · Unkrautvernichter · Unkrautvernichtungsmittel  ●  chemische Keule  fig. · ↗Herbizid  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beet Brennessel Distel Gestrüpp Gras Kraut Moos Nutzpflanze Ritze Schädling Ungeziefer Vertilgung Weizen ausjäten ausreißen ausrupfen auszupfen harken jäten keimend kniehoch meterhoch rupfen sprießen vertilgen wuchern wuchernd zupfen überwachsen überwuchern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unkraut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch die Unkräuter fangen wieder munter mit ihrem Wachstum an.
Die Welt, 11.01.2005
Der lange alte Weg liegt schließlich, von allem Unkraut befreit, für alle da.
Süddeutsche Zeitung, 03.09.1999
Lieber warte man mit der Anlage noch ein Jahr und sorge derweil für die restlose Vernichtung des Unkrautes.
Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt (Oder) u. a.: Trowitsch & Sohn 1944 [1895], S. 236
Weil er sich stark bestockt, läßt er sich von keinem Unkraut verdrängen.
Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 209
Dann würde man das kalvinistische Unkraut etwa auch erleiden sollen!
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 6142
Zitationshilfe
„Unkraut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unkraut>, abgerufen am 24.10.2019.

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