Verantwortung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verantwortung · Nominativ Plural: Verantwortungen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungVer-ant-wor-tung
Wortzerlegungverantworten-ung
Wortbildung mit ›Verantwortung‹ als Erstglied: ↗Verantwortungsbereich · ↗Verantwortungsbewusstsein · ↗Verantwortungsgefühl · ↗Verantwortungssinn · ↗Verantwortungsträger · ↗verantwortungsbewusst · ↗verantwortungsfreudig · ↗verantwortungslos · ↗verantwortungsreich · ↗verantwortungsschwer · ↗verantwortungsvoll
 ·  mit ›Verantwortung‹ als Letztglied: ↗Alleinverantwortung · ↗Eigenverantwortung · ↗Führungsverantwortung · ↗Gesamtverantwortung · ↗Hauptverantwortung
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
(mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene) Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht
Beispiele:
Wichtigste Neuerung [in einem Regelwerk der Regierung für selbstfahrende Autos]: Der Mensch soll dem Papier zufolge auch beim Einsatz des Computers grundsätzlich die Verantwortung behalten. [Süddeutsche Zeitung, 23.12.2016]
Als Leiter der EA (= Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge) […] ist seine Verantwortung, morgens Brot, Wurst, Käse und Marmelade und ein Pack Milch für die Kinder bereit zu stellen und für saubere und geheizte Schulräume zu sorgen. [Spiegel, 05.11.2016 (online)]
Wann immer er [Konrad Adenauer] ein öffentliches Amt zu versehen hat, sei dies das Amt des Oberbürgermeisters von Köln, sei es das des Bundeskanzlers, dann spürt er die Verantwortung des Amts und sucht ihr zu entsprechen. [Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005 [2004], S. 132]
Die Verantwortung für das Gelingen des Festes lastete schwer auf ihren Schultern. [Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 30]
Denn nicht nur die Kinder profitieren von den Ferienfreizeiten mit Gleichaltrigen, lernen, wie man in einer Gruppe Verantwortung übernimmt und das Zusammenleben mit anderen gestaltet. Auch die Eltern haben Gelegenheit, sich einmal auszuruhen […]. [die tageszeitung, 13.02.1999]
Sie [die Bürger] leiden nämlich unter der österreichischen Spielart des Föderalismus: Wegen der unklaren Verantwortungen ist er zu einer ziemlich teuren, ineffizienten und verantwortungslosen Form der Staatsorganisation mutiert. [Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2015] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine besondere, staatspolitische, unternehmerische Verantwortung
als Akkusativobjekt: die Verantwortung delegieren, übernehmen, wahrnehmen, jmdm. übertragen, zuschieben
als Dativobjekt: einer Verantwortung gerecht werden
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein hohes Maß von Verantwortung; die Übernahme von Verantwortung
mit Genitivattribut: die Verantwortung des Einzelnen, des Bundes, der Eltern, Politiker, Wissenschaftler, Tarifparteien, Unternehmer, Mitgliedstaaten, Industrieländer
in Koordination: Verantwortung und Vertrauen, Macht, Kompetenz
mit Prädikativ: die Last der Verantwortung
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Verantwortung für die Sichherheit, das Gemeinwesen, den Vertrieb
b)
Verpflichtung, für etw. Geschehenes einzustehen (und sich zu verantworten)
Beispiele:
Die Überprüfung des gesamten Systems habe, so die Ermittler, keinen Hinweis auf eine andere mögliche Ursache [als menschliches Versagen für das Zugunglück] ergeben. Aber ist die Bahn frei von Schuld? Trägt das Unternehmen eine Verantwortung an der Tragödie? [Spiegel, 09.11.2016 (online)]
Im Mittelpunkt der Kritik steht unverändert der Duisburger Oberbürgermeister […], dessen Verhalten selbst von den eigenen politischen Freunden […] nicht mehr verstanden wird. Er weigert sich standhaft, zurückzutreten und zumindest die politische Verantwortung für das Geschehen bei der Love Parade zu übernehmen. [Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2010]
