Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Vasallenpflicht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Vasallenpflicht · Nominativ Plural: Vasallenpflichten
Aussprache  [vaˈzalənˌpflɪçt]
Worttrennung Va-sal-len-pflicht
Wortzerlegung Vasall Pflicht
eWDG und ZDL

Bedeutung

historisch Verhalten, Handeln, das ein Vasall durch seinen Eid seinem Lehnsherrn schuldet
Beispiele:
Der Grund‑ und Landesherr konnte demjenigen, der um der Übung des Glaubens willen Grundherrschaft oder Territorium verlassen wollte, nicht eine bestehende Dienst‑ oder Vasallenpflicht entgegenhalten, die den Wegzug nicht zulasse. [Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2001]
Der Reineke Fuchs, auf dem Höhepunkt der Französischen Revolution geschrieben, sitzt wie ein später Fremdkörper schon in seiner eigenen Epoche. Das lang überwundene Feudalwesen mit seinen Reichstagen, Vasallenpflichten, Urfehden ist wie selbstverständlich vorausgesetzt. [Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008]
Es war ein Land, das auf zwei Jahrhunderte den siegreichen polnischen Königen Vasallenpflichten schuldete, bis der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm sich zum »Supremus Dux in Prussia« erhob: souveräner Herzog in Preußen, der Name entlehnt einem jener baltischen Stämme, den Pruzzen, von denen man, außer dem Namen, kaum etwas weiß. [Berliner Morgenpost, 02.03.2008]
Da Johann [der englische König Johann Ohneland] nicht erschien, wurde er am 28. April 1202, da er gegen seine Vasallenpflichten verstoßen habe, zur Einziehung seiner französischen Lehen verurteilt. [Ganshof, François Louis: Das Hochmittelalter. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 7753]
Man unterschied im französischen Lehensrecht das homagium simplex, den Lehenseid mit stillschweigendem Vorbehalt anderweit bestehender Pflichten[,] von dem homagium ligium, dem bedingungslosen Lehenseid, der, so zu sagen, die erste Hypothek auf die Lehenstreue gab, allen andern Pflichten vorging und also nur einem Herren geleistet werden konnte, und es war für die Entwicklung der Machtstellung des französischen Königtums von Bedeutung, daß es ihm gelang, von den großen Lehensfürsten die letztere Form zu erzwingen. Aber im übrigen ergab die Möglichkeit einer Mehrseitigkeit der Vasallenpflichten natürlich deren weitgehende Entwertung. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.): Grundriß der Sozialökonomik. Tübingen: Mohr 1922 [1909–1914, 1918–1920], S. 735]
übertragen Plötzlich erinnert sich das Land, daß der Premierminister [John] Major auch in heroischen Zeiten seinen Mann gestanden hatte – beim ersten Krieg gegen den Irak war er es gewesen, der »Schulter an Schulter« seine Vasallenpflicht erfüllte, wenn auch ohne die heute üblichen, flink polierten Schlagworte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2003]

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Zitationshilfe
„Vasallenpflicht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Vasallenpflicht>.

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