Untergang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Untergang(e)s · Nominativ Plural: Untergänge
Aussprache
WorttrennungUn-ter-gang
Grundformuntergehen
Wortbildung mit ›Untergang‹ als Erstglied: ↗Untergangsstimmung · ↗Untergangszeit · ↗untergangsreif
 ·  mit ›Untergang‹ als Letztglied: ↗Monduntergang · ↗Schiffsuntergang · ↗Sonnenuntergang · ↗Weltuntergang
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
das Verschwinden am Horizont, das Niedergehen
Beispiel:
der Untergang der Sonne, des Mondes
2.
von Schiffen   das Versinken
Beispiel:
beim Untergang des Schiffes sind viele Menschen ertrunken
3.
das Zugrundegehen
Beispiele:
etw. geht seinem Untergang entgegen, ist dem Untergang geweiht
etw., jmdn. vor dem Untergang retten
der Untergang (= Zusammenbruch) des römischen Imperiums, der Habsburgischen Monarchie
der Untergang (= das Aussterben) eines Volkes, einer Kultur
ein General, der aus einem strategischen Grund Bataillone in den sicheren Untergang (= Tod) schickt [MusilMann280]
etw., jmd. ist jmds. Untergangetw., jmd. ist jmds. Verderben
Beispiel:
der Alkohol war sein Untergang
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gehen · abgehen · Abgang · angehen · aufgehen · Aufgang · ausgehen · Ausgang · begehen · eingehen · Eingang · entgehen · ergehen · hintergehen · übergehen · Übergang · untergehen · Untergang · vergehen · Vergehen · Vergangenheit · vorgehen · Vorgang · Vorgänger
gehen Vb. ‘sich zu Fuß fortbewegen’. Im Paradigma von nhd. gehen sind die Formen von zwei verschiedenen, nicht miteinander verwandten Verben vereinigt. Das gemeingerm. starke Verb ahd. gangan (8. Jh.), mhd. gangen, asächs. aengl. gangan, mnl. ganghen, anord. ganga, got. gaggan gehört zu den reduplizierenden Verben und ist vielleicht als Rückbildung aus einem jan-Verb germ. *gangjan (vgl. ahd. zigengen ‘zergehen machen, vernichten’, um 1000, mhd. gengen ‘gehen machen, losgehen’, aengl. gengan ‘gehen, reisen, reiten’) anzusehen. Es ist verwandt mit ↗Gang (s. d.) und außergerm. mit aind. jáṅghā ‘Unterschenkel’, jáṁhaḥ ‘Flügel, Schwinge’, lit. žeñgti ‘schreiten, gehen’ und vielleicht griech. kochṓnē (κοχώνη) ‘Stelle zwischen den Schenkeln, Hinterbacke’. Erschließbar ist ie. *g̑hengh- ‘schreiten, Schritt, Schenkelspreize, Schamgegend’. Auf dieses durch ahd. gangan vertretene Verb gehen das Prät. (ging) und das Part. Prät. (gegangen) von nhd. gehen zurück. Daneben steht gleichbed. ahd. gān (8. Jh.) und (zunächst nur bair. und frk.) gēn (8. Jh.), mhd. gān, gēn, asächs. -gān, mnd. aengl. gān, engl. to go, mnl. gaen, nl. gaan, anord. aschwed. , krimgot. geen, das ahd. nur durch den Infinitiv und athematisch gebildete Präsensformen (gām, gās(t), gāt usw. neben gēm, gēs(t), gēt usw.) belegt ist (vgl. aber aengl. Part. Prät. gegān), die Infinitiv und Präsens des nhd. Verbs gehen ergeben haben. Dieses Verb verbindet sich mit griech. (homerisch) kichā́nein (κιχάνειν) ‘erreichen, erlangen, antreffen’, aind. jíhītē ‘springt auf, begibt sich zu’ und führt auf eine Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- ‘leer sein, fehlen, verlassen, fortgehen’, dann auch ‘gehen’, wobei eine Identität mit ie. *g̑hēi-, *g̑hē- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’ erwogen wird (s. ↗gähnen), da sich ‘fortgehen’ aus ‘klaffend abstehen’ entwickelt haben kann. abgehen Vb. ‘sich entfernen, fehlen, sterben, abschreiten’, ahd. abagangan, -gān ‘aufhören, vergehen’ (um 1000), mhd. abegān ‘abnehmen, etw. versagen, fehlen’; Abgang m. ‘Weggang, Tod, Weg nach unten’, mhd. abeganc ‘das Hinabgehen, ein hinabführender Weg, Mangel, Abfall’. angehen Vb. ‘beginnen, betreffen, um etw. bitten’, ahd. anagangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. anegān ‘anfangen, hineingehen, folgen, angreifen’. aufgehen Vb. ‘sich öffnen, emporsteigen, sichtbar werden’, ahd. ūfgangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. ūfgān, -gēn ‘aufgehen, sich erheben, entstehen, gedeihen’; Aufgang m. ‘Erscheinen, Weg nach oben, Treppe’, ahd. ūfgang (8. Jh.), mhd. ūfganc. ausgehen Vb. ‘fortgehen, sich aufbrauchen, enden, abzielen auf etw.’, ahd. ūʒgangan, -gān, -gēn ‘hinausgehen, aufhören’ (8. Jh.), mhd. ūʒgān, -gēn ‘heraus-, hervorgehen, über die Ufer treten, zu Ende gehen, sich verlieren’; Ausgang m. ‘das Hinausgehen, Schluß, Ende, Weg nach außen’, ahd. ūʒgang (um 800), mhd. ūʒganc ‘das Herausgehen, Ausgang, Ende’. begehen Vb. ‘besichtigen, entlanggehen, feiern’, ahd. bigangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. begān, -gēn ‘erreichen, antreffen, sorgen um etw., feiern, zu Grabe geleiten’. eingehen Vb. ‘hineingehen, eintreffen, sich mit etw. oder jmdm. beschäftigen, kleiner werden, schrumpfen, aufhören zu existieren’, ahd. ingangan, -gān, -gēn ‘hineingehen, ein-, betreten, eindringen, überfallen’ (8. Jh.), mhd. īngān, asächs. mnd. ingān, got. inngaggan. Eingang m. ‘Öffnung, Tür, Ankunft, Weg nach innen’, ahd. ingang (8. Jh.), mhd. īn-, inganc. entgehen Vb. ‘entkommen, nicht bemerkt werden’, ahd. intgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. engān, -gēn ‘entkommen, fortgehen, verlorengehen, sich entziehen’. ergehen Vb. ‘angeordnet werden’, reflexiv ‘spazierengehen’, auch unpersönlich mir ergeht es gut, schlecht, ahd. irgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. ergān, -gēn ‘zu gehen beginnen, kommen, geschehen, sich ereignen, einholen, zu Ende gehen’. hintergehen Vb. ‘betrügen, täuschen’, spätmhd. hindergān ‘von hinten herangehen, überfallen, betrügen’. übergehen Vb. ‘nicht beachten, übersehen, überlaufen, überfließen’, ahd. ubargangan, ubar(i)gān ‘überströmen, hinübergehen’ (8. Jh.), mhd. übergān, -gēn ‘übergehen, -fließen, vorübergehen, über etw. gehen, überfallen, übertreten’; Übergang m. ‘überführender Weg, das Überschreiten, Wechsel’, ahd. ubargang ‘das Herausgehen, Abweichung, Verderben, Seuche, Pest’ (8. Jh.), frühnhd. übergang ‘das Hinübergehen, Durchgang, Stelle, wo man hinübergeht’ (15. Jh.). untergehen Vb. ‘zugrunde gehen, versinken’, ahd. untargangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. untergān, -gēn ‘dazwischentreten, überkommen, befallen, versperren’; Untergang m. ‘das Zugrundegehen, Scheitern, Sinken’, ahd. untargang (9. Jh.), mhd. underganc ‘Verderben, Sinken (der Sonne), Unterwerfung, Schiedsgericht’. vergehen Vb. ‘aufhören zu existieren, vorbeigehen, verstreichen’, reflexiv ‘gegen eine