Ventil, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ventils · Nominativ Plural: Ventile
Worttrennung Ven-til
Herkunft Latein
Wortbildung  mit ›Ventil‹ als Erstglied: ↗Ventilgummi · ↗Ventilklappe · ↗Ventilwächter
 ·  mit ›Ventil‹ als Letztglied: ↗Abblaseventil · ↗Abflussventil · ↗Ablassventil · ↗Abschlussventil · ↗Absperrventil · ↗Abstellventil · ↗Auslassventil · ↗Autoventil · ↗Dampfventil · ↗Drehventil · ↗Drosselventil · ↗Druckventil · ↗Einlassventil · ↗Fahrradventil · ↗Kegelventil · ↗Kugelventil · ↗Rohrventil · ↗Schlauchventil · ↗Schwimmerventil · ↗Sicherheitsventil · ↗Tellerventil · ↗Überdruckventil · ↗Überlaufventil
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Technik Vorrichtung, durch die das Einlassen, Austreten von Flüssigkeiten und Gasen gesteuert werden kann
Beispiele:
das Ventil eines Dampfkessels, Fahrradschlauches
das Ventil öffnen, schließen, aufdrehen, zudrehen
das Ventil ist undicht
das Ventil schließt gut, schlecht, nicht
das Ventil ist verstopft
die Ventile (am Fahrzeugreifen) auswechseln
übertragen
Beispiel:
er braucht, sucht ein Ventil für seinen Zorn, seine Wut (= sucht seinen Zorn, seine Wut an jmdm. auszulassen)
2.
Musik
a)
bei Blechblasinstrumenten   Mechanismus, der die Grundstimmung verändert
b)
an der Orgel   Klappe, die die Windzufuhr zu den Pfeifen reguliert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ventil · ventilieren · Ventilation · Ventilator
Ventil n. ‘Absperrvorrichtung, den Durchlaß flüssiger oder gasförmiger Stoffe regelnder Mechanismus’, entlehnt (1. Hälfte 16. Jh., Paracelsus) aus mlat. ventile ‘Schleuse (an einem Wasserkanal), Windmühle’; zu lat. ventus ‘Wind’. Speziell bei der Orgel ‘Klappe, die die Zufuhr des Luftstroms zu den Pfeifen reguliert’, bei Blechblasinstrumenten ‘mechanische Vorrichtung, die das Erzeugern aller Töne der chromatischen Tonleiter ermöglicht’ (2. Hälfte 16. Jh.); in übertragenem Sinne ‘offengehaltene Möglichkeit, Mittel zum Abbau aufgestauter Emotionen’ (vereinzelt Ende 16. Jh., häufig seit Mitte 19. Jh.). ventilieren Vb. ‘Wind, einen Luftstrom erzeugen, einen Raum (be)lüften’ (17. Jh.), ‘mit einer Lüftungsanlage versehen’ (19. Jh.), zuvor (vereinzelt, dem Lat. unmittelbar folgend) ‘schwingen, in die Luft werfen, worfeln’ (2. Hälfte 16. Jh.), bildlich ‘eingehend erörtern, sorgfältig erwägen, von allen Seiten durchdenken’ (Anfang 17. Jh.), aus lat. ventilāre ‘etw. in der, in die Luft schwenken, schwingen (um es zu lüften, zu reinigen), worfeln, Kühlung zufächeln’, spätlat. ‘beunruhigen, hin und her überlegen, besprechen, erörtern’; zu lat. ventulus ‘schwacher Wind’, Deminutivum von lat. ventus ‘Wind’. Ventilation f. ‘Lufterneuerung, (Be)lüftung, Luftwechsel, (Be)lüftungsanlage’ (Mitte 18. Jh.), lat. ventilātio (Genitiv ventilātiōnis) ‘das Lüften (der Weintrauben), das Worfeln (des Getreides)’; vgl. früher bezeugtes mfrz. frz. engl. ventilation ‘Erzeugung eines Luftstroms, (Be)lüftung’. Ventilator m. ‘Gerät zur Bewegung der Luft und zur Erzeugung eines Luftstroms (zur Kühlung), Vorrichtung zur Lufterneuerung oder Luftumwälzung’ (Mitte 18. Jh.), so benannt (1743) von seinem englischen Erfinder St. Hales, zu engl. to ventilate ‘einen Luftstrom erzeugen, mit Frischluft versorgen’, aus lat. ventilāre (s. oben); vgl. lat. ventilātor ‘Schwinger, Getreideworfler, Beunruhiger, Antreiber’.

Thesaurus

Technik
Synonymgruppe
Ventil [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Unterbegriffe
  • Blitzventil · Dunlop-Ventil · Normalventil · Patentventil · Woodventil · deutsches Ventil
  • Prestaventil · Sclaverand-Ventil  ●  Rennventil  ugs. · SV-Ventil  fachspr. · französisches Ventil  ugs., Hauptform
  • Autoventil · Schraderventil  ●  amerikanisches Ventil  ugs.
  • Druckminderer · Druckminderungsventil · ↗Reduzierventil
  • Konvektionsbremse · Konvektionssperre · Schwerkraftbremse
  • Sperrblock · Zwillingsrückschlagventil
  • DBV · Druckbegrenzungsventil · ↗Überdruckventil
  • Düse · ↗Einspritzdüse · Einspritzventil · ↗Injektor
  • Gasmangelsicherung · Gasmangelventil
  • Drosselventil · Expansionsventil
  • Wasserhahn  ●  ↗Wasserkran  ugs.
  • Absperrventil · Sperrventil

Typische Verbindungen zu ›Ventil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ventil‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ventil‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jetzt hat er offenbar ein wirksames Ventil für seinen Ärger gefunden.
Die Welt, 20.02.2003
Doch in mechanische Bewegungen der Ventile umgesetzt ist es extrem kompliziert.
Der Tagesspiegel, 22.02.2001
Ein Ventil am unteren Teil des Behälters war so justiert, daß ein niedriger gelegener Tank in genau 24 Stunden aufgefüllt wurde.
o. A.: Lexikon der Kunst - T. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 45610
Es gab kein überschüssiges Land mehr, kein Ventil für Übervölkerung.
Barraclough, Geoffrey: Das europäische Gleichgewicht und der neue Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 4517
Auch alle planmäßig pädagogisch eingebauten Ventile wird man sorgfältig unbenutzt lassen.
Schelsky, Helmut: Die skeptische Generation, Düsseldorf: Diederichs 1957, S. 617
Zitationshilfe
„Ventil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ventil>, abgerufen am 06.06.2020.

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