Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ventil, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ventils · Nominativ Plural: Ventile
Aussprache 
Worttrennung Ven-til
Wortbildung  mit ›Ventil‹ als Erstglied: Ventilgummi · Ventilkappe · Ventilklappe · Ventilklausel · Ventilwächter
 ·  mit ›Ventil‹ als Letztglied: Abblaseventil · Abflussventil · Ablassventil · Abschlussventil · Absperrventil · Abstellventil · Auslassventil · Autoventil · Dampfventil · Drehventil · Drosselventil · Druckventil · Einlassventil · Entlüftungsventil · Fahrradventil · Gasventil · Kegelventil · Kugelventil · Reduzierventil · Rohrventil · Rückschlagventil · Schlauchventil · Schwimmerventil · Sicherheitsventil · Steuerungsventil · Steuerventil · Tellerventil · Überdruckventil · Überlaufventil
 ·  mit ›Ventil‹ als Binnenglied: Mehrventiler
Herkunft aus ventilemlat ‘Schleuse (an einem Wasserkanal), Windmühle’ < ventuslat ‘Wind’
eWDG

Bedeutungen

1.
Technik Vorrichtung, durch die das Einlassen, Austreten von Flüssigkeiten und Gasen gesteuert werden kann
Beispiele:
das Ventil eines Dampfkessels, Fahrradschlauches
das Ventil öffnen, schließen, aufdrehen, zudrehen
das Ventil ist undicht
das Ventil schließt gut, schlecht, nicht
das Ventil ist verstopft
die Ventile (am Fahrzeugreifen) auswechseln
übertragen
Beispiel:
er braucht, sucht ein Ventil für seinen Zorn, seine Wut (= sucht seinen Zorn, seine Wut an jmdm. auszulassen)
2.
Musik
a)
bei Blechblasinstrumenten   Mechanismus, der die Grundstimmung verändert
b)
an der Orgel   Klappe, die die Windzufuhr zu den Pfeifen reguliert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ventil · ventilieren · Ventilation · Ventilator
Ventil n. ‘Absperrvorrichtung, den Durchlaß flüssiger oder gasförmiger Stoffe regelnder Mechanismus’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh., Paracelsus) aus mlat. ventile ‘Schleuse (an einem Wasserkanal), Windmühle’; zu lat. ventus ‘Wind’. Speziell bei der Orgel ‘Klappe, die die Zufuhr des Luftstroms zu den Pfeifen reguliert’, bei Blechblasinstrumenten ‘mechanische Vorrichtung, die das Erzeugern aller Töne der chromatischen Tonleiter ermöglicht’ (2. Hälfte 16. Jh.); in übertragenem Sinne ‘offengehaltene Möglichkeit, Mittel zum Abbau aufgestauter Emotionen’ (vereinzelt Ende 16. Jh., häufig seit Mitte 19. Jh.). ventilieren Vb. ‘Wind, einen Luftstrom erzeugen, einen Raum (be)lüften’ (17. Jh.), ‘mit einer Lüftungsanlage versehen’ (19. Jh.), zuvor (vereinzelt, dem Lat. unmittelbar folgend) ‘schwingen, in die Luft werfen, worfeln’ (2. Hälfte 16. Jh.), bildlich ‘eingehend erörtern, sorgfältig erwägen, von allen Seiten durchdenken’ (Anfang 17. Jh.), aus lat. ventilāre ‘etw. in der, in die Luft schwenken, schwingen (um es zu lüften, zu reinigen), worfeln, Kühlung zufächeln’, spätlat. ‘beunruhigen, hin und her überlegen, besprechen, erörtern’; zu lat. ventulus ‘schwacher Wind’, Deminutivum von lat. ventus ‘Wind’. Ventilation f. ‘Lufterneuerung, (Be)lüftung, Luftwechsel, (Be)lüftungsanlage’ (Mitte 18. Jh.), lat. ventilātio (Genitiv ventilātiōnis) ‘das Lüften (der Weintrauben), das Worfeln (des Getreides)’; vgl. früher bezeugtes mfrz. frz. engl. ventilation ‘Erzeugung eines Luftstroms, (Be)lüftung’. Ventilator m. ‘Gerät zur Bewegung der Luft und zur Erzeugung eines Luftstroms (zur Kühlung), Vorrichtung zur Lufterneuerung oder Luftumwälzung’ (Mitte 18. Jh.), so benannt (1743) von seinem englischen Erfinder St. Hales, zu engl. to ventilate ‘einen Luftstrom erzeugen, mit Frischluft versorgen’, aus lat. ventilāre (s. oben); vgl. lat. ventilātor ‘Schwinger, Getreideworfler, Beunruhiger, Antreiber’.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Ventil [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]

Typische Verbindungen zu ›Ventil‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ventil‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ventil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein Zorn, der nun doch da war, brauchte ein Ventil. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 366]
Auch alle planmäßig pädagogisch eingebauten Ventile wird man sorgfältig unbenutzt lassen. [Schelsky, Helmut: Die skeptische Generation, Düsseldorf: Diederichs 1957, S. 617]
Es gab kein überschüssiges Land mehr, kein Ventil für Übervölkerung. [Barraclough, Geoffrey: Das europäische Gleichgewicht und der neue Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 4517]
Die Religion besitze aber eine große Kraft als Ventil für die Opposition. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1987]]
Der Mann, der bestimmt ein friedlicher Bürger ist, läßt hier wie aus einem Ventil seine gefährlichen Emotionen auspuffen, die er anderswo nicht ungestraft entladen dürfte. [Tucholsky, Kurt: Der Sadist der Landwehr. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914]]
Zitationshilfe
„Ventil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ventil>.

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