Unsitte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unsitte · Nominativ Plural: Unsitten
Aussprache
WorttrennungUn-sit-te (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

schlechte Angewohnheit
Beispiele:
das ist eine hässliche Unsitte
es ist eine schlimme Unsitte von dir, dass du im Bett rauchst
eine Unsitte herrscht, reißt ein
einem Kind eine Unsitte abgewöhnen
Es ist eine sehr gefährliche Unsitte, die Kurven zu »schneiden« [Lehrbuch Fahrschüler169]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sitte · Unsitte · sittlich · Sittlichkeit · unsittlich · sittsam · Sittenlehre
Sitte f. ‘Brauch, Gewohnheit, (moralischer) Anstand’, ahd. situ (8. Jh.), mhd. site ‘Art und Weise, wie man lebt und handelt, Volksart, -brauch, Gewohnheit, Beschaffenheit, Anstand’ (ursprünglich m., durch häufigen pluralischen Gebrauch bereits spätmhd. f.), asächs. sidu, mnd. sēde, sedde, mnl. sēde, nl. zede, afries. side, aengl. sidu, anord. siðr, schwed. sed, got. sidus (germ. *sedu- m.). Herkunft nicht geklärt. Die übliche Herleitung vergleicht aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Eigenkraft, Charakter, gewohnte Art, Gewohnheit’, griech. éthos (ἔθος, aus *ϝέθος, ie. *su̯édhos) ‘Gewohnheit, Brauch, Übung’, lat. sodālis ‘Genosse, Kamerad, Gefährte, Mitglied einer Gemeinschaft’ und geht von ie. *su̯ē̌dh- aus, in dem eine Bildung zum Pronominalstamm ie. *seu̯e- (s. ↗sich) gesehen wird. Dagegen erklärt Wissmann in: Münchener Studien zur Sprachwiss. 6 (1955) 129 das stammhafte i in aengl. sidu und anord. siðr für alt (also nicht aus e hervorgegangen). Aus dem gleichen Grunde lehnt Trier Lehm (1951) 41 die oben vorgetragene Etymologie (also auch die Verbindung mit griech. éthos) ab und schließt die germ. Formen von Sitte an die unter ↗Saite und ↗Seil (s. d.) behandelten Substantive an, so daß Sitte (im Ablaut zu Saite stehend) als ‘Verbindendes, Bindung’ gedeutet werden kann. Unsitte f. ‘Anstand und Benehmen Zuwiderlaufendes’, ahd. unsitu (9. Jh.), mhd. unsite ‘üble Gewohnheit, Aufgebrachtheit, Zorn, unfeines oder grobes Benehmen’. sittlich Adj. ‘der Sitte, Moral entsprechend, moralisch’ (15. Jh.), ahd. situlīh (um 800), mhd. sitelich ‘dem Brauch gemäß, ruhig, milde, bescheiden, anständig’. Sittlichkeit f. ‘Wohlanständigkeit, Moral’ (Anfang 16. Jh.). unsittlich Adj. ‘unanständig, anstößig, unmoralisch’, ahd. unsitulīh (um 800), mhd. unsitelich ‘ungehörig, unziemlich, unpassend’. sittsam Adj. ‘brav, ehrbar, geziemend’ (15. Jh.), ahd. situsam ‘passend, geeignet’ (8. Jh.). Sittenlehre f. ‘Lehre von den Sitten, der Moral und Ethik, Moralphilosophie’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Missstand · Unsitte · ↗Unwesen · böses Treiben · übles Treiben
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unsitte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schluß Sitte abgewöhnen ablegen abschaffen abstellen aufhören aufkommen aufräumen ausbreiten austreiben barbarisch beklagen einbürgern eindämmen einreißen gefährlich geißeln greifen greifend grob gängig sprachlich verbreiten verbreitet verfallen weitverbreitet zunehmend zurückfallen üblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unsitte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unsitte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es kann höchstens an der alten Unsitte liegen, uns der Fauna zuzuschlagen.
Der Tagesspiegel, 10.03.2002
Es sei eine Unsitte, daß nur Noten verteilt würden, ohne die schriftliche Arbeit zu besprechen.
Süddeutsche Zeitung, 28.03.1994
Selbstverständlich hatten die armen Tiere ebenfalls unter dieser barbarischen Unsitte arg zu leiden.
Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 24361
Es wäre unliebenswürdig und fiele allgemein nur als Unsitte auf.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 214
Das Fixieren von Gästen an anderen Tischen in öffentlichen Lokalen oder im Theater ist auch so eine Unsitte, die nicht aussterben will.
Martin, Hans: Darf ich mir erlauben ...?, Stuttgart: Hädecke 1935, S. 87
Zitationshilfe
„Unsitte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unsitte>, abgerufen am 29.02.2020.

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