Vasalleneid, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Vasalleneid(e)s · Nominativ Plural: Vasalleneide
Aussprache  [vaˈzalənˌʔaɪ̯t]
Worttrennung Va-sal-len-eid
Wortzerlegung  Vasall Eid
eWDG und ZDL

Bedeutung

historisch Schwur der Vertragstreue, den ein Vasall seinem Lehnsherrn leisten muss
Beispiele:
Künstler und Schriftsteller ließen ihrer Phantasie freien Lauf und schufen sich ihr eigenes Bild des Wikingerfürsten Rollo, der 911 vor dem westfränkischen König Karl dem Kahlen den Vasalleneid abgelegt hatte. [Der Tagesspiegel, 06.11.1998]
Tassilo aus dem Geschlecht der Agilolfinger wurde 748 Herzog in Bayern und regierte unabhängig von seinem Onkel Pippin, gegen dessen Willen schloss er ein Bündnis mit den Langobarden. Obwohl er Pippin den Vasalleneid leistete, verließ er ihn bei einem Feldzug nach Aquitanien. [Münchner Merkur, 03.12.2016]
Und Nick? Als Erbe einer heruntergekommenen Baronie hat er nicht nur wirtschaftliche Probleme zu bewältigen. Als Earl steht er auch mitten im politischen Geschehen seiner Zeit. Auf einer Seite ist er dem König den Vasalleneid schuldig, auf der anderen Seite steht eben Mary. [Rebecca Gablé: Der dunkle Thron, 19.09.2011, aufgerufen am 31.08.2020]
Nach einem erneuten Verbot aller »privaten« Schwurgemeinschaften (803 und 805) wurde die Eidesleistung als solche 805 eingeschränkt auf den Eid an den Kaiser (Untertaneneid), den Vasalleneid, der den Kaiser einschloß, und den Gerichtseid, das heißt auf die Verpflichtung gegenüber Gott und dem Herrscher. [Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3738]
Bei der erneuten Eidesleistung im Jahre 802 für den nunmehrigen Kaiser ließ Karl [der Große] eine besondere Belehrung über die aus diesem Eide entspringenden Pflichten verbreiten. Dabei wird besonders hervorgehoben, daß der Eid nicht bloß für die Lebenszeit des Kaisers binde – auch daran erkennt man wieder, daß der Vasalleneid die herrschende Vorstellung ist, aus dem jetzt der Untertaneneid neu herausgebildet wird. Denn der Vasalleneid ist seinem Begriffe nach rein persönlich, schafft keine Verbindung mit den Erben, der Familie, die vielmehr einen neuen zweiseitigen Akt erfordert. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte – Dritter Teil: Das Mittelalter. Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1907], S. 2247]
übertragen Im Kern geht es darum, wer Österreichs Stromkaiser wird und wer den Vasalleneid leisten muss. [Der Standard, 18.02.2001]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Zitationshilfe
„Vasalleneid“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vasalleneid>, abgerufen am 21.09.2021.

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