Urenkel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Urenkels · Nominativ Plural: Urenkel
Aussprache
WorttrennungUr-en-kel
Wortzerlegungur-Enkel
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Sohn des Enkels oder der Enkelin; Großenkel
Beispiele:
Auf einer der neueren Aufnahmen anlässlich des 90. Geburtstags von Königin Elizabeth II. sitzt Charlotte auf dem Schoß ihrer Urgroßmutter, umgeben von den sechs anderen jüngsten Enkeln und Urenkeln der Queen. [Spiegel, 01.05.2016 (online)]
»Das Gut fließt wie das Blut« – nach diesem Grundsatz aus dem Erbrecht geht das Vermögen eines Verstorbenen zunächst an Kinder, Enkel und Urenkel. Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen folgen auf der zweiten Ebene. [Die Zeit, 28.01.2016 (online)]
Die Laufbahn als Wissenschaftler schien für Hans Mommsen vorgezeichnet, entstammte er doch einer bedeutenden Historiker-Dynastie. So ist er Urenkel des legendären Liberalen und Althistorikers Theodor Mommsen, der 1902 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. [Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2015]
Besonders stolz sind die [Eheleute, die ihren 60. Hochzeitstag feiern] […] auf ihre große Familie. Dazu gehören neben den drei Kindern[…] mittlerweile auch sechs Enkelkinder und sogar drei Urenkel. [Potsdamer Neueste Nachrichten, 27.02.2004]
Gottfried, Sohn von Wolfgang Wagner, Enkel von Siegfried und Urenkel Richard Wagners hat vor allem dynastische Motive für diesen Schritt [seine Biographie zu veröffentlichen]. Abermals steht die Erbfolge an in Bayreuth, und er ist Wagner von Geblüt und ein Anwärter auf den Thron[…]. [Die Zeit, 21.02.1997, Nr. 9]
Kollokation:
mit Genitivattribut: der Urenkel des Firmengründers, der Monarchin, des deutschen Kaisers
2.
später Nachfahr, Nachkomme
Beispiele:
Ohio ist einst von Deutschen besiedelt worden, die nach Öl bohrten und Sümpfe trockenlegten. Ihre Urenkel sind immer noch hier, jeder zweite trägt einen deutschen Namen, der demokratische Kandidat für den Senat hieß Fingerhut. [Berliner Zeitung, 06.11.2004]
Jiddisch war vor dem Zweiten Weltkrieg in den Schtetln zu Hause, den jüdischen Dörfern und Stadtteilen Osteuropas, deren Bewohner meist sehr arm und sehr religiös waren. Dort entstanden viele der Lieder, die die Generation der Enkel und Urenkel jetzt wiederbelebt. [Süddeutsche Zeitung, 14.01.2012]
Der Einsatz von Technik verwandelt Natur in etwas, das mit immer mehr Technik kontrolliert werden muss. Man denke an den heutigen Reaktorabfall, der noch technisch betreut werden muss, wenn die Grabsteine unserer Urenkel längst zerfallen sind. [Der Tagesspiegel, 18.05.2001]
übertragen Die Sozialdemokratie verdankt seinem [Bismarcks] Dauer-Regime ihre erste Blüte, und in Hamburg wacht er [als Denkmal] seit 1906 vom Millerntor aus mit strengem Wohlwollen über das hanseatische Wirken der Enkel und Urenkel August Bebels[…]. [die tageszeitung, 18.07.1998]
Kollokation:
als Genitivattribut: die Generation der Urenkel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Enkel1 · Enkelin · Urenkel
Enkel1 m. ‘Sohn des Sohnes oder der Tochter’, in weiterem Sinne überhaupt ‘direkter Nachkomme in der dritten Generation’, im Plur. auch allgemein ‘künftige Geschlechter’. Ahd. eniklīn n. (Hs. 13. Jh.), mhd. eninklīn n. (12. Jh.), eninkel, enenkel m. ist eine Deminutivbildung zu ahd. ano ‘Vorfahre, Großvater’ (s. ↗Ahn) mit dem westgerm. Verkleinerungssuffix -(n)kl-, das im Ahd. stets zusammen mit ebenfalls deminutivem -ī(n) vorkommt; vgl. Kluge Stammbildungslehre 333 f. Offenbar wird bei den Germanen wie bei anderen ie. Völkern die Bindung zur übernächsten Generation als besonders stark angesehen, was oft auch in der Namengebung zum Ausdruck kommt. Vergleichbare Ableitungen außerhalb des Germ. sind lat. avunculus ‘Onkel’ von lat. avus ‘Großvater, Ahn’ (verwandt mit ↗Oheim, s. d.) und wahrscheinlich auch aslaw. vъnukъ, russ. vnuk (внук) ‘Enkel’, das sich von urslaw. *ъn-, wohl einer Ablautstufe der Wurzel ie. *an- ‘Vorfahre’ (s. ↗Ahn), herleitet. Im Dt. tritt Enkel seit dem 16. Jh. in der Literatursprache an die Stelle von ↗Neffe, ↗Kindeskind (s. d.) und landschaftlichem Diechter (s. ↗Dirne), die zuvor in gleicher Bedeutung gebräuchlich sind. Dabei setzt sich die heutige zweisilbige Form vom 16. Jh. an gegenüber einer Vielzahl frühnhd. Varianten (noch im 17. Jh. Enenckel, Enickel, Enencklein, Encklein) durch. Enkel, vereinzelt noch im 18. Jh. als Neutr. verwendet, gilt zunächst für die Nachkommen beiderlei Geschlechts in der dritten Generation; daneben wird seit dem 17. Jh. die Ableitung Enkelin f. üblich (ein vereinzelter Frühbeleg bereits 14. Jh.), die Adelung jedoch 1774 noch ablehnt. Urenkel m. ‘direkter Nachkomme in der vierten Generation’, spätmhd. ureniklīn (s. ↗ur-) nach dem Vorbild von mhd. urane (s. ↗Ahn). Vgl. Erben Festschr. Dam (1977) 101 ff.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bankier Dialog Einwanderer Enkel Enkelin Enkelkind Firmengründer Geburt Generation Gründer Hotelgründer Kaiser Kanzler Kind Komponist Konzerngründer König Königin Prinz Sklave Sohn Sonnenkönig Tochter Unternehmensgründer Ur-Ur-Enkel Urenkel Urenkelin Urgroßvater Ururenkel hinterlassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Urenkel‹.

Zitationshilfe
„Urenkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Urenkel>, abgerufen am 24.10.2019.

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