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Unsitte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unsitte · Nominativ Plural: Unsitten
Aussprache 
Worttrennung Un-sit-te (computergeneriert)
Wortzerlegung un- Sitte
eWDG

Bedeutung

schlechte Angewohnheit
Beispiele:
das ist eine hässliche Unsitte
es ist eine schlimme Unsitte von dir, dass du im Bett rauchst
eine Unsitte herrscht, reißt ein
einem Kind eine Unsitte abgewöhnen
Es ist eine sehr gefährliche Unsitte, die Kurven zu »schneiden« [ Lehrbuch Fahrschüler169]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sitte · Unsitte · sittlich · Sittlichkeit · unsittlich · sittsam · Sittenlehre
Sitte f. ‘Brauch, Gewohnheit, (moralischer) Anstand’, ahd. situ (8. Jh.), mhd. site ‘Art und Weise, wie man lebt und handelt, Volksart, -brauch, Gewohnheit, Beschaffenheit, Anstand’ (ursprünglich m., durch häufigen pluralischen Gebrauch bereits spätmhd. f.), asächs. sidu, mnd. sēde, sedde, mnl. sēde, nl. zede, afries. side, aengl. sidu, anord. siðr, schwed. sed, got. sidus (germ. *sedu- m.). Herkunft nicht geklärt. Die übliche Herleitung vergleicht aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Eigenkraft, Charakter, gewohnte Art, Gewohnheit’, griech. éthos (ἔθος, aus *ϝέθος, ie. *su̯édhos) ‘Gewohnheit, Brauch, Übung’, lat. sodālis ‘Genosse, Kamerad, Gefährte, Mitglied einer Gemeinschaft’ und geht von ie. *su̯ē̌dh- aus, in dem eine Bildung zum Pronominalstamm ie. *seu̯e- (s. sich) gesehen wird. Dagegen erklärt Wissmann in: Münchener Studien zur Sprachwiss. 6 (1955) 129 das stammhafte i in aengl. sidu und anord. siðr für alt (also nicht aus e hervorgegangen). Aus dem gleichen Grunde lehnt Trier Lehm (1951) 41 die oben vorgetragene Etymologie (also auch die Verbindung mit griech. éthos) ab und schließt die germ. Formen von Sitte an die unter Saite und Seil (s. d.) behandelten Substantive an, so daß Sitte (im Ablaut zu Saite stehend) als ‘Verbindendes, Bindung’ gedeutet werden kann. – Unsitte f. ‘Anstand und Benehmen Zuwiderlaufendes’, ahd. unsitu (9. Jh.), mhd. unsite ‘üble Gewohnheit, Aufgebrachtheit, Zorn, unfeines oder grobes Benehmen’. sittlich Adj. ‘der Sitte, Moral entsprechend, moralisch’ (15. Jh.), ahd. situlīh (um 800), mhd. sitelich ‘dem Brauch gemäß, ruhig, milde, bescheiden, anständig’. Sittlichkeit f. ‘Wohlanständigkeit, Moral’ (Anfang 16. Jh.). unsittlich Adj. ‘unanständig, anstößig, unmoralisch’, ahd. unsitulīh (um 800), mhd. unsitelich ‘ungehörig, unziemlich, unpassend’. sittsam Adj. ‘brav, ehrbar, geziemend’ (15. Jh.), ahd. situsam ‘passend, geeignet’ (8. Jh.). Sittenlehre f. ‘Lehre von den Sitten, der Moral und Ethik, Moralphilosophie’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Missstand · Unsitte · Unwesen · böses Treiben · übles Treiben
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unsitte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unsitte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unsitte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbstverständlich hatten die armen Tiere ebenfalls unter dieser barbarischen Unsitte arg zu leiden. [Friedländer, Hugo: Die Vorkommnisse in der Fürsorgeanstalt Mieltschin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 24361]
Das ist, wenn mich nicht alles täuscht, insbesondere eine deutsche Unsitte. [Die Zeit, 24.06.1999, Nr. 26]
Aber natürlich ist es eine legitime Art, diese Unsitte zu kritisieren. [Die Zeit, 09.05.2013, Nr. 19]
In vielen Fällen bringen Studenten die Unsitte des Abkupferns aus der Schule mit. [Die Zeit, 28.02.2011, Nr. 09]
Bei ihm hört das Fortführen der Tradition bei solchen umweltbelastenden Unsitten auf. [Die Zeit, 17.09.1993, Nr. 38]
Zitationshilfe
„Unsitte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unsitte>.

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