Unmensch, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Unmenschen · Nominativ Plural: Unmenschen
Aussprache
WorttrennungUn-mensch
Wortzerlegungun-Mensch1
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
jmd., der den Mitmenschen gegenüber brutal, grausam, hart, ohne menschliches Gefühl, Mitgefühl ist
Beispiele:
er ist ein Unmensch
so ein Unmensch!
»Du Unmensch!« schrie ich. »Und wenn sie nun ertrinkt?« [GrassBlechtrommel459]
Beispiel:
Sachsenhausen ... [war] das Zentrum der Ausbildung faschistischer Unmenschen zur Knechtung des deutschen Volkes und aller Völker Europas [Tageszeitung1955]
2.
umgangssprachlich jmd. ist kein Unmenschjmd. lässt mit sich reden, hat ein Einsehen
Beispiel:
warum hast du das nicht schon längst gesagt, ich bin doch kein Unmensch
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mensch · menschlich · Menschlichkeit · Menschheit · Menschenfeind · Menschenfresser · menschenmöglich · Menschenrecht · Menschentum · Übermensch · übermenschlich · Unmensch · Untermensch
Mensch m. höchstentwickeltes gesellschaftliches Lebewesen mit der Fähigkeit zu arbeiten und zu denken, ahd. mennisco m. ‘Mensch’ (8. Jh.), mhd. mensche, mensch m. n. ‘Mensch, Mädchen, Buhlerin, Magd, Knecht, das menschliche Geschlecht’, mnd. minsche, mnl. mensce, nl. mens sind aus einer Substantivierung des in ahd. mennisc (um 800), mhd. mennisch ‘menschlich, mannhaft’, asächs. mennisk, aengl. mennisc, anord. mennskr, got. mannisks vorliegenden Adjektivs germ. *manniska- hervorgegangen, einer Ableitung von dem unter ↗Mann (s. d.) behandelten Substantiv. Das im Mhd. auftretende Neutrum steht bis ins 17. Jh. ohne abschätzigen Sinn neben dem Maskulinum, bezeichnet jedoch seit dem 15. Jh. häufig eine ‘weibliche Person’, besonders die ‘Magd’, und wird seit dem 18. Jh. durchgehend abwertend gebraucht; dazu auch der Plural Menscher (17. Jh.). menschlich Adj. ‘den Menschen betreffend, ihm gemäß, hilfsbereit, gut’, ahd. mennisclīh (8. Jh.), mhd. menschlich ‘nach, von Menschenart’; dazu Menschlichkeit f. ‘Menschennatur, menschliche Würde, menschliches Gefühl, Freundlichkeit im Umgang mit anderen’ (16. Jh., Übersetzung von lat. hūmānitās, s. ↗Humanität), geläufig seit dem 18. Jh., vereinzelt ‘Menschheit’ (nur 17. Jh.); vgl. spätmhd. menschlīcheit ‘Zustand des Menschseins, Menschheit’. Menschheit f. ‘Gesamtheit der Menschen’, ahd. mennischeit ‘alle Menschen, menschliche Natur, Menschwerdung’ (um 1000), mhd. menschheit, menscheit ‘alle Menschen, Natur und Leben eines Menschen, Menschlichkeit’. Menschenfeind m. ‘Menschenhasser, -verächter’ (16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. misanthropus (s. ↗Misanthrop). Menschenfresser m. ‘Kannibale’, Übersetzung (17. Jh.) von gleichbed. lat. anthrōpophagus, griech. anthrōpophágos (ἀνθρωποφάγος); vgl. griech. ánthrōpos (ἄνθρωπος) ‘Mensch’ und phágos (φάγος) ‘Fresser’, phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen, verzehren’. menschenmöglich Adj. ‘für einen Menschen möglich’ (18. Jh.), aus älterem menschmöglich (17. Jh.), das aus menschlich und möglich (16. Jh.) mit Ersparung der Suffixwiederholung zusammengerückt ist. Menschenrecht n. zunächst ‘von Menschen eingesetztes Recht’ (Ende 17. Jh.); Menschheitsrechte Plur. ‘dem Menschen von Geburt an zukommende Rechte und Würde’ (nach 1750). Danach (meist im Plur.) Menschenrechte ‘Reihe von Rechten, die die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und sein Verhältnis zum Staat regeln’ (seit 1777). Durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Déclaration des droits de l’homme et du citoyen (1789) wird der Begriff zum politischen Schlagwort und mit seinem damaligen bürgerlichen Inhalt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Eigentum und Sicherheit sowie Widerstand gegen Unterdrückung) auch im Dt. geläufig; wahrscheinlich geht auch die vorherrschende Verwendung im Plural auf das frz. Vorbild zurück. Menschentum n. ‘Wesen des Menschen, das Dasein als Mensch’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘Menschheit’ (17. Jh.). Übermensch m. in der Theologie gebildet (16. Jh.) aus übermenschlich Adj. ‘in jeder Weise über das durchschnittliche menschliche Vermögen hinausragend’ (Anfang 16. Jh.) zur Bezeichnung eines ‘moralisch überdurchschnittlichen Menschen, eines übermenschlichen Wesens’ (so noch im 18./19. Jh.); bei Herder im Sinne von ‘Heros, Halbgott, Genie’; bei Nietzsche (Zarathustra) im Gegensatz zum Durchschnittsmenschen ‘derjenige, der den Menschen überwunden hat’. Daran anknüpfend wird Übermensch (wie Herrenmensch, Gegensatz Untermensch, s. unten) zum Schlagwort der faschistischen Rassenideologie. Unmensch m. ‘brutaler, grausamer Mensch’, ahd. unmennisco ‘Nichtmensch’ (um 1000), spätmhd. unmensch ‘was nicht den Namen Mensch verdient, Bösewicht’, frühnhd. ‘Bestie, Kannibale, Zauberer’ (16. Jh.), ‘Menschenfeind’ (18. Jh.). Untermensch m. ‘niedriges Wesen, das sittlich unterhalb der menschlichen Stufe steht’ (18. Jh.); danach Schlagwort der Faschisten für die Opfer ihrer Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bestie · Bestie in Menschengestalt · ↗Bluthund · ↗Scheusal · ↗Ungeheuer · Unmensch  ●  ↗Satan  fig. · ↗Teufel  fig. · ↗Monster  ugs.
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  ↗Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Sprache Vokabular Wörterbuch faschistisch sanft Übermensch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unmensch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wird ihnen unterstellt, sie ließen sich von Unmenschen regieren.
Die Welt, 16.05.2003
Der Unmensch ist unter uns; an seiner Sprache sollt ihr ihn erkennen.
Die Zeit, 24.10.1957, Nr. 43
Ich bin kein Unmensch und auch früher mal jung gewesen.
Hauptmann, Gerhart: Die Ratten, Berlin: S. Fischer 1942 [1911], S. 915
Er findet es nicht unmenschlich, Befehle auszuführen, aber den Unmenschen, von dem sie kommen, sieht er nicht.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 1012
Als Wüterich und Unmensch will der Vater auch nicht gerade verschrien werden.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 450
Zitationshilfe
„Unmensch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unmensch>, abgerufen am 18.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Unmenge
Unmäßigkeit
unmäßig
unmaßgeblich
Unmasse
unmenschlich
Unmenschlichkeit
unmerkbar
unmerklich
unmessbar