Unsinn, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Unsinn(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Un-sinn
Wortbildung  mit ›Unsinn‹ als Erstglied: Unsinnsdichtung
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., was sinnlos, dumm, töricht ist
Beispiele:
was du da sagst, tust, ist heller Unsinn
umgangssprachlichwas du da sagst, tust, ist blanker, purer, glatter Unsinn
saloppwas du da sagst, tust, ist kompletter Unsinn
das ist doch alles Unsinn
es wäre Unsinn, so etw. zu behaupten, annehmen zu wollen
viel Unsinn erzählen, reden
umgangssprachlichdu redest lauter Unsinn
schroff zurückweisende Entgegnung auf eine Äußerung
Beispiel:
»… Aber wenn ich dich von der Arbeit abhalte, schmeiß mich raus.« »Unsinn, der Wald wächst für eine Stunde auch mal ohne meine Anleitung« [ H. KantAula349]
Unsinn machenetw. falsch machen, einen Fehler machen
Beispiel:
Ich muß auf mich aufpassen, sonst mache ich noch verdammten Unsinn! [ RemarqueZeit zu leben181]
2.
Unfug, dummer Streich
Beispiele:
er hat nur Unsinn im Kopf
lass den Unsinn!
viel Unsinn treiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sinn · sinnig · unsinnig · Unsinn · sinnlich · Sinnlichkeit · sinnlos · übersinnlich · Sinnbild · Sinngedicht · sinnreich · sinnvoll
Sinn m. ‘Fähigkeit, Reize zu empfinden, Denken, Gedanken, Gesinnung, Gemüt, Verstand, geistiger Inhalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. afries. sin, nl. zin stellt sich als Verbalsubstantiv zu dem unter sinnen (s. d.) behandelten stark flektierenden Verb und gehört mit den dort sowie den unter Gesinde und senden (s. d.) angeführten Formen zu einer Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’. Die Übertragung der Bedeutung fällt bei Sinn bereits vollständig in vorgerm. Zeit (anders als bei sinnen, s. d.). Häufig in festen Wendungen wie bei Sinnen (‘bei Verstand’) sein, mhd. bī sinne sīn; von Sinnen (‘nicht bei Verstand’) sein, vgl. mhd. von sinnen komen; Sinn (‘Lust, Neigung’) für etw. haben (18. Jh.), im Sinn haben ‘beabsichtigen’ (Anfang 17. Jh.), seine fünf Sinne beisammen haben ‘gesunden Menschenverstand besitzen’ (18. Jh., älter seine fünf Sinne haben, 15. Jh.). sinnig Adj. ‘durchdacht, überlegt’, ahd. sinnīg ‘mit Sinnen, Vernunft begabt, verständig, erkennend, weise’ (um 1000), mhd. sinnec, sinnic ‘verständig, besonnen, klug, sinnreich’. unsinnig Adj. ‘ohne Sinn, töricht, unvernünftig, absurd’, ahd. unsinnīg (um 1000), mhd. unsinnec, -sinnic ‘nicht bei Verstand, verrückt, sinnlos’. Unsinn m. ‘Albernheit, Nonsens’ (18. Jh., nach engl. nonsense), älter ‘Torheit, Raserei, Wahnsinn, Bewußtlosigkeit’ (so bis ins 19. Jh.), mhd. unsin, rückgebildet aus unsinnec. sinnlich Adj. ‘mit den Sinnen wahrnehmbar, körperlich, sexuellen Dingen leicht zugänglich’, vom Plur. Sinne ausgehend (besonders seit dem 18. Jh. geläufig), mhd. sin(ne)lich ‘durch die Sinne geschehend’, im Unterschied zu mhd. geistec ‘verständig, klug’; dazu Sinnlichkeit f. mhd. sinnelīcheit. sinnlos Adj. ‘ohne Sinn und Verstand, zwecklos, ohne Zusammenhang’, ahd. sinnilōs ‘nicht mit Sinnen begabt, wahnsinnig’ (um 1000), mhd. sinnelōs, auch ‘ohnmächtig, bewußtlos’. übersinnlich Adj. ‘mit den Sinnen nicht wahrnehmbar, übernatürlich’ (17. Jh.). Sinnbild n. ‘Symbol’ (17. Jh.), Übersetzung für Emblem (s. d.), zunächst für eine mit den Augen wahrnehmbare Darstellung allegorischen Inhalts, seit dem 18. Jh. für ‘Symbol’. Sinngedicht n. (Mitte 17. Jh.), Übersetzung für Epigramm (s. d.). sinnreich Adj. ‘zweckentsprechend’, mhd. sinnerīche ‘verständig, klug, erfahren, scharfsinnig’. sinnvoll Adj. ‘gehaltvoll’ (18. Jh.), ‘zweckdienlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Blödsinn · Humbug · Nonsens · Unfug · Widersinn  ●  Nonsense  engl. · Unsinn  Hauptform · dümmliches Gerede  variabel · Banane  ugs. · Blaschwafel  ugs. · Blech  ugs. · Bockmist  ugs. · Bullshit  derb, engl. · Driss  ugs. · Dummfug  ugs. · Fez  ugs. · Firlefanz  ugs. · Gefasel  ugs., abwertend · Gelaber  ugs. · Geschwafel  ugs. · Gewäsch  ugs. · Heckmeck  ugs. · Kappes  ugs. · Kasperletheater  ugs. · Kiki  ugs. · Killefit(t)  ugs., rheinisch · Kohl  ugs. · Kokolores  ugs. · Krampf  ugs. · Käse  ugs. · Mist  ugs. · Mumpitz  ugs. · Papperlapapp  ugs. · Pillepalle  ugs. · Pipifax  ugs. · Quark  ugs. · Quatsch  ugs. · Quatsch mit Soße  ugs., berlinerisch · Scheiß  derb · Scheiße  derb · Schmarren  ugs. · Schmarrn  ugs. · Schmonzes  ugs. · Schmu  ugs. · Schmäh  ugs., österr. · Schwachfug  derb · Schwachsinn  ugs. · Sottise(n)  geh., franz. · Stuss  ugs. · Tinnef  ugs. · dummes Zeug  ugs. · geistiger Durchfall  derb · geistiger Dünnschiss  derb · gequirlte Scheiße  derb · saudummes Zeug  ugs., süddt.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ach) Quatsch  ugs. · (ach) papperlapapp  ugs. · Unsinn!  ugs.
