Unparteiische, die oder der

Grammatik Substantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Unparteiischen · Nominativ Plural: Unparteiische(n)
Mit Pluralendung ‑n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Unparteiischen, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einzelne Unparteiische.
Aussprache [ˈʊnpaʁˌtaɪ̯ɪʃə]
Worttrennung Un-par-tei-ische · Un-par-teii-sche
Grundform unparteiisch
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Sport, Jargon
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der, die parteiische, erfahrene, unerfahrene, nominierte Unparteiische
als Akkusativobjekt: den Unparteiischen schubsen, beleidigen, beschimpfen, kritisieren, angreifen, schlagen, schützen
als Dativobjekt: dem, der Unparteiischen etw. vorwerfen
in Präpositionalgruppe/-objekt: [die Spieler] schimpfen über, ärgern sich über den, die Unparteiische; [die Spieler] legen sich mit dem, der Unparteiischen an; [die Spieler] hadern mit dem, der Unparteiischen; [es gab] Kritik am, Übergriffe gegen den Unparteiischen
in Koordination: die Spieler, Assistenten und der, die Unparteiische
hat Präpositionalgruppe/-objekt: der, die Unparteiische auf der Tribüne, auf dem Platz, in der Bundesliga
als Genitivattribut: die Tatsachenentscheidung, Fehlentscheidung, Leistung, Fehler, die Pfeife, der Pfiff des, der Unparteiischen
Beispiele:
Im Pokalspiel zwischen Bayern und Chemnitz zupfte [der Spieler] Franck Ribéry Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus den Schnürsenkel auf. Na, da war was los: Des Feldes hätte sie ihn verweisen sollen, wurde geschimpft, […] nun habe sie schon vor dem Start ein Autoritätsproblem. Das Gegenteil war der Fall: Die erste Unparteiische in der Bundesliga machte ihre Sache hervorragend. [Welt am Sonntag, 13.05.2018]
In Deutschlands Top‑Ligen gibt es bisher keine Profi‑Schiedsrichter, die beim Deutschland Fußball‑Bund […] angestellt sind; stattdessen geht nahezu jeder Unparteiische einem anderen Job nach – und pfeift formal als Selbständiger im Nebenberuf. [Süddeutsche Zeitung, 16.03.2018]
Preisrichter [beim Eiskunstlauf] kann nur werden, wer nationale und internationale Seminare besucht hat. Jedes Mitgliedsland des Weltverbands […] hat diesem einmal im Jahr eine Liste seiner in drei Leistungskategorien eingeteilten Unparteiischen mitzuteilen. [Preisrichte im Eiskunstlauf. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1991]]
Unberechtigte Platzverweise und Elfmeter häufen sich [bei der Fußball-Weltmeisterschaft] in einem Maße, das Zweifel an der Qualifikation der Unparteiischen weckt. [WM-Schiedsrichter. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1990]]
Zwei Kontrahenten stehen auf der Fechtbahn, fünf Unparteiische (ein Obmann und vier Kampfrichter) beurteilen die Aktionen und entscheiden über ausgeteilte oder erhaltene Treffer. So kompliziert ist es allerdings nur beim Säbelfechten, weil hier Hieb und Stich gestattet sind. [Neues Deutschland, 28.07.1968]
2.
jmd., der sich jmdm., etw. gegenüber neutral, objektiv verhält, der nicht in einen Streit, einen Konflikt verwickelt ist und deshalb vermitteln kann
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: Kritik an dem, der Unparteiischen [üben]
als Genitivattribut: die Entscheidung des, der Unparteiischen
Beispiele:
Der [marokkanische] König versucht wie schon seit Jahren, sich als über dem Parteiengezänk schwebender Unparteiischer in Szene zu setzen. [Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2017]
Immer wenn ein Machtvakuum entstehe, gehe es zulasten der Christen, analysiert Erzbischof Sako die Situation nach dem Abzug der US‑Truppen aus den [irakischen] Städten Ende Juni. Zuweilen seien die Christen Vermittler zwischen Sunniten und Schiiten, sozusagen als Unparteiische, sagt Sako. [Die Welt, 24.07.2009]
In der Verhandlungsgruppe [der Gruppe, die über die neuen Ärztehonorare berät] sitzen zur Hälfte Vertreter von Kassen und Ärzten und zusätzlich ein sogenannter »Unparteiischer«. Dieser Schlichter war zum Schluss das Zünglein an der Waage. [Der Spiegel, 28.08.2008 (online)]
Man merkt Parlamentspräsident Reinhard Führer (CDU) an, wie schwer ihm zurzeit die Rolle des Unparteiischen fällt. Die Pflicht drückte ihn auch sichtlich, als er am 16. Juni die Abstimmungsprozedur im Abgeordnetenhaus leitete, also die Abwahl von Eberhard Diepgen [ebenfalls CDU], die Wahl und Vereidigung des rot‑grünen Minderheitssenats. [Der Tagesspiegel, 13.07.2001]
Der Schiedsmann schlichtet solche Fälle, die nicht von öffentlichem Interesse sind. So werden die Gerichte entlastet. Dabei setzt der Schlichter nicht geltendes Recht durch, sondern versucht als Unparteiischer einen Kompromiß zwischen den Parteien zu erreichen. [Berliner Zeitung, 14.06.1997]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›Unparteiische‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unparteiische‹.

Zitationshilfe
„Unparteiische“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unparteiische>, abgerufen am 18.09.2021.

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