Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Unkraut, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Unkraut(e)s · Nominativ Plural: Unkräuter
Aussprache 
Worttrennung Un-kraut
Wortbildung  mit ›Unkraut‹ als Erstglied: Unkrautbekämpfung · Unkrautbekämpfungsmittel · Unkrautflora · Unkrautpflanze · Unkrautsamen · Unkrautvernichtung · Unkrautvernichtungsmittel · unkrautfrei
 ·  mit ›Unkraut‹ als Grundform: verunkrauten
eWDG

Bedeutungen

1.
zusammenfassende Bezeichnung für alle wildwachsenden Pflanzen, die die Kulturpflanzen in ihrem Wachstum hindern und schädigen
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
das Unkraut wuchert
das Beet ist von Unkraut überwuchert
Unkraut jäten, ziehen, rupfen
das Unkraut mit der Wurzel ausreißen
im Garten Unkraut hacken
Unkraut bekämpfen, vertilgen
die Bekämpfung des Unkrauts
bildlich
Beispiele:
das Unkraut mit der Wurzel ausreißen, ausrotten (= ein Übel gründlich beseitigen)
sprichwörtlich Unkraut vergeht, verdirbt nicht (= einem Menschen wie mir, Leuten wie uns passiert nichts)
2.
einzelne Art von 1
Grammatik: Plural ‘Unkräuter’
Beispiele:
dieses Unkraut kenne ich nicht
alle Unkräuter bestimmen wollen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kraut · Unkraut · Sauerkraut · Kräuter · krauten
Kraut n. ‘kleinere, nicht verholzende Blattpflanze, Blattwerk’, (vgl. Rüben-, Kartoffelkraut), ‘Gemüse, Kohl’ (vgl. Blau-, Rot-, Weiß-, Sauerkraut), fachsprachlich ‘ein- oder zweijährige, nicht verholzende Pflanze’ ahd. (8. Jh.), mhd. krūt, asächs. krūd (‘Unkraut’), mnd. krūt, mnl. cruut, nl. kruid. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. bezeugten Wortes ist unklar. Man hat, obwohl sehr unsicher, germ. *krūda- ‘Kraut’ auf ein ie. *gu̯rūto- zurückgeführt, um es als Partizipialbildung mit griech. brýein (βρύειν) ‘sprossen, strotzen, keimen’ (s. Embryo) verbinden zu können, und hat die germ. und griech. Formen in Beziehung gesetzt zu einer auf ie. *gu̯eru- ‘Stange, Spieß’ (älter vielleicht ‘Zweig’?) beruhenden Wortgruppe got. qaíru ‘Pfahl, Stachel’, lat. verū ‘Spieß’, air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’, dazu ablautend awest. grava- ‘(Rohr)stock’ (dazu s. kirre). Angesichts der schwierigen Vergleichsmöglichkeiten hält de Vries Nl. 366 Herkunft aus einer vorie. Substratsprache für erwägenswert. Redensartlich ins Kraut schießen ‘sich unkontrolliert entwickeln, ausbreiten’ (eigentlich ‘nur Blätter, keine Frucht bringen’); dagegen ist kein Kraut (‘Heilmittel’) gewachsen ‘dagegen hilft nichts, das ist nicht zu ändern’ (16. Jh.); das Kraut fett machen ‘viel, Wichtiges dazutun’ (17. Jh.), der macht’s Kraut auch nicht fett ‘der tut nicht viel dazu, ändert nicht viel’ (19. Jh.); wie Kraut und Rüben ‘durcheinander’ (17. Jh.). – Unkraut n. ‘für den Menschen nicht verwertbare Pflanze’, ahd. (9. Jh.), mhd. unkrūt. Sauerkraut n. ‘fein geschnittenes, mit Salz und Gewürz eingelegtes Weißkraut’ (16. Jh.). Kräuter Plur. ‘Gewürz- und Heilpflanzen’, in älterer Zeit auch singularisch mhd. krūt ‘Gewürz’ (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Kraut ‘Heilpflanze’ (15. Jh.). krauten Vb. ‘Unkraut jäten’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Unkraut  ●  Wildkraut  verhüllend · Beikraut  fachspr., verhüllend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Distel · Distelkraut
  • Butterblume · Butterstecker · Hundeblume · Kuhblume · Maistock · Rahmstock  ●  Saublume schweiz. · Gewöhnlicher Löwenzahn fachspr., botanisch · Kettenkraut ugs. · Laternenblume ugs. · Löwenzahn ugs., Hauptform · Milchstock ugs. · Mönchsblume ugs. · Pusteblume ugs. · Schmalzbleaml ugs. · Taraxacum officinale fachspr., lat., griechisch, veraltet, botanisch · Taraxacum sect. Ruderalia fachspr., lat., griechisch, botanisch · Wiesenlattich ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unkraut‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unkraut‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unkraut‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lieber warte man mit der Anlage noch ein Jahr und sorge derweil für die restlose Vernichtung des Unkrautes. [Böttner, Johannes: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt (Oder) u. a.: Trowitsch & Sohn 1944 [1895], S. 236]
Weil er sich stark bestockt, läßt er sich von keinem Unkraut verdrängen. [Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 209]
Sie jäten aus dem Feld der Wissenschaft das dialektische Unkraut aus, das sonst hochschießen könnte. [Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 283]
In manchen Gärten gilt sie als lästiges Unkraut, doch damit könnte man sie höchstens tagsüber verwechseln. [Die Zeit, 13.08.2007, Nr. 34]
Jahrelang habe sie versucht, »die Sucht zu beseitigen, auszurotten wie Unkraut. [Die Zeit, 01.05.1992, Nr. 19]
Zitationshilfe
„Unkraut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unkraut>.

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