Synonymgruppe
das glauben Sie doch selbst nicht! · das glaubst du doch selbst nicht! · erzählen Sie mir nichts! · wer hat Ihnen denn das erzählt! · wie kommen Sie denn darauf! · wie kommst du denn darauf! · wo denken Sie hin! · wo denkst du hin!  ●  Blödsinn!  ugs., salopp · Quatsch mit Soße!  ugs., berlinerisch · Red keinen Unsinn!  ugs. · Reden Sie keinen Unsinn!  ugs. · Unsinn!  ugs. · aber geh!  ugs., süddt. · ach was!  ugs. · ach woher!  ugs. · ah geh!  ugs., bayr. · das wüsste ich aber!  ugs., Spruch · erzähl mir nichts!  ugs. · geh mir doch weg!  ugs., regional · i wo!  ugs., bayr. · red doch ned so saublöd daher!  derb, süddt. · totaler Quatsch!  ugs. · wer hat dir denn den Blödsinn erzählt?  ugs., variabel · wer hat dir denn sowas erzählt!  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) kommen erhebliche Zweifel · erspar(e) mir deine (...) · ich glaub(e) dir kein Wort  ●  ich glaube dir (das) nicht  Hauptform · (ja ja,) schon klar ...  ugs. · (jemand) erzählt viel, wenn der Tag lang ist  ugs., Spruch · alles klar!  ugs., ironisch, Spruch · am Arsch hängt der Hammer  derb, Spruch · das glaubst du (doch) selbst nicht!  ugs. · das kannst du deinem Frisör erzählen!  ugs., Spruch · das kannst du deiner Großmutter erzählen!  ugs. · das kannst du deiner Oma erzählen!  ugs., Spruch · das kannst du einem Dummen erzählen!  ugs., variabel · das kannst du einem erzählen, der (sich) die Hose hinten zumacht  ugs. · das kannst du einem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht  ugs., Spruch, variabel · das kannst du mir nicht erzählen!  ugs. · du kannst mir viel erzählen!  ugs., variabel, Spruch · ja nee, ist klar!  ugs., Spruch · komm mir nicht (wieder) mit (...)  ugs. · komm mir nicht so!  ugs. · verarschen kann ich mich auch alleine!  derb, Spruch · wer's glaubt, wird selig  ugs., sprichwörtlich
  • (ach) tatsächlich? · ist das wahr?  ●  (nein) wirklich?  ironisch · (ja) allerhand  ugs., ironisierend · (jetzt) mach keine Sachen!  ugs., ironisch · ach kuck!  ugs., ironisierend · ach was!  ugs., ironisch · du ahnst es nicht!  ugs. · du meine Güte!  ugs., veraltend · echt jetzt?  ugs. · nein sowas!  ugs. · sag bloß!  ugs., ironisierend · soso  ugs. · sowas aber auch!  ugs., ironisierend · stell dir vor!  ugs. · was Sie nicht sagen!  ugs., ironisierend · was du nicht sagst!  ugs., ironisierend

Typische Verbindungen zu ›Unsinn‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unsinn‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unsinn‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch mehr als ein halber Tag vergeht auch über solchem Unsinn nicht. [Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 263]
Wird derselbe nicht auch den Unsinn zu Sinn bekehren wollen? [Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 161]
Doch dafür dem Euro die Schuld zu geben ist nichts anderes als ideologischer Unsinn. [Die Zeit, 25.07.1997, Nr. 31]
Über so viel Unsinn dürfte man nicht einmal mehr in Bonn lachen. [Die Zeit, 13.06.1997, Nr. 25]
Das ist ein kompletter Unsinn, der durch die Ergebnisse widerlegt ist. [o. A.: Einhundertdreiundfünfzigster Tag. Mittwoch, 12. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 23879]
Zitationshilfe
„Unsinn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unsinn>.

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