Unmündigkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unmündigkeit · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ˈʊnmʏndɪçkaɪ̯t]
Worttrennung Un-mün-dig-keit
Wortzerlegung unmündig -keit
Wortbildung  mit ›Unmündigkeit‹ als Letztglied: Strafunmündigkeit
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
Recht aufgrund des jungen Lebensalters noch nicht gegebene Mündigkeit (1)
Synonym zu Minderjährigkeit, in gegensätzlicher Bedeutung zu Mündigkeit (1), Volljährigkeit, Großjährigkeit
Beispiele:
[…] auch auf seine Angst und seine Schwächen hat das Kind einen Anspruch, auf sein Vorrecht, nicht handeln und haften zu müssen wie ein Erwachsener, den Spielraum der Unmündigkeit zu genießen. [Die Zeit, 02.10.1981]
Infantilisierung ist das Gegenprogramm der Aufklärung, es setzt an die Stelle der schmerzhaften Mündigkeit die verträumt‑verspielte Unmündigkeit des Kindes. [Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2017]
Aus Sicht der Anklagebehörde sind […] der Bursch, der […] wegen gerichtlich vermuteter Unmündigkeit freigesprochen und enthaftet wurde, sowie das Mädchen, das sich noch in U‑Haft befindet […], über 14 und damit strafmündig. [Der Standard, 11.02.2014]
[…] diese [genetischen Abstammungs-]Tests [dürfen] künftig nicht mehr heimlich vorgenommen werden, sondern nur mit Zustimmung des Kindes oder, bei dessen Unmündigkeit, der Mutter. [Die Welt, 28.08.2008]
Trotz der Unmündigkeit des Angeklagten erklärte der Richter, daß er nicht gewillt sei, ihn wie einen Jugendlichen zu behandeln. [Berliner Zeitung, 27.11.1948]
2.
Unvermögen, selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu handeln; Zustand des Unmündigseins, Fremdbestimmtseins
in gegensätzlicher Bedeutung zu Mündigkeit (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die (selbst)verschuldete, unverschuldete Unmündigkeit [des Menschen]; die politische Unmündigkeit
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Befreiung, der Weg aus der Unmündigkeit
mit Genitivattribut: die Unmündigkeit des Menschen
Beispiele:
Aufklärung ist in Kants Worten »der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.« [Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 93]
Vor allem ältere Frauen [in Saudi-Arabien] haben es sich in ihrer Unmündigkeit bequem gemacht, sie haben Fahrer, die sie »Madame« nennen, sie haben Bedienstete, die kochen, putzen, bügeln, waschen. [Süddeutsche Zeitung, 26.06.2018]
Diese Vormundschaften wurden [in der psychiatrischen Klinik] eingerichtet, obwohl in den Grundprinzipien des Privatrechts festgeschrieben ist, dass eine Person erst dann für unmündig erklärt werden darf, wenn ein Gericht die Unmündigkeit feststellt und einen Vormund bestimmt. [Der Standard, 30.08.2012]
Europäische Aufklärung war der Versuch, den Menschen aus seiner Unmündigkeit zu befreien, das Individuum und nicht etwa Kollektive in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen. [Die Welt, 10.02.2006]
Die geschiedene Frau und die Kinder […] hatten ein Verfahren angestrengt, um die Unmündigkeit des heute 82jährigen Schriftstellers feststellen zu lassen. [Berliner Zeitung, 13.07.1998]
Nach vier Jahrzehnten politischer Unmündigkeit fanden [in Spanien] am 15. Juni 1977 die ersten freien Wahlen statt, an denen sich die Bevölkerung diszipliniert und in großer Zahl beteiligte […]. [Die Zeit, 15.11.1985]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unmündigkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unmündigkeit‹.

Zitationshilfe
„Unmündigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unm%C3%BCndigkeit>.

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