Unruhe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unruhe · Nominativ Plural: Unruhen
Aussprache
WorttrennungUn-ru-he (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Unruhe‹ als Erstglied: ↗Unruheherd · ↗Unruhequelle · ↗Unruhestifter · ↗Unruhestiftung · ↗unruhevoll · ↗unruhvoll
 ·  mit ›Unruhe‹ als Letztglied: ↗Arbeitsunruhen · ↗Bauernunruhen · ↗Rassenunruhe · ↗Studentenunruhe
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
innere Erregung, Besorgnis, Angstgefühl
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
eine innere, nervöse, quälende, verzehrende Unruhe
(eine) Unruhe erfasst, ergreift, überkommt, erfüllt jmdn.
Unruhe bemächtigte sich seiner
als die Kinder nicht kamen, wuchs ihre Unruhe immer mehr
jmds. Unruhe überträgt sich auf einen anderen Menschen
etw., jmd. versetzt jmdn. in Unruhe
in Unruhe geraten
in, voll(er) Unruhe sein
mit wachsender Unruhe einem Ereignis entgegensehen
2.
Zustand der (ständigen) Bewegung
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
seine Finger waren immer in Unruhe
der Vesuv ist in ständiger Unruhe (= ist vulkanisch aktiv)
störende, geräuschvolle Bewegung
Beispiele:
im Saal, in der Schulklasse herrschte eine allgemeine, dauernde Unruhe
unter den Zuschauern entstand Unruhe
3.
Zustand der Unzufriedenheit, der Empörung gegen einen bestehenden Zustand, bestehende Verhältnisse
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
wo er [der Revolutionär] verjagt ist / Bleibt die Unruhe doch [BrechtGedichte231]
Leute ... die künstlich Unruhe stiften [Becher5,380]
4.
Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen gegen einen bestehenden Zustand, bestehende Verhältnisse
Grammatik: nur im Plural
Beispiele:
politische, soziale Unruhen
die koloniale Unterdrückung führte zu Unruhen
es kam zu Unruhen unter der Bevölkerung, unter den Studenten
bei den Unruhen kamen mehrere Menschen ums Leben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch ↗Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Auflehnung · ↗Aufruhr · ↗Aufstand · Aufstand der Massen · ↗Ausschreitung · ↗Erhebung · ↗Krawall · ↗Massenaufstand · Massenproteste · Massenunruhen · Protestaktionen · Proteste · ↗Putsch · ↗Rebellion · ↗Tumult · Unruhe · bürgerkriegsähnliche Zustände
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Besorgnis · Gedanken · ↗Missbehagen · ↗Sorge (wegen, um) · ↗Unausgeglichenheit · ↗Unbehagen · Unruhe
Assoziationen
Synonymgruppe
Turbulenz · Unruhe
Assoziationen
  • Turbulator · Turbulenzgenerator
Synonymgruppe
Aufruhr · ↗Krawall · ↗Lärm · ↗Rabatz · ↗Randale · ↗Spektakel · ↗Tumult · Unruhe  ●  ↗(die) Welle  ugs. · ↗Aufstand  ugs. · ↗Terz  ugs. · ↗Theater  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Geräuschpegel · ↗Geräuschteppich · ↗Lärm · ↗Lärmpegel · ↗Lärmteppich · Unruhe
Oberbegriffe
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Missstimmung · Spannungen · ↗Unfrieden · Unruhe · Verstimmtheit · ↗Verstimmung  ●  Dysharmonie  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Belegschaft Bevölkerung Finanzmarkt Nervosität Tote Unsicherheit aufkommen ausbrechen auslösen beträchtlich blutig breitmachen erheblich gewiss heilsam herrschen hervorrufen inner kreativ motorisch nervös produktiv schöpferisch schüren sorgen stiften verbreiten versetzen verursachen wachsend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unruhe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Rund um alle vier halbwegs demokratischen Wahlen, die es seit 1992 gegeben hat, ist es zu schweren ethnischen Unruhen gekommen.
Die Zeit, 14.01.2008, Nr. 02
Die Unruhen des Jahres 1848 zogen auch W. in ihren Bann.
o. A.: W. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 15887
Bei politischen Unruhen im ganzen Reich fließt das Blut von 7 Toten.
o. A.: 1933. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1982], S. 15625
An lokalen Unruhen wird es natürlich kaum je gefehlt haben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 25139
Natürlich steht er auf Verhaftungslisten für den Fall innerer Unruhen.
Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005 [2004], S. 24
Zitationshilfe
„Unruhe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unruhe>, abgerufen am 10.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Unruhantrieb
Unruh
unromantisch
unritterlich
Unrichtigkeit
Unruheherd
Unruheprovinz
Unruhequelle
Unruheschürer
Unruhestifter