Utopie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Utopie · Nominativ Plural: Utopien
Aussprache
WorttrennungUto-pie
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Utopie‹ als Erstglied: ↗utopisch  ·  mit ›Utopie‹ als Letztglied: ↗Sozialutopie  ·  mit ›Utopie‹ als Grundform: ↗Utopist
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage für eine Verwirklichung
Beispiele:
phantastische, geniale Utopien
lange Zeit hielt man die Weltraumfahrt des Menschen für eine Utopie
2.
Idealbild eines nicht oder nur unter anderen historischen Bedingungen zu verwirklichenden künftigen Gesellschaftszustandes
Beispiele:
eine soziale, moralische Utopie
Der Müller war sozialistischen Utopien und genossenschaftlichen Experimenten geneigt [G. Hauptm.Quint1,204]
Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft [EngelsEntwicklungTitel]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Utopie · utopisch · utopistisch · Utopist
Utopie f. ‘Idealbild von gesellschaftlichen Verhältnissen, die nicht oder unter den gegebenen Bedingungen nicht zu verwirklichen sind, phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage, Wunschtraum, Hirngespinst’ (1. Hälfte 19. Jh.). Der Ausdruck geht zurück auf nlat. Utopia, eine Wortschöpfung des englischen Humanisten Thomas Morus (1516 „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“, wo das Bild eines republikanischen Idealstaates entworfen wird). Er ist gebildet zu griech. ū (οὐ) ‘nicht’ und tópos (τόπος) ‘Ort, Stelle, Gegend, Land’, also eigentlich ‘Nirgendland’. Daraus im Dt. Utópien ‘Traumland’ (1. Hälfte 16. Jh.) und Utopia (Anfang 17. Jh.), danach (unter Einfluß von frz. utopie) in der oben genannten Form und Bedeutung. utopisch Adj. ‘nur in der Vorstellung möglich, nicht durchführbar, phantastisch’ (2. Hälfte 17. Jh.) und gleichbed. utopistisch Adj. (Mitte 19. Jh.); vgl. utopistischer Sozialismus (Marx und Engels 1848), dann utopischer Sozialismus. Utopist m. ‘wer phantastische, aber undurchführbare Pläne oder Vorstellungen hat’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(positive) Utopie · ↗Ideal · ↗Vision · ↗Vorbild · ↗Vorstellung · ↗Zukunftsbild
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Geist Ideologie Moderne Realität Scheitern Sozialismus Utopie Verwirklichung Vision Wirklichkeit entwerfen gelebt gescheitert gesellschaftlich gewandt kommunistisch konkret link marxistisch negativ real rein revolutionär romantisch rückwärtsgewandt sozialistisch totalitär verloren verwirklichen verwirklicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Utopie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die widerspruchsfreie Welt gibt es aber nur in der Utopie klassischer Marxisten.
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2003
Auch bei der Darstellung technischer Utopien ist im Roman mehr möglich als im Film.
Der Tagesspiegel, 21.03.2002
Gleichwohl vollzieht sich auch hier das perverse Gesetz der Utopie.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 2
Nicht sosehr die Utopie selbst war es, wodurch sie sich voneinander unterschieden, als vielmehr der Weg, den sie einschlugen, um sie zu verwirklichen.
Bauer, Wolfgang: China. Verwirklichungen einer Utopie. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 22789
Vom Besonderen dieser Utopie, auch von den phantastischen Teilen, zeigen die erhaltenen Fragmente nur ein blasses Bild.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 47
Zitationshilfe
„Utopie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Utopie>, abgerufen am 19.12.2018.

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