Urteil, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Urteils · Nominativ Plural: Urteile
Aussprache
WorttrennungUr-teil
Wortbildung mit ›Urteil‹ als Erstglied: ↗Urteilsbegründung · ↗Urteilsfindung · ↗Urteilsformel · ↗Urteilskraft · ↗Urteilssprechung · ↗Urteilsspruch · ↗Urteilstenor · ↗Urteilsverkündung · ↗Urteilsvermögen · ↗Urteilsvollstreckung · ↗urteilsfähig · ↗urteilslos
 ·  mit ›Urteil‹ als Letztglied: ↗BGH-Urteil · ↗Bluturteil · ↗Einzelurteil · ↗Endurteil · ↗Fachurteil · ↗Fehlurteil · ↗Gerichtsurteil · ↗Gesamturteil · ↗Geschmacksurteil · ↗Gottesurteil · ↗Grundsatzurteil · ↗Kollektivurteil · ↗Nichtigkeitsurteil · ↗Pauschalurteil · ↗Prozessurteil · ↗Qualitätsurteil · ↗Revisionsurteil · ↗Scheidungsurteil · ↗Schiedsrichterurteil · ↗Schiedsurteil · ↗Schlussurteil · ↗Teilurteil · ↗Terrorurteil · ↗Todesurteil · ↗Verfassungsgerichtsurteil · ↗Vorurteil · ↗Wahrnehmungsurteil · ↗Werturteil · ↗Willkürurteil · ↗Zwischenurteil
 ·  mit ›Urteil‹ als Grundform: ↗urteilen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
richterlicher Entscheid im Zivilprozess oder Strafprozess, der den endgültigen oder teilweisen Abschluss eines gerichtlichen Verfahrens bildet
Beispiele:
ein gerechtes, hartes, mildes Urteil
ein salomonisches (= sehr weises) Urteil
der weltweite Protest gegen dieses barbarische Urteil
das Urteil ist rechtskräftig, rechtsgültig, rechtswidrig
das Urteil ergeht gegen N
ein Urteil fällen, vollziehen, vollstrecken
in dieser Sache ist das Urteil noch nicht gesprochen (= diese Sache ist noch nicht entschieden)
das Urteil wird im Namen des Volkes verkündet
die mitwirkenden Richter und Schöffen unterzeichnen das Urteil
ein Urteil anfechten, aufheben
Juraein Urteil kassieren
Juragegen ein Urteil Berufung einlegen
übertragenmit dieser Erklärung hat er sich selbst das, sein Urteil gesprochen (= hat er sich bloßgestellt, sich berechtigter Kritik ausgesetzt)
denn nun mußte das Urteil fallen [le FortTor65]
das Urteil lautet auf Todesstrafe, zu vollziehen durch Erschießen [SteinbergUhren425]
2.
Meinung, Ansicht, Einschätzung
Beispiele:
ein sicheres, treffendes, abgewogenes, ruhiges, leidenschaftsloses, sachliches, reifes, vernichtendes, vorschnelles Urteil
das unbestechliche Urteil der Sachverständigen
ein gesundes Urteil (= Urteilsvermögen) haben
die Fachleute haben darüber noch kein einhelliges Urteil
er konnte sich [Dativ] noch kein Urteil über die Sachlage bilden
N hat über dieses Werk ein vernichtendes Urteil abgegeben
ich will Ihrem Urteil nicht vorgreifen, glaube aber, dass ...
ich maße mir kein Urteil an, nur möchte ich zu bedenken geben, dass …
er hat sich [Dativ] sein endgültiges Urteil noch vorbehalten
er hatte […] ein kluges Urteil, kein vorwitziges, frühreifes [Feuchtw.Füchse723]
Ich habe darüber natürlich gar kein Urteil und kaum Vermutungen [Neue Rundschau1957]
3.
Wissenschaft Inhalt einer Widerspiegelung eines Sachverhaltes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter ↗erteilen (s. ↗Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ↗ur- und ↗er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beschluss · ↗Entscheidung · ↗Entschlossenheit · ↗Entschluss · ↗Ratschluss · Urteil · ↗Wille  ●  ↗Entscheid  schweiz. · das letzte Wort  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • unter Druck stehen · unter Handlungszwang stehen · unter Zugzwang stehen
  • Willensfreiheit · freier Wille
Synonymgruppe
Ausspruch · Urteil  ●  ↗Diktum  geh.
Synonymgruppe
Spruch · Urteil · ↗Urteilsspruch  ●  ↗Verdikt  veraltet
Synonymgruppe
Abschätzung · ↗Begutachtung · ↗Beurteilung · ↗Bewertung · ↗Einschätzung · ↗Gutachten · Urteil
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Jura
Synonymgruppe
Aburteilung · ↗Gerichtsurteil · ↗Richterspruch · Urteil · ↗Urteilsspruch
Unterbegriffe
Assoziationen
Kunst
Synonymgruppe
Besprechung · ↗Durchsicht · ↗Einschätzung · ↗Kritik · ↗Rezension · Urteil · kritische Würdigung  ●  ↗Beurteilung  Hauptform
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amtsgericht Begründung Berufung Bundesarbeitsgericht Bundesgerichtshof Bundesverfassungsgericht Bundesverwaltungsgericht Gericht Gerichtshof Instanz Landgericht Oberlandesgericht Revision Verfassungsgericht Verwaltungsgericht abschließend aufheben ausfallen bestätigen einlegen endgültig ergehen fällen hart lauten mild rechtskräftig verkünden vernichtend veröffentlicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Urteil‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Urteil bedeute nicht, dass die Wände weiß gestrichen werden müssen.
Die Zeit, 06.11.2013 (online)
Aber die Frage ist doch: woher beziehen Sie dieses Urteil?
Archiv der Gegenwart, 2001 [1974]
Quellen erlaubt andererseits nicht, ein Urteil über sein Werk zu geben.
Smet, Monique De: Richard. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 43928
Ein vernichtenderes Urteil könnte kaum über eine Organisation gefällt werden.
o. A.: Zweihundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 29. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 32075
Nach der modernen Logik ist das Urteil die primitive logische Funktion.
Schädel, E.: Das Sprechenlernen unserer Kinder, Leipzig: Brandstetter 1905, S. 378
Zitationshilfe
„Urteil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Urteil>, abgerufen am 13.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Urszene
Ursuppe
Ursuline
Urstromtal
Urstrom
Urteilchen
urteilen
Urteilsabfassung
Urteilsbegründung
Urteilsbildung