Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Utopie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Utopie · Nominativ Plural: Utopien
Aussprache 
Worttrennung Uto-pie
Wortbildung  mit ›Utopie‹ als Erstglied: Utopismus · Utopist · utopisch
 ·  mit ›Utopie‹ als Letztglied: Anti-Utopie · Antiutopie · Sozialutopie
Herkunft aus gleichbedeutend Utopianlat < ūgriech (οὐ) ‘nicht’ + tóposgriech (τόπος) ‘Ort, Stelle, Gegend, Land’
eWDG

Bedeutungen

1.
phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage für eine Verwirklichung
Beispiele:
phantastische, geniale Utopien
lange Zeit hielt man die Weltraumfahrt des Menschen für eine Utopie
2.
Idealbild eines nicht oder nur unter anderen historischen Bedingungen zu verwirklichenden künftigen Gesellschaftszustandes
Beispiele:
eine soziale, moralische Utopie
Der Müller war sozialistischen Utopien und genossenschaftlichen Experimenten geneigt [ G. Hauptm.Quint1,204]
Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft [ EngelsEntwicklungTitel]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Utopie · utopisch · utopistisch · Utopist
Utopie f. ‘Idealbild von gesellschaftlichen Verhältnissen, die nicht oder unter den gegebenen Bedingungen nicht zu verwirklichen sind, phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage, Wunschtraum, Hirngespinst’ (1. Hälfte 19. Jh.). Der Ausdruck geht zurück auf nlat. Utopia, eine Wortschöpfung des englischen Humanisten Thomas Morus (1516 „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“, wo das Bild eines republikanischen Idealstaates entworfen wird). Er ist gebildet zu griech. ū (οὐ) ‘nicht’ und tópos (τόπος) ‘Ort, Stelle, Gegend, Land’, also eigentlich ‘Nirgendland’. Daraus im Dt. Utópien ‘Traumland’ (1. Hälfte 16. Jh.) und Utopia (Anfang 17. Jh.), danach (unter Einfluß von frz. utopie) in der oben genannten Form und Bedeutung. utopisch Adj. ‘nur in der Vorstellung möglich, nicht durchführbar, phantastisch’ (2. Hälfte 17. Jh.) und gleichbed. utopistisch Adj. (Mitte 19. Jh.); vgl. utopistischer Sozialismus (Marx und Engels 1848), dann utopischer Sozialismus. Utopist m. ‘wer phantastische, aber undurchführbare Pläne oder Vorstellungen hat’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(positive) Utopie · Ideal · Vision · Vorbild · Vorstellung · Zukunftsbild
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Utopie‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Utopie‹.

Verwendungsbeispiele für ›Utopie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Keiner unter den abstrakten Begriffen kommt der erfüllten Utopie näher als der vom ewigen Frieden. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 200]
Über das Schicksal ihrer Utopien hat das Leben schon entschieden. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 902]
Die Utopie der Erkenntnis wäre, das Begriffslose mit Begriffen aufzutun, ohne es ihnen gleichzumachen. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 618]
Das ist verständlich, denn sie scheint leichter zu verwirklichen als die politische Utopie. [Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 14]
Die Utopie der gerechten Welt, die man nie erreicht hat, wird nun wahr. [konkret, 1999]
Zitationshilfe
„Utopie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Utopie>.

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