Unternehmensforschung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unternehmensforschung · Nominativ Plural: Unternehmensforschungen · Verwendung im Plural ungebräuchlich
Aussprache  [ʊntɐ'neːmənsˌfɔʁʃʊŋ]
Worttrennung Un-ter-neh-mens-for-schung
Wortzerlegung Unternehmen Forschung
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Forschung, die von privaten Unternehmen, nicht von der öffentlichen Hand finanziert wird
Beispiele:
Einer […]Studie zufolge gibt es in Deutschland im internationalen Vergleich deutlich weniger Wissenschaftler, die zwischen Uni und Unternehmensforschung wechseln. [Die Welt, 05.04.2008]
Bereits jetzt wird Amazons Unternehmensforschung zu Künstlicher Intelligenz von Berlin aus geleitet. [Der Tagesspiegel, 05.05.2018]
Von der öffentlichen Hand kommen mit 3,43 Mrd. Euro fast genauso viel wie von der Wirtschaft, der Rest wird vom Ausland finanziert. Bis 2020 soll der Anteil der Unternehmensforschung auf mindestens 66 Prozent und idealerweise auf 70 Prozent steigen. [Der Standard, 04.12.2012]
Hinter den Fab Labs steckt […] der Gedanke, dass Menschen die Dinge, die sie brauchen, selbst entwerfen und auch gleich selbst per 3D‑Drucker (»Rapid Prototyping«) herstellen können. Das Konzept ist als Gegenentwurf zur zentralisierten Unternehmensforschung gedacht und soll auf der ganzen Welt für eine Revolution in der Produktion und im Herangehen an Innovation sorgen. [Der Standard, 27.08.2010]
Unternehmensforschung macht in Deutschland 61 Prozent aller eingesetzten Forschungsmittel aus, in Frankreich 41 Prozent. Staatlich zivil geförderte Forschung macht in Frankreich 26 und in Deutschland 34 Prozent aus. Staatlich militärisch geförderte Forschung: in Frankreich 17 und in Deutschland zwei Prozent. [Saarbrücker Zeitung, 17.05.1999]
2.
Wirtschaftswissenschaft Teil der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit dem Handeln, der Geschichte und anderen Besonderheiten von Wirtschaftsunternehmen befasst
Beispiele:
Die Lehrstoffgruppe III »Angewandte Verwaltungswissenschaften« befaßt sich hauptsächlich mit ausgewählten Problemen der Planungs‑, Organisations‑, Führungs‑ und Entscheidungslehre. Hierbei werden auch die in der Unternehmensforschung entwickelten Methoden der Managementlehre berücksichtigt … [Archiv der Gegenwart, 2001 [1969]]
Der direkte Effizienzvergleich von Einkaufszentren ist erschwert, wenn mehrere Outputs und mehrere Inputs unterschiedlicher Art zugleich in einer Effizienzkennzahl einzubeziehen sind. Ein möglicher Ansatz ist die sogenannte Data Envelopment Analysis (DEA), eine Methode aus der Unternehmensforschung. Sie erlaubt die simultane Berücksichtigung mehrerer Output‑ und mehrerer Input‑Faktoren, ohne dass deren Gewichtung zuvor fixiert werden muss, und grenzt die effizienten von den ineffizienten Zentren ab. [Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2015]
In der Unternehmensforschung gibt es einen ganzen Wissenschaftszweig, der sich mit der optimalen Zeitstruktur des Faktoreinsatzes beschäftigt: die Ablaufplanung (sequencing). [Krelle, Wilhelm: Produktionstheorie. Tübingen: Mohr 1969 [1961], S. 1]
allgemeiner Inzwischen ist die anfangs nicht immer freiwillige Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Zeit längst in eine neue Qualität historischer Unternehmensforschung übergegangen, die – ohne das monströse NS‑Geschehen auszublenden – den gesamten Spannungsbogen bedeutender Firmenbiographien in den Blick nimmt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2005]
allgemeinerTrotz der Leistungen für Quellensicherung und Wissenschaft wird ein Potential des Wirtschaftsarchivs noch nicht genügend ausgeschöpft: Es könnte das Fundament für eine moderne, eigenständige Unternehmensforschung innerhalb der Wirtschaftswissenschaften sein. Firmengeschichtsschreibung wurde von der Fachwelt lange Zeit verachtet, weil sie – wie der Historiker Hans Pohl 1977 treffend formulierte – »identisch war mit Hofgeschichtsschreibung und Schönfärberei, kurz: Festtagshistorie«. Trotz zahlreicher besserer Beispiele bleibt die Formulierung einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin Vision. Ihre Realisierung wäre logische Konsequenz aus der seit den siebziger Jahren gesteigerten Aufmerksamkeit der Wissenschaftler gegenüber der Wirtschaftsgeschichte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2001]
spezieller angewandte Wissenschaft, die der Optimierung von (unternehmerischen) Entscheidungsprozessen dient
Beispiele:
Bei der O. (= Operationsforschung) handelt es sich um verschiedene Planungs‑ und Optimierungsmethoden, die in den USA speziell im militärischen Bereich während des II. Weltkrieges entwickelt und unter der Bezeichnung »Operations Research« bekannt wurden. Im Laufe der Zeit hat sich hieraus eine interdisziplinäre Forschungsrichtung entwickelt, die im deutschsprachigen Raum auch als Entscheidungsforschung, Unternehmensforschung oder Optimierungskunde bezeichnet wird. [Zimmermann, Hartmut (Hg.): DDR-Handbuch. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1985], S. 4719]
»Es galt zu untersuchen, ob die expandierende Brauerei einen stark vergrößerten Fuhrpark braucht oder ob es möglich ist, die Touren so zu optimieren, dass einerseits die strengen Anlieferzeiten des Handels berücksichtigt werden und andererseits die nötigen Investitionen auf einem notwendigen Minimum gehalten werden können«, so Jörg Lux, Professur für allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik und Unternehmensforschung im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. [Rhein-Zeitung, 29.07.2019]
Insgesamt bietet die Mathematik an der RWTH (= Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) für Studium und Forschung ein großes Spektrum von Möglichkeiten und Schwerpunkten[…], […] auch für viele neuere Themen oder Disziplinen: Numerische Mathematik und Optimierungsmethoden, dynamische Systeme und Computeralgebra, Spiel‑ und Graphentheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie und mathematische Statistik (Stochastik), Simulationsmethoden und Unternehmensforschung (bis 1979 existierte hierfür ein eigener Lehrstuhl). […] Die Möglichkeit, das Mathematikstudium mit einem Nebenfach wie Wirtschaftswissenschaft, Informatik oder Medizin zu verbinden, erweist sich im Hinblick auf Praxisbezug und Berufschancen als äußerst attraktiv. [Geschichte der Mathematik an der RWTH Aachen, 20.10.2014, aufgerufen am 31.08.2020]
Der Wirtschaftsinformatiker hat »FET« (= eine Anwendung, die nach bestimmten Vorgaben Stundenpläne generiert) installiert. An sich eine faszinierende Aufgabe, ein klassisches Problem der Unternehmensforschung. Genetische Algorithmen. Metaheuristik. Wie ein optimaler Stundenplan aussehen müsste? [Der Spiegel, 20.11.2006 (online)]

letzte Änderung:

Thesaurus

Mathematik
Synonymgruppe
Ablauf- und Planungsforschung · Unternehmensforschung · mathematische Entscheidungsvorbereitung
Oberbegriffe
Zitationshilfe
„Unternehmensforschung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unternehmensforschung>.

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