Unzucht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Unzucht · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Un-zucht
eWDG

Bedeutung

veraltend strafbare, das Sittlichkeitsgefühl verletzende, den Geschlechtstrieb befriedigende Handlung
Beispiele:
Unzucht mit Kindern, Tieren
widernatürliche, gewerbsmäßige Unzucht
wegen fortgesetzter Unzucht verurteilt werden
Unzucht treiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zucht · züchten · Züchter · züchtig · Gezücht · züchtigen · Unzucht · unzüchtig · Zuchthaus · Zuchtwahl
Zucht f. ‘das Aufziehen, Züchten (von Tieren und Pflanzen) und dessen Ergebnis, (strenge) Erziehung, Gehorsamkeit, Disziplin’, ahd. zuht ‘Unterhalt, Nahrung, Erziehung, Belehrung, Sprößling, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. zuht ‘das Ziehen, Zug, Richtung, Weg, Erziehung, Bildung, Strafe, feine Sitte und Lebensart, Ernährung, Unterhalt, Abstammung, das Aufgezogene’, asächs. tuht, mnd. tucht ‘Zug, Ziehen, Aufschub, Verzug, Frist, Erziehung, Bildung, das Aufgezogene’ (besonders vom Vieh), mnl. tocht, tucht ‘das Ziehen, Erziehung, Nutznießung, Höflichkeit’, nl. tocht, aengl. tyht ‘Lauf, Bewegung, Unterweisung’, anord. (wohl aus dem Mnd.) tykt ‘Zucht, Strafe’ sowie got. ustaúhts ‘Vollendung, Erfüllung’ sind ablautende Abstrakta mit ti-Suffix (germ. *tuhti-) zu dem unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verb. Sie bezeichnen zunächst ‘das Ziehen’ als Beihilfe bei der Geburt von Haustieren, danach die Ernährung und Pflege der Jungtiere sowie das Aufziehen von Pflanzen und (jungen) Menschen und (im menschlichen Bereich) Erziehung und Bildung. Mhd. zuht gehört im Sinne von ‘feine Sitte und höfische Lebensart’ zu den Kernbegriffen der mittelalterlich-höfischen Ethik. züchten Vb. ‘planmäßig und auswählend Pflanzen oder Tiere heranziehen’, ahd. zuhten (8. Jh.), mhd. zühten ‘nähren, aufziehen’. Züchter m. ‘wer planmäßig, auswählend, veredelnd Tiere und Pflanzen heranzieht’ (wohl erst 19. Jh.), zuvor frühnhd. ‘Lehrer, Erzieher’; vgl. ahd. zuhtāri ‘Ernährer, Erzieher’ (9. Jh.; zuhtāra f. ‘Ernährerin’, auch ‘Nachkommenschaft’, 8. Jh.), mhd. zühter ‘Vogeljunges’, auch ‘wer junge Tiere aufzieht’. züchtig Adj. ‘brav, anständig’, ahd. zuhtīg ‘geschult, maßvoll, zur Zucht fähig’ (10. Jh.), mhd. zühtec, zühtic ‘züchtigend, wohlgezogen, artig, höflich, gedeihlich, fruchtbringend’. Gezücht n. ‘Heran-, Aufgezogenes’, oft geringschätzig ‘Brut, Gesindel, Geschmeiß’, mhd. gezüchte; Kollektivum zu Zucht. Vgl. Otterngezüchte (Luther, Mt. 3,7). züchtigen Vb. ‘(körperlich) strafen’, mhd. zühtegen, zühtigen ‘durch Zucht erziehen, strafen, sich ziehen, bilden’; vgl. ahd. afterzuhtīg ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugend’ und (zweifelhaft) afterzuhtīgen ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugen’. Unzucht f. ‘unsittliche Handlung’, ahd. unzuht (10. Jh.), mhd. unzuht ‘Ungehörigkeit, Ungesittetheit, Roheit, Gewalttätigkeit, Unsittlichkeit’. unzüchtig Adj. ‘unsittlich’, ahd. unzuhtīg (10. Jh.), mhd. unzühtec, unzühtic ‘zuchtlos, unsittlich’. Zuchthaus n. ‘Strafanstalt’ (17. Jh.), ‘Wohngemeinschaft, Internat, Erziehungs-, Besserungsanstalt’ (16. Jh.). Zuchtwahl f. s. ↗Selektion.

Thesaurus

Synonymgruppe
Geilheit · ↗Laster · ↗Lüsternheit · ↗Schamlosigkeit · ↗Triebhaftigkeit · Unzucht
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Unzucht‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Unzucht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Unzucht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In Ihre Oper zu gehen ist also - öffentlich Unzucht treiben?
Bild, 24.10.2005
Diese Zucht ist eine miserable Zucht, eine verdammte Zucht, eine Unzucht.
Tucholsky, Kurt: Auf dem Nachttisch. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1931]
Er hat Unzucht mit dem Esel getrieben, der eigentlich kein Esel ist, sondern eine Eselin.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 219
Ich hatte über die Schotten der Unzucht geblickt, aber auch nicht weiter.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 216
Ein schreckliches Laster, in das sich so viele verirren, ist die Unzucht.
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 112
Zitationshilfe
„Unzucht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Unzucht>, abgerufen am 18.04.2021.

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