Unterhaltung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unterhaltung · Nominativ Plural: Unterhaltungen
Aussprache
WorttrennungUn-ter-hal-tung
Wortzerlegungunterhalten-ung
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
auf angenehme Weise geführtes (längeres) Gespräch, Plauderei
Beispiele:
eine anregende, lebhafte, geistreiche, interessante, aufgelockerte, gesellige, vertrauliche Unterhaltung
mit jmdm. eine Unterhaltung (im Flüsterton) führen
die Unterhaltung allein bestreiten
sich an einer Unterhaltung beteiligen
sich in eine Unterhaltung einmischen
die Unterhaltung stockte, floss schleppend, munter dahin
Heilbutt war immer tadellos höflich, aber irgendwie fror die Unterhaltung ein [FalladaKleiner Mann118]
2.
angenehmer Zeitvertreib, Amüsement (durch Gespräch, Scherz, Spiel)
Beispiele:
eine gesellige Unterhaltung
ich wünsche gute, angenehme Unterhaltung
die Unterhaltung der Kinder (mit Gesellschaftsspielen) hat sie allein übernommen
daß er zu Ihrer Unterhaltung und zur Erbauung der Kranken ein Drama ersonnen und instruiert [P. WeissMarat2]
wenn es regnete, war man um Unterhaltung nicht verlegen [Bergengr.Rittmeisterin352]
veraltend Fest
Beispiele:
daß die beiden Damen ihm ... gelegentlich ihre neuen Toiletten vorführen, mit denen sie dann auf ihre Unterhaltungen fahren wollen [St. ZweigBalzac502]
ihr neue Kleider zu schenken und sie auf Unterhaltungen zu schicken [M. HaushoferinÖsterr. Erzähler2,248]
3.
das Einrichten, Finanzieren und Instandhalten, besonders von Anlagen, Gebäuden, Institutionen
Beispiele:
die staatliche Unterhaltung der Straßen, öffentlichen Gebäude
für die Unterhaltung der Krankenhäuser sorgen
die Unterhaltung des Heimes übernehmen
die Unterhaltung (= Finanzierung) der Streitkräfte
4.
das Aufrechterhalten
Beispiel:
die Unterhaltung freundschaftlicher Beziehungen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aussprache · ↗Austausch · ↗Dialog · ↗Diskussion · ↗Gedankenaustausch · ↗Konversation · Unterhaltung · ↗Unterredung · ↗Wortwechsel · ↗Zwiegespräch  ●  ↗Gespräch  Hauptform · ↗Zwiesprache  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Belustigung · ↗Darbietung · ↗Entertainment · ↗Erheiterung · ↗Spaß · ↗Vergnügen · ↗Vergnügung  ●  ↗Ergötzlichkeit  veraltet · Unterhaltung  Hauptform · ↗Amüsement  geh. · ↗Kurzweil  geh., veraltend · ↗Lustbarkeit  geh., altertümelnd
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Erhaltung · ↗Instandhaltung · ↗Pflege · Unterhalt · Unterhaltung · ↗Wartung · Wartungsarbeiten · ↗Überholung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwechslung Belehrung Bildung Entspannung Freizeit Information Mischung Spaß Sport Zerstreuung abendlich angenehm angeregt anspruchsvoll baulich bloß gebieten gehoben gepflegt gesellig intelligent interaktiv kurzweilig lebhaft musikalisch pur seicht sorgen spannend zwanglos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unterhaltung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Unternehmen glaubt daran, dass Nutzer bereit sind, für gute Unterhaltung zu zahlen.
Die Zeit, 16.09.2013, Nr. 38
Aber gesetzt den Fall, es geschähe doch, dann wird die Unterhaltung sehr mühsam.
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2004
Eine zwanglose Unterhaltung ergibt sich meist auf diese Art viel leichter.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 95
Bei den englischen Unterhaltungen hatten die vier oft einen harten Stand.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 903
Der Professor nahm die Unterhaltung in dozierendem Ton wieder auf.
Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964
Zitationshilfe
„Unterhaltung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unterhaltung>, abgerufen am 16.10.2019.

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