Urteilsgrund, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Urteilsgrund(e)s · Nominativ Plural: Urteilsgründe · wird meist im Plural verwendet
Aussprache [ˈʊʁtaɪ̯lsˌgʀʊnt]
Worttrennung Ur-teils-grund
Wortzerlegung UrteilGrund
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Recht der Tatbestand, Sachverhalt, auf dessen Grundlage ein Gericht ein Urteil ausspricht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die schriftlichen Urteilsgründe
als Aktivsubjekt: die Urteilsgründe liegen (noch nicht) vor
Beispiele:
Der Sinn und die Begründung für die [von einem Gericht ausgesprochene] Urteilsformel […] ergeben sich erst aus den »Urteilsgründen«. [Die Zeit, 14.03.2017 (online)]
Die Richter begründeten ihr Urteil noch nicht, ließen aber Revision zu. Die schriftlichen Urteilsgründe sollen bis Ende November vorliegen […]. [Die Zeit, 02.11.2015 (online)]
Denn das Sozialgericht […] Berlin hält die aktuellen [Hartz-IV-]Sätze immer noch für unzureichend und nicht transparent[…]. Das BSG (= Bundessozialgericht in Kassel) zeigte sich von den Berliner Urteilsgründen nicht überzeugt. [Die Welt, 13.07.2012]
Die Russen demontierten und enteigneten Flicks mitteldeutsche Großbetriebe, die Amerikaner steckten den […] Großindustriellen in ein Internierungslager und stellten ihn 1947 vor das Nürnberger Tribunal, das ihn zu sieben Jahren Kriegsverbrecherhaft verurteilte. (Die Urteilsgründe waren sehr dubios. Sowohl die britische als auch die französische Regierung hatten eine Beteiligung an dem Verfahren abgelehnt.) [Der Spiegel, 03.08.1955, Nr. 32]
So wurde 1983 ein Mann zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil er in einem privaten Brief […] seiner Freundin schilderte, daß er nach einem Ausreiseantrag von der Stasi verprügelt worden ist. Urteilsgrund: »öffentliche Herabwürdigung staatlicher Organe«[…]. [Die Zeit, 21.02.1992, Nr. 09] ungewöhnl. Sg.
2.
gemeinsprachlich Sachverhalt, auf dessen Grundlage sich jmd. ein Urteil, eine Meinung über etw. bildet
Beispiele:
[…] diese jugendliche manisch‑depressive Grundstimmung, die zwischen Selbstüberschätzung und Ausweglosigkeiten hin und her stürzt, ohne sicheren Urteilsgrund für eigenes Handeln, ist […] nicht erst seit gestern kennzeichnend für politische Entscheidungen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2005]
Im April fand sich der Magistrat doch noch zur Einrichtung einer dritten Sexta für die bisher nicht zugelassenen Schüler bereit, jedoch […] »ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs und jederzeit frei widerruflich«. Der Senat erklärte in seinen Urteilsgründen, die Aufnahme von Schülern in Mittel‑ und Oberschulen sei eine Aufgabe der staatlichen Schulverwaltung; der Magistrat einer Stadt sei nicht befugt, für die von ihm unterhaltenen öffentlichen Schulen zusätzliche Weisungen zu erteilen. [Die Zeit, 24.03.1955, Nr. 12]

Typische Verbindungen zu ›Urteilsgrund‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

BundesgerichtshofBeispielsätze anzeigen PrüfungBeispielsätze anzeigen VorliegeBeispielsätze anzeigen VorliegenBeispielsätze anzeigen abwartenBeispielsätze anzeigen schriftlichBeispielsätze anzeigen veröffentlicht vorliegenBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Urteilsgrund‹.

Zitationshilfe
„Urteilsgrund“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Urteilsgrund>, abgerufen am 25.11.2020.

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