Norm verstoßen, ein Verbrechen an jmdm. ausführen’, ahd. firgangan, -gān, -gēn ‘vorwärtsgehen, verstreichen’ (9. Jh.), mhd. vergān, -gēn, auch ‘übergehen, meiden, auseinandergehen, sich verirren’; Vergehen n. ‘zu bestrafende Handlung, Verbrechen’ (18. Jh.), vgl. mhd. vergān ‘das Vorübergehen, Hinweggehen’; Vergangenheit f. ‘zurückliegende, verflossene Zeit’ (18. Jh.), in diesem Sinne grammatischer Terminus für Zeitformen des Verbs, die ein Geschehen oder Sein als vergangen darstellen (19. Jh.), vgl. di vergangen zeit (um 1400), die verlauffene Zeit (Anfang 17. Jh.). vorgehen Vb. ‘vorwärtsgehen, nach vorn gehen, den Vorrang haben, sich ereignen’, ahd. foragangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. vor-, vürgān ‘vorangehen, übertreffen’; Vorgang m. ‘Ereignis, Ablauf eines Geschehens, in den Akten festgehaltener Fall’, mhd. vor-, vürganc ‘das Vorausgehende, Einleitung, Vortritt, Fortschritt, Erfolg’; Vorgänger m. ‘in Amt oder Stellung Vorangegangener’, spätmhd. vorganger, -genger.

Thesaurus

Synonymgruppe
Apokalypse · ↗Armageddon · ↗Ende · ↗Super-GAU · ↗Unglück · Untergang · ↗Verderben · ↗Zusammenbruch  ●  ↗Abgrund  fig. · Abaddon (bibl.)  geh. · ↗Waterloo  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Abfall · ↗Fall · Fallen · ↗Niedergang · Sinken · ↗Sturz · Untergang
Assoziationen
Physik, Technik
Synonymgruppe
Abbau · ↗Abbruch · ↗Auflösung · ↗Demontage · ↗Entlassung · ↗Rückbau · Untergang · ↗Zerfall · ↗Zerlegung · ↗Zerrüttung · ↗Zersplitterung · ↗Zerstreuung · ↗Zerteilung · Zertrennung  ●  ↗Dissipation  lat.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Kriegsentschädigungen · Reparationen · Reparationslasten · Reparationsleistungen · Reparationszahlungen · Schadensersatz für Kriegsschäden · Wiedergutmachungsleistungen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendland Atom-U-Boot Aufstieg DDR Fähre Hitler-Film Imperium Kaiserreich Kommunismus Lust Menschheit Monarchie Nervenzelle Prophet Reich Sowjetunion Sozialismus Tanker Titanic Verfall besiegeln bewahren drohend ertrinken herbeiführen prophezeien retten verdammen weihen Öltanker

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Untergang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wäre gut, wenn es gelänge, einen Übergang zu gestalten, als nur einen Untergang zu verwalten.
Der Tagesspiegel, 19.05.2003
Der Untergang der DDR war dann nur noch eine Frage der Zeit.
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2003
Das gilt vor allem für die Zeit nach dem Untergang des byzantinischen Reiches.
Schlötterer, R.: Byzantinische Kirchenmusik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 8911
Am Ende brachte er und das System, das sie für ihn geschaffen hatten, für sie alle den Untergang.
o. A.: Einhundertsiebenundachtzigster Tag. Freitag, 26. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18462
Nach dem Untergang des lydischen Reichs war der Fall Babylons nur noch eine Frage der Zeit.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 9506
Zitationshilfe
„Untergang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Untergang>, abgerufen am 24.05.2019.

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