Wenn wir die Erben der Verstrickung unserer Väter und Mütter in die Nazijahre sein wollen, wenn wir ehrlich Verantwortung für diese Geschichte mit übernehmen wollen, dann müssen wir auch die Erben der Leiden, der Verletzungen werden, all der zerstörten Lebenspläne der Deutschen dieser Jahre, dachte Katja. [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 145]
Die unheilbar an Brustkrebs erkrankte [Raucherin] […] hatte das Unternehmen unter anderem wegen Betrugs und Fahrlässigkeit verklagt. Der Zigarettenhersteller wies die Verantwortung für die Erkrankung zurück. [die tageszeitung, 11.02.1999]
Kein Richter [in der früheren Sowjetunion], der die Angeklagten ohne Beweise, ohne Zeugen, ohne Verteidiger für Jahrzehnte in die Eiswüsten des Nordens verbannte (und damit im Zweifelsfall dem Tod auslieferte), wurde zur Verantwortung gezogen. Keiner der […] Staatsanwälte wurde wegen Schändung des Rechtes und der Menschenwürde belangt. [Die Zeit, 10.09.1998, Nr. 38]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine individuelle, persönliche, politische, strafrechtliche, die alleinige, volle Verantwortung
als Akkusativobjekt: die Verantwortung für etw. tragen, übernehmen; die Verantwortung auf jmdn. abwälzen; jmdm. die Verantwortung zuschieben
als Dativobjekt: sich der Verantwortung entziehen
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Verantwortung gezogen werden; sich aus der Verantwortung stehlen
mit Genitivattribut: die Verantwortung des Angeklagten, aller Beteiligten, der Deutschen
in Koordination: Verantwortung und Schuld, Gewissen, Haftung
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Verantwortung für den Anschlag, das Attentat, die Verbrechen, die Niederlage, das Scheitern
2.
Verantwortungsbewusstsein, -gefühl
Beispiele:
Vor ein paar Tagen haben wir […] einen Artikel zu einer Studie veröffentlicht, wonach jede vom Menschen ausgestoßene Tonne CO2 drei Quadratmeter Arktiseis schmelzen lässt. Viele Leser haben uns daraufhin geschrieben, haben berichtet, wie sie ihr Leben, ihren Konsum zumindest ein Stück weit umgestellt haben – auch aus Verantwortung für zukünftige Generationen. [Spiegel, 09.11.2016 (online)]
Im Krieg vom Frieden zu sprechen war gefährlich. […] Es rückte die verrückte Gegenwart zu nah ans Normale, ans Menschliche. Rückte den Soldaten aus Reih und Glied, aus der Masse heraus, machte ihn zum einzelnen, zum Menschen mit Verantwortung und Gewissen. [Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 140]
Man kann Kinder nicht am gleichen Vormittag lehren, daß der Mensch eine besondere Art von Verbrennungsmaschine sei und daß man von ihm Nächstenliebe, Achtung vor der Menschenwürde und ethische Verantwortung verlangt. [Die Zeit, 13.02.1947, Nr. 07]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine ethische Verantwortung
3.
veraltet, (noch) landschaftlich Rechtfertigung
Beispiele:
In subjektiver Beziehung hat der Angeklagte in der Untersuchung die Verfassung und Veröffentlichung beider Artikel ausdrücklich zugestanden und erklärt, daß er seine Verantwortung bei der Hauptverhandlung vorbringen werde. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1920]]
Die Verantwortung des Angeklagten, daß durch seine Tätigkeit [als Spion für Russland] nur sein Auftraggeber [und nicht das österreichische Kaiserreich] betrogen wurde, fand beim Gericht keinen Glauben, weil der Angeklagte in schlechten finanziellen Verhältnissen lebte und damit ein doppeltes Motiv hatte, vom Wege des Rechts abzuweichen. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.03.1914]
Auch die Verantwortung des Herrn Gutmann, er hätte befürchten müssen [wenn er einem Kartenkäufer die Karte erstattet], dass noch 400 Personen kommen und ihr Geld zurückverlangen würden [weil eine von ihm organisierte Musikveranstaltung nicht wie geplant stattfinden konnte], kann dem Richter unmöglich imponiert haben. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1900]]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Antwort · antworten · verantworten · Verantwortung · verantwortlich
Antwort f. ‘Erwiderung’ (auf eine Frage, auf das an jmdn. gerichtete Wort), ahd. antwurti (8. Jh.), mhd. antwürte, antwurt ist eine Kollektivbildung zu dem unter ↗Wort (s. d.) behandelten Substantiv mit dem Präfix ant- ‘(ent)gegen’ (s. ↗ent-). Ursprünglich ist Antwort also ‘Gegenrede’. Von Haus aus ein Neutrum, folgt es schon in ahd. und mhd. Zeit teilweise der Deklination ähnlich gebildeter Feminina. In seiner Lautform lehnt es sich seit spätmhd. Zeit an Wort an. Asächs. andwordi, mnd. antwōrde, antwōrt, mnl. antwo(o)rde, nl. antwoord, aengl. andwyrde, anord. andyrði (Plur.), got. andawaúrdi erweisen die heute nur noch im Dt. und Nl. lebendige Bildung als gemeingerm. Auch das zugehörige Verb hat sich endgültig nur auf dt. und nl. Sprachgebiet durchgesetzt: antworten, ahd. antwurten (9. Jh.), mhd. antwürten, asächs. andwordian, mnd. antwōrden, mnl. antwo(o)rden, nl. antwoorden, aengl. andwyrdan, got. andwaúrdjan ‘widersprechen’. In den übrigen westgerm. und nordgerm. Sprachen haben konkurrierende Bildungen gesiegt, vor allem Zusammensetzungen mit den Verwandten von ↗schwören (s. d.), vgl. aengl. andswarian, engl. to answer ‘antworten’ bzw. aengl. andswaru, engl. answer ‘Antwort’, anord. svar (meist Plur.) ‘Antwort, Verteidigung’, svara ‘antworten, verteidigen’, schwed. dän. svar ‘Antwort’, schwed. svara, dän. svare ‘antworten’. Wie schwören stehen antworten und verantworten (s. unten) in unmittelbarer Beziehung zur Rechtssprache. Mhd. antwürten bedeutet speziell ‘sich, jmdn. vor Gericht gegen eine Klage verteidigen’. verantworten Vb. ‘die Folgen für etw. tragen, für etw. einstehen’, reflexiv ‘sich (als Angeklagter) rechtfertigen, sich gegen einen Vorwurf verteidigen’, mhd. verantwürten, -wurten, -worten ‘(be)antworten, (vor Gericht) rechtfertigen, verteidigen, vertreten’ (auch reflexiv); vgl. mnd. vorantwōrden, -wērden, mnl. verantwo(o)rden, nl. verantwoorden. Dazu Verantwortung f. ‘Verpflichtung, Bereitschaft, für seine Handlungen einzustehen’, veraltet ‘Rechtfertigung, Verteidigung’ (2. Hälfte 15. Jh.), vgl. mnl. verantwordinge, nl. verantwoording; verantwortlich Adj. (17. Jh.), ursprünglich ‘was sich verteidigen läßt’ (diese passivische Bedeutung lebt heute noch in unverantwortlich Adj. ‘nicht zu verantworten, nicht zu verteidigen’, Mitte 17. Jh.), erst später aktivisch ‘für eine Handlung, Entscheidung einstehend, Verantwortung tragend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Befugnis · ↗Bereich · ↗Kompetenz · Obliegenschaft · ↗Verantwortlichkeit · Verantwortung · ↗Verantwortungsbereich · ↗Zuständigkeit
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufsicht · ↗Fürsorge · ↗Fürsorglichkeit · ↗Geborgenheit · Geborgensein · ↗Gewahrsam · ↗Obhut · ↗Schutz · ↗Sorge · Verantwortung · ↗Verfügungsgewalt  ●  Schutz und Schirm (formelhaft)  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Rechenschaft · ↗Verantwortlichkeit · Verantwortung · ↗Zurechnungsfähigkeit
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewußtsein Last Schuld Zukunft abschieben abwälzen alleinig besonder eigen entlassen entziehen gemeinsam gesellschaftlich historisch moralisch persönlich politisch rechen sozial stehlen tragen trügen unternehmerisch voll wahrnehmen ziehen zuschieben Übernahme übernehmen übertragen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Verantwortung‹.

Zitationshilfe
„Verantwortung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Verantwortung>, abgerufen am 22.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verantwortlichkeit
Verantwortliche
verantwortlich
verantworten
verantwortbar
Verantwortungsbereich
Verantwortungsbereitschaft
verantwortungsbewußt
Verantwortungsbewusstsein
Verantwortungsethik